Donnerstag, den 25. Januar.

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1894.

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NtttevhaltttngsbLatt $um Gietzenev Anzeigen (GenKval-Anzerger)

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Das Glück des Lebens.

Novelle von U. Deis.

(Fortsetzung.)

Unterwegs fiel dem Heimkehrenden erst ein, daß er stch ja eben eigentlich zu einem neuen Besuche verpflichtet habe. Nun, man konnte das ja lange hinausschteben Als aber am nächsten Morgen ein Brief des Freundes auf feinem Tifche lag, in welchem der ihn bat, auf den Abend zu kommen, da« mit sie stch nicht wieder verfehlten, fühlte er fast wider Willen eine gewiffe Befriedigung und versuchte umsonst, sich zu ver­hehlen, daß er den ganzen Tag in Vorfreude und Erwartung auf den Abend verlebte.

Derselbe verlief dem ersten sehr ähnlich, nur daß die Unterhaltung nicht auf so ernste Bahnen wieder gerieth wie damals. Ja, als er mit seiner damaligen Gegnerin zusammen die Treppe hinabstieg und sich vor der Flurthür von ihr ver- abschiedete, begann dieselbe zögernd:Ich glaube, ich habe Ihnen neulich wehe gethan mit meinen etwas schnellen Worten; es war das aber nicht meine Absicht. In der Sache vermag ich freilich heute noch nicht anders zu urtheilen."

Es ist sehr freundlich von Ihnen, auf die Sache zurück- zukommen, aber Sie haben ja weiter nichts gethan, als daß Sie Ihre Ansicht aussprachen Ueberzeugt bin ich auch frei­lich heute noch nicht. Aber ich meine, wir können trotzdem als gute Freunde scheiden."

Mit kräftigem Händedruck trennten sie sich. Wieder hatte jener Blick auf ihm geruht, der ihn zugleich anzog und abstieß, jener wie er meinte mitleidige Blick, den er nicht wieder vergeffen konnte, der ihm das Gesicht des Mädchens doppelt schön erscheinen ließ. Aber was hatte sie ihn zu bemitleiden? Das empörte sein Selbstgefühl.

An einem schönen Frühlingstage hielt er wieder vor dem Hause. Er hatte versprochen, den weiblichen Theil der Familie und die Kinder spazieren zu fahren und kam nun, sein Wort einzulösen. Der Thiergarten stand im ersten Grün und jubelnd begrüßten das die Kinder, welche bis dahin aus den Straßen nicht hinausgekommen waren. Dem Besitzer der Equipage, welcher selbst den Wagen lenkte, war es anfangs etwas pein­lich gewesen, seinen Bekannten zu begegnen. Aber als er in die leuchtenden Augen der Kinder sah und dann bemerkte, daß auch der mitleidige Blick in den Augen der Tante heute einem bewundernden und fröhlichen gewichen war, ja, daß ihn sogar ein wärmerer Glanz aus demselben traf, als er sich einmal nach hinten beugte, da fühlte er weiter nichts, als herzliche

Zufriedenheit und stolze Freude, daß es ihm ein so Leichtes war, Glück um sich zu verbreiten.

Nun, mein gnädiges Fräulein," sagte er leise, als man wieder vor dem Hause anhielt,ist er nicht etwas Schönes, wenn man die Mittel besitzt, das. Schöne zu genießen?"

Gewiß!" war die Antwort.Habe ich das je bestritten?" Eine weitere Unterredung wurde durch die Dankesworte der Anderen abgeschnitten.

Dieser ersten Ausfahrt folgten weitere und es bürgerte sich von selber ein, daß Scheffler dann den Abend bei Hart­mann zubrachte. Einmal gelang es ihm sogar, die ganze Familie bei sich einzusangen, wie er scherzend sagte. Nach einer Fahrt durch den Thiergarten bog er in seine Straße ein und hielt vor seinem Hause an. Hartmann, welcher vorher von ihm mit in's Complot gezogen war, wartete schon an der Pforte des Vorgartens und die überrumpelten Damen folgten der Einladung, die Räume des Junggesellen in Augenschein zu nehmen. Scheffler machte den liebenswürdigen Wirth, wenn auch seine Versicherung, daß die Damen für Vieles, was etwa mangelte, ein Auge zudrücken müßten, vielleicht nicht ganz ernst gemeint sein konnte, sondern eigentlich seine Gäste in Verlegen­heit setzen mußte. War doch der Imbiß, den er ihnen anbot, ein so üppiger, wie ihn jenes einfache Haus ihm nie vorgesetzt hatte, noch vorsetzen konnte.

Lieber Ernst, was sollen wir denn nach diesem zu Dir sagen, wenn Du an unfern armseligen Tisch kommst?" rief ihm Hartmann lachend zu.

Bei Dir ist's doch anders," war die Entgegnung,mir fehlt die Hausfrau, die hier genug Fehler und Fehlendes ent­decken wird."

Nun, heute hast Du gleich Dreie hier, die das verbeffern können."

Die Damen traten nach beendeter Mahlzeit den Heimweg in der Equipage des Wirths an, die beiden Männer blieben zurück.

Das Haus scheint mir auf einmal sehr groß geworden zu sein," bemerkte Scheffler, nachdem er schweigend eine Zeit­lang den Cigarrendampf in dicken Wolken von sich geblasen hatte. Es war, als spräche er mit sich selber.

Es ist ja auch bedeutend leerer geworden," scherzte Hart­mann. Aber so unbefangen er zu scheinen suchte, es wollte ihm nicht ganz gelingen. Bis dahin hatte er ohne weiteres Nachdenken angenommen, der Verkehr in seinem Hause sei bei : dem Jugendbekannten eben nur wegen jener Jugendbekannt. : schäft gepflegt. Er hatte seine Freude an diesem Verkehr ge- I habt; denn die ihm unsympathischen Seiten an dem alten Be« - kannten hatten sich im Laufe der Zeit zum Theil abgeschliffen