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mühte ick mir die Vorwürfe machen, Dir zu der Wahl ge< I rathen zu haben- Nein, mit der Personenfrage mußt Du mich in Ruhe lassen, Jutta! In dieser Hinsicht wage rch kein maß, | gebendes Urtheil zu sprechen, sondern ich kann Dir nur rathen wie ich bereits sagte, nach wahren Empfindungen Deines Herzens, vereint mit vernünftigen Erwägungen, zu withlen-
„Bedenke, daß ich schon lange meine gute Mutter, die mir sonst würde rathen können, verloren habe, Huda, und datz ich mich deshalb an Dich als erfahrene Frau um Rath — «34 vermag Dir aber nicht besser zu rathen, als ich bereits gethan," erklärte die Freundin. „Du maßt Drr stlbst ein klares Urtheil in dieser Schicksalsfrage bilden und erst noch ein ruhiges Glück für Dein eitles, rebellisches oerz erkämpfen. Da dies nun erst noch eine Aufgabe der ZukE für Dich ist, so würde ich an Demer Stelle mrch noch nicht entsche^^r Hilda, der General von Bomsdorf hat mir sür morgen seinen Besuch angekundigt und ich glaube, daß der Besuch gleichbedeutend mit der osficiellen Werbung des Generals ist. Was soll ich da bet der Wankelmüthigkeit ”einC,%Mir®u unentschlossen, so wirst Du die Unterhaltung mit dem General jedenfalls derartig zu beeinflussen wissen, daß er daraus noch nicht den Schluß ziehen kann, daß es der rechte Augenblick für eine Werbung sei," bemerkte die Baro- n^n heißt aber allgemein, daß der General von Boms- darf ein Eisenkopf sei und ohne Umstände auf das erwählte «iel losgehe. Was soll ich thun, wenn er dennoch mir eme Erklärung macht? Bitte, rathe mir, liebste Hilda!
„Nun, wenn Du fest glaubst, in einer Ehe mit dem General glücklich zu werden, so kannst Du ihn erhören und Du wirst in spätestens drei Monaten Frau General Excellenz von Bomsdorf. Hast Du aber diesen Glauben nicht, so muß der tapfere General, auch wenn er einen noch fo harten Kopf hat, bett üblichen Korb, natürlich in zarter Form, bekommen.
„Du scherzest jetzt auch noch mit mir m dieser ernsten Angelegenheit, während ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht," erwiderte Jutta und drückte die kleine Hand auf ihre WeW* Sb’iife nicht, wie ich Dir anders Vernunft in Deiner Erregung beibringen fall," bemerkte die Baronin mit leiser Ironie, „als daß ich Dir die Poesie und die Prosa einer Werbung vor die Augen führe. Halte Dich nur morgen, wenn der General kommt, recht tapfer, denn er scheint Dem Herz doch erst noch erobern zu wollen." _
„Du verspottest mich nur noch, Hilda, und kennst nicht die Qualen, die ich zu ertragen haben werde, bis ich meine Entscheidung getroffen-" „ _.«■
„Ich verspotte Dich nicht, sondern ich suche Dich nur mit drastischen Mitteln zur Vernunft zu bringen Es wird mir sreilich nicht gelingen, denn schon die .alten Griechen sagten, daß die Liebe blind sei, und wenn ein funges Mädchen gar einen alten General liebt, dann muß doch wohl die Liebe erst recht blind sein." „, _
„Hilda, ich ertrage Deinen Spott keinen Augenblick länger. Rede mir lieber noch recht vernünftig zu, daß ich die richtige Entscheidung treffe, denn der Gedanke, daß ich gar nicht mehr weiß, wie ich mich entscheiden soll, kann mich fast MttÄ Ä ul« » ihr « Ml-h-u, W« R= mirseu ut« ihr Unglück Wo lol 0- ein iuftt«d-u-- ®emül6 h-rl-mm-n ?" 6tl Dir Iltengen Sitten.
Mleün Ät mehr lauge aus. Ra« Du, dle viel um- worbene, welterfahrene junge Wittwe kannst ja fetzt recht klug reden, da Du über die Fehler unerfahrener Mädchen er haben bist." ___
Sei nur nicht böse, meine bedauernswerthe Jutta!" erwiderte jetzt die Frau Baronin, während auf ihrem schönen Gesicht ein schalkhaftes Lächeln erglänzte. „Du läßt mich doch Deine Verlobung bald wissen und beehrst mich bald wieder mit Deinem Besuche?"
Mit einem zürnenden Blicke aus den schönen Augen verließ dieses Mal Fräulein von Helborn das Haus der Freundin und blieb dieser die Antwort auf die letzte Frage schuldig.
Die Wahrheit habe ich Jutta deutlich gesagt und hoffe, daß es nicht vergeblich geschehen sein wird," dachte die Baronin von Sassen, als die junge Dame fort war. „Aber freilich so ein eitles Mädchenherz ist unberechenbar, und schließlich erscheint Jutta doch als Braut tciumphirend am Arme des Generals von Bomsdorf. Der arme, brave Haupt- mann Lingen kann mir leid thun, denn er wird dann rote in einer Versenkung vor Jutta verschwinden, oder Jutta wird ihm herablassend als Frau General von Bomsdorf noch einmal die Hand reichen, wenn er die schuldige Visite bei dem General macht. Und ärgert sich der General darüber , daß Jutta früher Gefallen an dem stattlichen Hauptmann gefunden, so läßt er’s vielleicht denselben dienstlich büßen. Doch wer fragt auch schließlich heutzutage viel um ein enttäuschtes Männerherz, die Herren der Schöpfung vermögen sich fa in dieser Hinsicht leichter zu trösten als die betrogenen Mädchen, die ihr ganzes Lebensglück auf einen einzigen Mann, der schließlich untreu wurde, setzten."
Doch während die schöne Wittwe diese Gedanken in ihrem Geiste weiterspann, wurde es ihr bald sehr wehmüthtg um das eigene Herz. Längst vergangene Jugendbilder tauchten in ihrer Erinnerung auf, sie sah sich wieder als armes, adeliges Fräulein, dem im Hause einer reichen Gönnerin ein edler junger Mann, ein angesehener Patrtziersohn, den Hof machte und den sie ebenso herzlich lieb gewann wie er sie. Dann erblickte sie sich als reiche Erbin und das Bild der Erinnerung verwandelte sich. Stolze Freier mit prunkenden Namen drängten sich um sie, einer derselben bethörte ihr Herz und gewann sie und ihren Reichthum und von ihrem ersten Geliebten erblickte sie nur noch das bleiche Schmerzensgesicht. Aber nach kurzen Wonnemonaten kamen auch die Jahre der Enttäuschung und Prüfung an der Seite des Gatten, der bis zu dem unglücklichen Duell nur feinen Passionen zu leben gewohnt war, und die Thränen erfüllten die Augen der vereinsamten Frau-
„Ich habe einst schwer an einem braven Herzen gesündigt, flüsterte sie leise, „aber Du bist gerächt, Fritz, ich habe dafür büßen müssen."
„Ob er übrigens noch in der Residenz lebt und welches wohl fein Schicksal gewesen sein mag?" dachte die Baronin dann noch. „Hoffentlich ist er noch glücklich an der Seite einer Anderen geworden. Es sind nun wohl dreizehn Jahre her, seit ich ihn zum letzten Male sah und niemals wieder etwas von ihm hörte."
Die Baronin klingelte dann ihrem Kammermädchen und
machte Toilette zu einem Spaziergange.
Wie alle vornehmen Familien pflegte auch die Baronin erst spät zu Mittag zu essen und unternahm daher in den Mittagsstunden gewöhnlich einen Spaziergang, an welchem je nach den Umständen auch ihr Töchterchen Erna und die Gouvernante theilnahmen. Dies war heute nicht vorgesehen, denn wegen Juttas Besuch hatte die Baronin die Gouvernante mit dem Kinde bereits vor einer guten Stunde fortgeschickt und erwartete dieselben schon wieder zurück.
Während die Baronin sich zu ihrem Ausgange anschickte, kehrten auch Erna und die Gouvernante von ihrem Spaziergänge in das Haus zurück.
„Eine schreckliche Neuigkeit wurde in der Stadt durch Extrablätter bekannt gemacht," berichtete die eintretende Gouvernante erregt. „Darf ich Ihnen das Extrablatt Überreichen, gnädige Frau?"
(Fortsetzung folgt.)
und Verla» bet Brühi'schm Druckern (Fr. Thr. Pietsch) in ®ieDen.


