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Es wird eine discrete Angelegenheit sein, welche der Maler in so später Nachtstunde mit seinem Onkel verhandelt hat.

Aber wenn vielleicht dieser Maler ein Lebemann, ein Spieler ist und für seine leichtfertigen Passionen Geld und immer wieder Geld von dem Onkel verlangt hat und vielleicht letzte Nacht mit einem solchen Ansinnen abgewiesen worden ist, dann würde mir, diese Voraussetzungen als richtig an­genommen, der junge Mann als sehr verdächtig vorkommen. Ich ersuche Sie daher, denselben beobachten zu lassen.

Der Criminal'Jnspector nickte zustimmend und sagte dann:Ich werde nochmals das ganze Haus durchsuchen, ob der Raubmörder nicht irgend einen zu seiner Entdeckung führenden Gegenstand zurückgelaffen hat."

Während der Beamte diese Durchsuchung in der pein­lichsten Weise vornahm, trat der Staatsanwalt leise in das Zimmer, wo der schwerverwundete Commerzienrath lag, und fragte im flüsternden Tone den neben dem Bette stehenden Arzt, ob es ohne Gesahr für den Verletzten möglich sei, den­selben vielleicht heute noch zu befragen, ob er den Raubmörder kenne. , ,

Wenn sich die Beantwortung dieser Frage nur auf eine ganz kurze Auskunft beschränkt, sodaß keine Gemüthsbewegung davon für den Verwundeten zu besürchten ist, so kann die Frage vielleicht schon jetzt gethan werden," erwiderte leise der Arzt,denn bei dem Commerzienrath ist Gott sei Dank seit einigen Minuten das Bewußtsein wieder zurückgekehrt und er hätte schon selbst zu mir gesprochen, wenn ich ihm das Sprechen nicht noch verboten hätte."

es von höchster Wichtigkeit für die Ergreifung des uns noch unbekannten Verbrechers ist, sobald als möglich den Herrn Commerzienrath darüber zu besragen, ob er den Raub- Mörder kennt, so will ich eine kurze Frage an ihn richten, sobald Sie mir einen Wink dazu ertheilen."

Der Arzt besah jetzt den Verwundeten, der wach zu sein schien, und flößte ihm einen Löffel voll stärkenden Wein ein.

Herr Commerzienrath, der hier anwesende Herr Staats- anwalt wünscht eine kurze Frage an Sie zu richten. Wollen Sie dieselbe beantworten?"

Der Verletzte öffnet weit seine großen, braunen Augen und sagte mit matter Stimme:Ja!"

Herr Commerzienrath Homberg, ich frage Sie, ob Sie die Person, welche ein Verbrechen an Ihnen begangen hat, dem Namen nach kennen?" sagte j-tzt mit lauter Stimme der

Staatsanwalt. . , ,.

Nein, mein Herr," erwiderte der Verwundete leise,der Verbrecher war eine mir unbekannte Person und hatte außer­dem noch ein geschwärztes und, wie es mir schien, auch von einem salschen Barte entstelltes Gesicht."

Sie haben auch gegen eine gewisse Person keinen Ver­dacht, Herr Commerzienrath?" frug der Staatsanwalt noch.

Es dauerte einige Secunden, ehe die Antwort erfolgte, und dann erklang ein zögerndesNein" von den Lippen des

Verwundete«., _ ,

Der Staatsanwalt schüttelte bedenklich sein Haupt über dieses verneinende Ergebniß seiner Fragen und sagte dann: So wäre denn meine Mission hier beendigt. Ich wünsche Ihnen baldige Genesung von den Folgen des schändlichen Ver­brechens, Herr Commerzienrath. Adieu, meine Herren!"

Der Mann des Gesetzes verließ daraus das Kranken­zimmer Hombergs und suchte in den übrigen Räumen der Wohnung den Criminal-Jnspector, welcher nach verdächtigen Merkmalen des Verbrechens spähte.

Einen Manschettenknopf habe ich in der Dienerwohnung gefunden," berichtete der bald näher tretende Criminalist,und dieser Manschettenknopf könnte dem Verbrecher gehören, denn es klebt Blut daran." ,

Allerdings ist dieser Manschettenknopf unter Umständen ein sehr wichtiges Mittel zur Entdeckung des Diebes," be­merkte der Staatsanwalt und nahm den aus Gold und Elfen­bein gearbeiteten Knopf an sich.

Ist der Diener des Herrn Commerzienraths vernehmungs­fähig?" frug darauf der Staatsanwalt noch seinen Begleiter.

Leider nicht," entgegnete dieser,denn der Diener liegt noch betäubt auf seinem Bette."

So werde ich denselben wohl erst morgen früh verneh- men können," sagte darauf noch der Staatsanwalt und verließ in Begleitung des Criminal-Jnfpectors die Stätte, wo da« Verbrechen stattgefunden hatte.

Am Morgen desselben Tages, an welchem der Raubmord in Hombergs Hause stattgefunden hatte, saß die verwittwete Baronin von Sassen allein in ihrem Boudoir und las immer und immer wieder einen Brief, welchen sie vor einer Stunde empfangen hatte.

Den Brief hatte die Baronin von ihrer Freundin Jutta von Helborn, einer ehemaligen Penstonsgenossin, erhalten und in dem Schreiben wurde von der letzteren der Baronin ein schwerer Herzensconflict anvertraut und um deren freund, schaftlichen Rath g beten. ,

Jutta von Helborn war eine reiche, elternlose Erbin und eine sehr stolze Dame. Obwohl sie drei Jahre 1^8®® lvar, als die Baronin von Sassen, so mußte es doch auffallen, daß sie, die hochgebildete, schöne und reiche Dame, noch immer utt* vermählt war. Die Ursache, daß das nun bald siebenund­zwanzig Jahre zählende Fräulein von Helborn noch nicht ver- heirathet war, lag keineswegs darin, daß sie keine passenden Freier gehabt hatte, sondern die Dame besaß einen solchen Stolz, daß sie, weil ihre verstorbene Mutter eine geborene Grästn Pohlen gewesen war, in dem Wahne lebte, mindestens auch einen Grafen heirathen zu müssen. Allenfalls hätte sie auch noch einem General oder einem Minister oder Gesandten ihre Hand gereicht, denn hohe gesellschaftliche Stellung des Freiers galt bei einer etwaigen Verheirathung der stolzen Dame viel mehr, als treue Liebe und braver Character.

In den letzten Monaten ihres Lebens und hauptsächlich durch den neuerdings wieder aufgenommenen häufigen Verkehr mit der nach der Residenz zurückgekehrten Freundin, der Baronin von Sassen, hatte sich das stolze Herz des Fräuleins von Helborn allerdings etwas geändert. Sie hatte einestheils eingesehen, daß trotz ihres großen Reichthums, ihrer hohen Abkunft und ihrer Schönheit sich dennoch bis zstzt kein Graf, kein General und kein Gesandter um ihre Hand ernstlich be­worben hatte, und anderntheils hatte sie auch von der Baronin von Sassen erfahren, daß es eine böse Sache für eine Frau ist nur nach hohem Titel und anderen äußerlich glänzenden Eigenschaften sich einen Mann zu wählen, dabet aber die Tugenden des Herzens und Charactecs des Freiers nicht zu ''"^Jedenfalls wußte Jutta von Helborn, daß ihre Freundin mit ihrem verstorbenen Gemahls, dem Prunk und Glanz, Sport und Spiel liebenden Rittmeister Baron Sassen nicht glücklich verheirathet gewesen war, denn unberechenbare Launen und kostspielige Passionen hatten das Leben des Barons bis zu seinem unseligen Duell mit dem Ungar ausgesüllt und kein wahres Eheglück aufkommen lassen.

Vor einigen Wochen nun hatte Jutta von Helborn bei einer Festlichkeit im Hause der Frau Geheimrath Springer den stattlichen Hauptmann Lingen, einen Bruder des Majors Lingen, kennen gelernt und dieser Offizier, der ein Bild männ­licher Schönheit und ritterlichen Wesens war, hatte trotz seiner bürgerlichen Herkunft und seines klanglosen Namens einen so großen Eindruck auf Juttas Herz gemacht, daß sie vielleicht unter dem guten Einflüsse der Baronin dieses Mal ihren innersten Empfindungen gefolgt und die Werbung des Haupt­manns Lingen angenommen haben würde, wenn nicht vor wenigen Tagen ein anderes Ereigntß dazwischen getreten wäre, welches den alten Stolz Juttas wieder heftig aufgestachelt halte. _ ,

Kein Geringerer nämlich als der General von Boms- borf, ein noch stattlicher Herr zu Anfang der fünfziger Jahre, der vor zwei Jahren seine Frau durch den Tod oetloren, hatte ein Auge auf Jutta von Helborn geworfen und ihr ? gestern auf einem Balle bei dem Oberprästdenten solche un-