übergab, ,,sür acht Tage müssen wir mit noch fünfzehn Mann Husaren bei Ihnen um Gastfreundschaft bitten."

Die Ihnen auch mit größter Freude gewährt wird, Herr Major," antwortete verbindlich der Schloßherr-Nun bitte ich aber, meine Herren, mir zu folgen, damit ich Ihnen Ihre Zimmer anweisen kann; Sie werden müde und be­staubt sein."

Drüben am anderen Ende des Gutrhofes trat im selben Moment jene schlanke Mädchengestalt von vorhin aus der Gartenpforte und blieb noch einen Moment zögernd stehen, bis die Herren im Innern des Schlosses verschwunden waren, dann schritt auch sie leichtfüßig voran- Es war ein ganz allerliebstes, rosiges und regelmäßiges Gesichtchen, welches unter dem großen Schutzhute sich verbarg; tiefblaue Augen blickten so heiter in's Leben, als gäbe es nichts von Sorge und Angst darin, um den frischen, rothen Mund lag ein munteres Lächeln und Fräulein Ada murmelte vor sich hin: «Da sind sie nun! Was blasen die Trompeten Husaren heraus ! Es wirb eine ganz lustige Zeit werden und ich muß Marie aus ihrem Romanlesen aufstöbern, um ihr die Neuigkeit mitzutheilen, daß der Schwadronschef mit seinem Adjutanten und fünfzehn Mann Husaren unser einsames Schloß überfallen und sich darin festgesetzt haben."

Sie lachte silberhell und schlüpfte in's Schloß, um droben im luftigen Thurmzimmerchen anzupochen.

Jst's erlaubt, Marie?" frug sie, neckisch zur Thür hereinblickend,oder bist Du noch ganz in Deine Romane vertieft?"

Das junge Mädchen, welches drin auf dem Divan faß, hob langsam den Kopf und blickte die Sprecherin aus feuchten, dunklen Augen an.Er hat sich soeben eine Kugel vor den Kopf geschossen, Ada," sagte sie so tragisch, daß ihre schöne Freundin in Helles Gelächter ausbrach.Aber weshalb stimmt Dich das so lustig ich finde es sehr traurig."

O, liebste Marie, tröste Dich, Du bekommst lebenden Ersatz für Deinen tobten Helden; soeben ist die Einquartierung einpajsirt!"

Wie von einer Feder emporgeschnellt, fuhr Marie in die Höhe-Was Du sagst, Ada! Sind's auch Offiziere?"

Ja," nickte diese ironisch,der Schwadronschef, ein Major, und sein Adjutant; Papa sagt, es sei Vetter Egon Bärfeld, der sich schriftlich schon anmeldete."

Aber das ist ja reizend und das sagst Du mir jetzt erst," jubelte Maria von Pohl, Adas Psnstonsfreundin, welche für einige Wochen zu Besuch da war.Da müssen wir zu Tisch besonders Toilette machen. Ich will mich gleich frisiren und mein blaues Kleid zurecht legen lassen."

Aber Herz, wegen den beiden Husaren? Vetter Egon ist der Mühe nicht werth, denn ich habe ihn in Erinnerung als einen höchst faden, eitlen Cadetten und das wird er wohl als Lieutenant auch geblieben fein. Und dem Major zu Ehren ziehe ich mich auch nicht anders an das wird jedenfalls ein ältlicher Mann sein."

O, Dein Papa wird schon die anderen Osfiziere aus den Dorfquartieren noch mit einladen und wir müssen doch die Gäste etwas auszeichnen. Denke nur, Ada, wenn hier im Schlosse ein Ständchen gebracht würde!"

Das müßte dann für Dich fein, Maria. Hm, ich werde Dir etwas sagen, nimm Dich des Husarenmajors liebevoll an und steh' gleich zuerst nach, ob er einen Trauring trägt. Ist das nicht der Fall, fo würde ich an Deiner Stelle auf der Grundlage weiter bauen."

Maria ward dunkelroth und wollte schmollen, doch die übermüthige Freundin faßte sie um die Taille und zog sie im Wirbel so lange durch's Zimmer, bis sie wider Willen lächelte.

Und nun Achtung," commandirte Ada endlich athemlos, in's Feuer! Machen wir Toilette für die Einquartierung, Du für den unbekannten Major und ich für den Vetter Egon!"

Sie lachte übermüthig und wollte hinauseilen, als Maria sie nochmals anhielt.

Ada," frug sie etwas unficher,meinst Du, daß daß ich eine Rose in's Haar stecken könnte?"

O gewiß," neckte Jene,und die verliert man dann bei ,er Promenade im Park, aber so, daß einer der in Aussicht tehenden Verehrer sie findet und auf feiner Brust bewahrt, bis

Ach, Du bist heute unausstehlich," zürnte Maria und wandte sich ab, während die Freundin lachend die Thür schloß; aber sie ging doch hinab und wählte zwei wunder­schöne Theerofen, die sie forgfältig abschnitt und Fräulein von Pohl brachte.

Hier ist ein Friedensband, Herzchen," sagte sie munter, und nun mußt Du Dich frisiren lassen; ich will Dich fa schön machen, daß alle Husarenoffiziere Dir zu Füßen liegen sollen."

Aber Ada, wie übermüthig Du bist. Du solltest Deine Scherze doch nicht übertreiben 1 Wer weiß, wie sich das Schick­sal an Dir und Deinem Uebermuthe noch rächen wird. Wie wäre es, wenn Du an denältlichen Major" Dein Herz verlörest ?"

Ah bah, das glaube ich nicht. Der ist für mich zu alt und ich bin auch durchaus nicht sentimental veranlagt, um mein Herz schon jetzt zu verschenken. Und unter keinen Um­ständen werde ich mich in einen älteren Junggesellen verlieben, auch wenn er ein stattlicher Husarenmajor ist."

Maria gab jetzt der Freundin keine Antwort auf diese Bemerkung, sondern verschwand, um Toilette zu machen.

Auch die Herren Offiziere machten sich zum Diner zurecht, welches um vier Uhr angesetzt worden. Baron Bärfeld ver« schwendete eine Unmenge feinsten Parfüms, bürstete Haar und Bart bis zur Unendlichkeit und zwängte sich in die engsten Lackstiefel, daß ihm vor Anstrengung die hellen Schweißtropfen von der Stirn tropften.

Donnerwetter!" klagte er halblaut-Die Stiefel sind verwünscht enge und bei der Hitze recht unbequem. Aber dem schönen Cousinchen zu Liebe, was thut man da als galanter Vetter nicht. Hm, Rivalen gibt es im Augenblick nicht, den Major Sendrach zähle ich als Wittwer nicht mit in die Reihe. Er ist viel zu ernst, um nach irgend einer Dame zu sehen, obwohl man sich erzählt, daß er sehr unglücklich mit seiner verstorbenen Frau gelebt habe. Verwünscht, diese Stiefeln werden mir noch den ganzen Tag verderben."

Endlich war die Stunde des Diners da. Die Klänge einer Glocke erschollen und beide Offiziere trafen im Corridor zusammen; Major Sendrach sah stattlich und vornehm aus, trug jedoch nur den Jnterimsrock und die Mütze, während Baron Bärfeld Gala-Uniform angelegt hatte und den Tschako in den Händen hielt.

Nun, bester Bärfeld, haben Sie den Damen de» Hauses schon Ihre Aufwartung gemacht?" frug der Major etwas scharf.Oder weshalb sind Sie noch in Gala?"

Meine Aufwartung?" stammelte Egon ganz entsetzt. Nein ich ich dachte bei Tische fände die Vor­stellung statt."

Nun, es wäre doch wohl sehr schicklich gewesen, den Damen des Hauses schon vor Tisch seine Aufwartung zu machen," bemerkte der Major und seine Stimme klang ziemlich ernst.Merken Sie sich das, Herr Lieutenant, in ähnlichen Fällen. Ich bin allerdings nur von Ihrer Frau Tante empfangen worden, die jungen Damen waren nicht anwesend."

Junge Damen?" dachte Bärfeld ganz verwundert, aber die Zurechtweisung, die er erhalten, machte ihn doch etwa» verstimmt und schweigend trat er hinter den Vorgesetzten in das Boudoir, wo drei Damen ihnen entgegen kamen. Er verneigte sich und küßte die Hand der Baronin so angelegent­lich, daß er die Vorstellung bei den jungen Damen überhörte und um diese« wieder gut zu machen, mit schnellem Entschluß auf die eine derselben im blauen Kleid, eine Theerose im Haar und am Gürtel, zutrat und sie anredete:Cousine Ada! Ich bin entzückt, Ihre Bekanntschaft von damals erneuern zu dürfen. Sie sind doch genau dieselbe geblieben wie damals, I als Sie so graciös durch da» Seil sprangen-"