Ausgabe 
15.12.1894
 
Einzelbild herunterladen

AneevhaltttngLblcrtt )um Giehenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev)

Hl

-Ei

Samstag, Le« 15. December.

ii|7K "l!"."BSB.'"l J!H " 1 !'!» XBL1!!Bfa

Rechte Liebe.

Novelle von H. Limpurg.

(Schluß.)

Ada saß tief versunken in einen Brief ihrer Freundin, Marie von Pohl, die ihr enihustastisch über ihre Verlobung mit Rittmeister Werder schrieb.

Du glaubst gar nicht, wie selig ich bin," schrieb die junge Dame, die noch immer in Wiesbaden sich befand,alle Tage ist eine andere Gesellschaft zu Ehren unserer Verlobung und ich habe so viele hübsche Toiletten dazu, daß mein Bräu­tigam ganz erstaunt darüber ist. Wir werden im Frühjahr heirathen und bann eine schöne Reise machen, auch viel Ge­selligkeit, Theater und Concerte besuchen, das ist meine größte Seligkeit und Werder thut Alles, was ich will. Ec ist wirk­lich nett und ganz anders, als damals jener langweilige Husarenmajor aus dem Manöver, wie hieß er doch gleich."

Ada ließ den Brief sinken; der Name jeneslangweiligen" Mannes stand ja in Feuerlettern tief drin in ihrer Brust ge­graben; sie konnte nur bedauernd die Achseln zucken über die Freundin, welche so himmelweit von ihr selbst verschieden war!

Am nächsten Morgen erhielt sie eine entzückende Weih- nachtskarte, aus der unter Christrosen und Eiszapfen mit festen, eleganten Zügen rin Name hervorblickte:Albrecht Sendrach, Major und Schwadronschef im . - ten Husaren­regiment."

Strahlend und erröthend zeigte das junge Mädchen ihr Geschenk der Mutter und flog dann hinauf, um es auf dem Herzen zu bergen.

Der Wagen rollte gegen Mittag zur Bahn mit dem Echloßherrn und Ada, um Graf Traunstein abzuholen. Er war ein munterer, jovialer Mann Ende der Dreißiger, welcher grüßend sich aus dem Coup6e bog.

Willkommen," rief er heiter, als er den Zug verließ und schüttelte kräftig des Schwagers Rechte»nun, alter Knabe, sehen wir uns nach so langen Jahren endlich wieder? Ja, solch' unglücklicher Majoratsherr wie unsereins hat wenig Zeit zum Reisen und muß an seiner hochgeborenen Scholle kleben. Wenn'» nur auf dem Traunstein nicht so einsam wärel Ah, und hier ist mein Nichtchen Ada! Tausend, welch'schöne junge Dame bist Du geworden; da darf solch' alter Onkel wohl gar nicht mehr eine Umarmung wagen?"

Aber er schloß dennoch das schöne Mädchen in die Arme, daß sie lachend beinahe in seinem Pelz versank.Nun komm',

Onkel Eduard," rief sie endlich athemlos sich losmachend, wir wollen heim, denn es ist etwa» kühl, hier sich zu be­grüßen. Mama wartet mit der Suppe."

Im Stillen freilich dachte die treulose Nichte, wie sehr viel schöner es wäre, wenn Jemand anders neben ihr im Schlitten säße, als der heitere Onkel, aber sie fühlte das Weihnachtsbild auf dem Herzen und lächelte. Sie hatte ja eine so felsenfeste Hoffnung, daß die Christrosen auch ihr er­blühen würden und deshalb leuchteten die blauen Augen auch so selig und lächelten die rothen Lippen. Onkel Traunstein aber konnte keinen Blick von der lieblichen Nichte verwenden und in sein einsames Herz schlich sich leise, ganz leise ein Hoffnungsstrahl für künftige Tage. Armer Onkel Eduard!

Frau von Bärfeld begrüßte gleichfalls jubelnd den lang­ersehnten Bruder, aber sie winkte auch ihrem Gemahl geheim- nißvoll lächelnd zu.

W r werden ein wunderschönes Fest feiern," flüsterte sie im Vorbeigehen,es soll Alles sehr gut gelingen."

Am nächsten Morgen schmückten Onkel und Nichte den Baum unter allerlei Scherz und Neckereien.

Mädchen!" rief der Graf bewundernd, als unter den emsigen, schlanken Fingern das Tannenbäumchen sich feenhaft verwandelte.Dich könnte ich auf dem Traunstein brauchen. Willst Du nicht meine Frau werden?" ME

Und meine eigene Tante!" Ada knixte schelmisch.Ich danke für den Heirathsantrag ex abrupto und warne Dich, mich nochmals in Versuchung zu führen."

Du bist eine Mamsell Uebermuth," drohte der Graf, ich bin ja viel zu alt für solch' Backfischchen, welches fich eben erst in der Welt umsteht"

Eine glühende Röths färbte das Antlitz des jungen Mäd­chens und sie sagte etwas unüberlegt hastig:O nein, Onkel, ich heirathe gewiß nur einen älteren Mann und keinen faden Lieutenant."

Das wird Papas Geldbeutel sehr angenehm sein," brummte der Oheim,denn die Portemonnaies der Herren sind meist so fade und leer, als sie selbst."

Da ruft die Mama." fiel Ada rasch ein,ich komme gleich wieder; bitte, mache doch die Lichter an den Zweigen fest. Ich bringe Dir auch zur Belohnung etwas Marzipan mit."

Sie ist allerliebst," brummte Traunstein,aber ich weiß doch nicht recht, ob sie mich nehmen würde. Es steckt irgend etwas in dem Blondköpfchen bei aller Unbefangenheit!"

Die Glocken läuteten feierlich, die Christnacht war zu Ende und die Schloßherrschaft schritt heim- Die Eltern gingen voran und Onkel Eduard führte seine Nichte, deren ganze