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Gemeinnütziges.
Für diejenigen unserer Leser nnd Leserinnen, welche gern Fische essen, sei folgende interesiante Tabelle, welche einen Ueberblick über den Nährwerth einiger Ftscharten gibt hier mitgetheilt:
Name des Fisches
Wasser
Eiweiß
Fett
Asche
Flußaal ....
57,42
12,83
28,37
0 85
Häring (frisch) . .
74,64
14,55
9,03
1,78
Hecht.....
79,63
18,42
0,53
0,96
Scholle ....
78,35
18,71
1,93
1,91
Karpfen ....
76,97
21,86
1,09
1,33
Der Flußaal enthält demnach am wenigsten Wasser und al- Summe von Fett und Eiweiß am meisten verdauliche Stoffe.
Wer die im Haushalte abfallenden Knochen sür den Garten benutzen will, zertrümmere dieselben mit einem großen Hammer soweit wie möglich, übergieße sie in einem geeigneten Gefäße mit kochendem Wasser und lasse sie dann eine Woche zugedeckt stehen. Nach Mblauf dieser Zeit fügt man ganz vorsichtig und langsam etwas Schwefelsäure hinzu, etwa IV2 Liter auf 25 Liter Wasser, und rührt die Mischung mit einem Stock um. Die Knochen werden nun bald zu einem Brei zerfalleü, der mit Erde vermischt, einen guten Dünger für Gemüse rc. gibt. Verdünnt man den Brei mit Wasser, so erhält man einen auch für Topfpflanzen geeigneten flüssigen Dünger.
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Kartoffelwasser benutzt man mit Vortheil zum Reinigen der Gläser und des Geschirrs. Auch bunte Kleider und wollene Wäsche waschen sich gut in dem vorher erwärmten Wasser. Gründlich gespült und feucht gebügelt, werden die Stoffe wie neu.
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Zwiebacksuppe. Geröstete Zwiebacke werden feingestoßen und mit einigen Citronenscheiben, etwas Zucker und Salz, im Wasser gut durchgekocht. Nach Belieben kann man die Suppe mit 2 bis 3 Eidottern abziehen.
Bei den Komödiantenkindern.
Paris, im Octobsr 1894.
Vor Jahren las ich einmal die ergreifende Tragödie eines Artistenkindes, die noch heute in meiner Erinnerung fortlebt. Eine arme Akrobatenfamilie war mit ihrem „Thespiskarren" in ein Städtchen der Normandie gekommen, um dort während des Jahrmarktes Vorstellungen zu geben. Der Stolz der Truppe war der kleine Pierre, der in der Maske eines Pierrot die wunderbarsten Gymnastikerstückchen ausführte. Der Aufenthalt der Familie zog sich dort tief in den Herbst hinein, und der Akrobatenvater fand es für gerathen, seinen braven Pierrot über den Vormittag in die Schule zu schicken. Dort, dachte der arme Mann, hat es der Kleine wenigstens für einige Stunden wärmer als in der kleinen Bude, und dann lernt er auch ein wenig schreiben und lesen in der Schule, was wohl nicht schaden kann. Am ersten Tage hatte es nun der kleine Pierrot glänzend unter seinen neuen Kameraden. Wie sich die Kinder freuten, als dec kleine Artist, den sie bisher wochenlang in seinem weiß-rothen Kostüme angestaunt und bewundert hatten, mitten unter ihnen auf der Schulbank Platz nahm. Man weiß ja, welchen Zauber auf das Kindergemüth das „Geheimniß", das sie hinter dem Vorhang der Komödiantenbude vermuthen, ausübt! Nun saß der gepriesene Pierre unter ihnen und konnte ihre Neugier über seine Wande- rrmgen, Erlebnisse und Künste mit eigenem Munde befriedigen. Alle wurden sie schon nach der ersten Stunde seine Freunde; in der Zwischenpause füllten sich seine Taschen mit Aepfeln und Kuchen, und Mancher, der Pierre für sich besonders gewinnen wollte, steckte ihm sogar ein Sousstück zu. Ach, so gut hatte es der kleine Komödiant noch nie gehabt; es war der glücklichste Tag seines Lebens. Am nächsten Morgen aber — welch' ein anderes Bild! Die guten Kameraven von gestern
sahen Pierre bei seinem Eintritte ins Schulzimmer nicht mehr an; Keiner grüßte, Keiner sprach ihn mehr an, und Aepfel und Kuchen gab es auch nicht mehr. Die Zwischenpause aber brachte ihm die bitterste Enttäuschung. Im Hofe suchten einige Knaben mit ihm Streit; von Worten ging es zu Schlägen und Püffen, und als die Schulglocke wieder ins Klassenzimmer rief, lag Pierrot halb ohnmächtig mit blutendem Gesichte und zerschlagenen Gliedern auf dem Hofpflaster.
. Was hatte in den Gemüthern der Knaben diesen jähen Ueberaanq von Liebe zur Feindschaft über Nacht herbeigeführt? Ach, das alte Vorurtheil gegen die Komödianten! Die Kinder hatten den Eltern bei Tisch freudig die Kunde von dem Eintritt Pierrots in ihre Schule erzählt. Darob Entsetzen der Väter und Mütter! Was, ein Komödiantenkind, Euer Schulkamerad? Der Sohn von Artisten, die niemals in die Kirche gehen, auf derselben Schulbank mit unseren Kleinen? Und den Kindern wurden die grauenhaftesten Schauderthaten dieser Nomaden der Kunst erzählt und ihnen eingeschärft, bei Prügelstrafe jeden Verkehr mit diesem nichtsnutzigen Pierrot zu vermeiden. Die Kinder aber setzten am nächsten Morgen die Worte der Eltern in Thaten um und schlugen den armen Pierre halb tobt. An Leib und Seele gebrochen, lag Pierrot bitterlich schluchzend, auf dem Pflaster und wischte sich das Blut von den Wangen. Ein namenloses Weh ging durch sein armes Kinderherz. Für das Komödiantenkind gibt es also keine Liebe und Freundschaft auf Erden! Nur Prügel, Prügel daheim in der Schaubude bei den Uebungen Prügel bei den Kameraden in der Schule! Das kann doch der liebe Gott nicht so gewollt haben! Nein unter den Menschen ist es nicht zu leben, sie haben mit den Artistenkindern kein Mitleid, klang es schmerzlich in der Seele des kleinen Pierrot. Und als die Eltern in der Bude ihren Pierrot zum Essen erwarteten, brachten ihnen Schisferknechie eine kleine Leiche ins Haus. Pierrot hatte sich ins Wasser gestürzt, weil er unter den bösen Menschen nicht mehr leben wollte. Dort in den Fluthen des Stromes, hatte das gequälte Akcobatenkind Erlösung von seinen Leiden empfunden. . . .
An dieses tieftraurige Schicksal des kleinen Pierre wurde ich heute erinnert bei einem Spaziergang auf dem Boulevard Richard-Lenoir, wo der Pariser „Wurstelprater" zur Abwechslung seinen Sitz aufgeschlagen hat. Ja, zur Abwechslung, denn die Pariser „Saltimbanques" haben kein ständiges Heim, sie sind die wahren Nomaden von Paris. Welch' ein seltsames Völkchen, diese ständigen Pariser Gaukler und Künstler! Sie verlassen den Boden der schönen Seinestadt eigentlich nie; besser als jeder Polizist und Rosselenker sind sie mit dem Plan von Paris vertraut, dieses Paris, das sie bis in seine entlegensten Viertel und Winkel genau kennen. Heute schlagen sie ihre Zelte auf dem Boulevard Rochechouart auf; einen Monat später hausen sie auf der Place du Träne; und so geht es fort, bald auf die Esplanade des Invalides, bald nach La Chapelle hinaus, dann wieder nach Mvntrouge oder nach dem Cours de Vincennes. Geht es ihnen hier nicht gut genug, dann wandern sie nach einem äußeren Boulevard, nach dem Lion de Belfort oder dem Boulevard Richard Lenoir: kurz, sie sind in Paris überall, aber nirgends lang zu Hause. Die Stätte ihrer längsten Ansiedelung aber und ihrer reichsten Einnahmen bildet der alljährliche Jahrmarkt von Neuilly. „La foir de Neuilly“ — o, dieser herrliche Jahrmarkt draußen im Schatten der Bäume an der Porte Maillot! Er ist bas ~ wochenlange, reizendste Pariser Volksfest, zu dem Tag für Tag Groß und Klein hinauspilgert. Endlos, unabsehbar reiht sich Karroussel an Karroussell, Schaubude an Schaubude,' und die Reihe der Löwenzwinger, Muleen, Panoramen, Puppentheater, Bazare, „Wunderkabinette", Schaukeln', Hutschen, kleinen Gast- und Kaffeehäuser ist Legion. Neuilly zur Psingst- zeit, das ist die Freuds der großen und kleinen Pariser Kinder. Und wenn dann Abends unter dem blauen Himmel die Lampions und farbigen Laternen, die unzähligen Gaskandelaber und elektrischen Bogenlampen ihr magisches, sarbenschillerndes Licht über diese in eitel Lust und Jubel schwelgende Jahrmarktsallee „in Fluthen" herniederleuchten lassen, dann glaubt maii sich in eines jener Wundermärchen von „Tausend und eine Nacht" versetzt. Die Saltimbanques aber machen srohe Gesichter, denn ihre Buden werden nicht leer und jede, auch die kleinste, deren ganzes „Wunder" vielleicht nur in einem „zweibeinigen" Hund oder einem „sechsfingerigen" Kind besteht, schwimmt in einem Sousregen, der für die Dürre eines früheren Jahrmarktes reichlich entschädigt . . .
Und die Kinder dieser Wanderfamilien, dieser Heimathlosen in Paris? Sie kennen das ungebundene, freie Leben ihrer Altersgenossen nicht; nicht das aufsichtslose Dasein der Gamins, die sich draußen auf den Plätzen der äußeren Boulevards und in den Gräben des Linienwalls tummeln und zu den Pariser „Früchteln" heranreisen, die oft an der Guillotine, am häufigsten aber in den Gefängnissen endigen. Nein, die Kinder der Saltimbanques sind kleine Sclaven, die vom Tage ab, da sie stehen und gehen können, zur „Arbeit" erzogen werden, zu jener gliederverrenkenden Arbeit, die oft die einzige Einnahmsquelle ihrer Eltern bildet. Für Schule und Unterricht bleibt für diese Kleinen nur wenig Zeit. Wenn auch yier in der Weltstadt das Vorurtheil gegen die Komödiantenkinder längst ein überivundener Standpunkt ist und den Kleinen alle Schulen offen stehen, so müssen sie dennoch auf die glück- xc?l'. siöhsichb Schulzeit an der Seite ihrer bürgerlichen Altersgenossen großtentherls verzichten, denn sie müssen „arbeiten" lernen. Daß unter btefer Artistenjugend die meisten Analphabeten heranwachsen, wird demnach nicht verwunderlich erscheinen. (Schluß folgt.)
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.


