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Antevhaltnngsblatt jum Gi«hen«e Anzeiger sGeneral-Anzeigers
Samstag, den 8. Deeember.
Rechte Liebe.
Novelle von H. Limpurg.
------- (Nachdruck verboten.)
Es war Manöverzeit, lieber die Stoppelfelder galop- pirte eine glänzende Reiterschaar dem nächsten Dorfe zu, dessen Kirchthurmspitzen zwischen ven Baumkronen bereits hervorschimmerten. Die Reiter waren eine Abtheilung brauner Husaren, deren Anführer, Major von Sendrach, gar stattlich im Sattel saß. Er mochte im Beginn der vierziger Jahre stehen, seiner ritterlichen Gestalt stand die knappe Uniform gut, dem ernsten, schönen Gesicht verlieh der dunkle Schnurrbart noch einen ganz besonders interessanten Ausdruck, ebenso auch die etwas schwermüthig blickenden Augen.
Reben dem Major ritt sein Adjutant, Lieutenant Baron von Bärfeld, ein Salonlöwe vom reinsten Wasser, der durch sein duftendes Haupthaar und den stets musterhaft gepflegten langen Schnurrbart im Regiment eine Rolle spielte, freilich auch nur allein deshalb. Er war mit Leib und Seele beim Manöver, spielte aber auch überall, wohin ihn das Schicksal in'» Quartier brachte, den Liebenswürdigen und fing sogleich Feuer heute für blaue, morgen für schwarze Augen, bald für blonde Flechten, bald für krauses, braunes Lockenhaar. Schlug dann aber die Abschiedsstunde, dann entfloh der treulose Amor auch aus seinem Herzen und machte es bereit, neue Eindrücke in sich aufzunehmen.
Heute besonders war der Herr Lieutenant sehr vergnügt und spähte, das Monocle im Auge, eifrig an der gelbgrünen Buchenhecke, welche den Garten eines Guts- und Schloßhofes umgab, entlang, ohne jedoch ein lebendes Wesen zu entdecken.
„Suchen Sie Jemanden, Baron Bärfeld?" frug Major von Sendrach, halb belustigt dem auffallenden Gebahren zusehend.
„Hm, wie man es nimmt, Herr Major. Wir kommen heute zu meinem Onkel gleichen Namens, Bruder meines Vaters, in Quartier und — und —"
„Ah, da sind wohl einige hübsche Cousinen in Sicht?" „Jawohl, Herr Major. Ein ganz famoses Mädchen, meine kleine Base Ada, die ich nur als Kind gesehen habe."
„Aber ich denke, Sie finden die junge Dame so famos, bester Baron?"
„Ah, dem Bilde nach ist sie eine Schönheit, ich freue mich sehr, die schöne Cousine zu sehen- Ah, da war Jemand I"
Er richtete sich im Sattel höher auf, gerade als eine alte Gartenfrau, das Kopftuch tief in die Stirn gezogen, sich *6er die Hecke bog und neugierig die Ankommenden musterte. ?
Major von Sendrachs ernste» Antlitz erheiterte sich un- , willkürlich.
„Ist das die schöne Cousine, Herr Lieutenant?" frug et launig. „Darf ich bitten, mich vorzustellen?"
Bärfeld machte gute Miene zum bösen Spiel und lachte, doch spähten seine Blicke immer weiter — bis der neckische Zufall denselben das gewünschte Ziel gab-
„Dort, Herr Major," stieß er aufgeregt hervor und zog die Zügel seines Pferdes so stark an, daß es hoch aufbäumte, „dorr am Weinspalier steht eine junge Dame, das muß die Cousine Ada fein."
Eine hohe, schlanke Mädchengestalt bog sich anmuthig bald hierhin, bald dorthin, um mit zarten Händen die dunkelblauen Trauben zu pflücken; unter dem breiten Hute ließ sich nichts von dem Gesichte sehen, das Einzige, was bi» zu den Ankommenden leuchtete, war ein dicker, glänzender Knoten blonden Haares.
Das Pferdegetrappel und Geräusch der anrückenden Husaren war bis zu den Ohren der jungen Dame gedrungen, sie wandte sich aber nur halb um und rief dann, ruhig ihre Arbeit fortsetzend, in das eine offene Fenster hinein: „Mama, die Einquartierung kommt!"
Die helle, melodische Mädchenstimme drang bis zu den Ohren der Offiziere, und Sendrach wandte sich mit leichter Ironie zu seinem eleganten Adjutanten: „Sie sehen, Herr von Bärfeld, wir gehören ohne Ausnahme zu dem einen Sammelnamen: die Einquartierung. Sind Sie darüber nicht ganz empört?"
„Hm, Cousine Ada wird schon bald günstiger über mich urtheilen lernen," sagte er mit all' der selbstgefälligen Eitelkeit seiner Lieutenantsjahre; „es fängt sich doch unter Verwandten der Verkehr viel leichter an."
„Run, vielleicht wird dies Manöver Ihrer Schmetterlingsnatur endlich einmal gefährlich," antwortete der Major, fein Pferd links in den Schloßhof lenkend, „und bringt uns eine junge schöne Frau mehr in's Regiment."
Der Schloßherr, Baron von Bärfeld, ein jovialer, liebenswürdiger Mann in den besten Jahren, begrüßte die Herren sehr freundlich und schüttelte dem neuauftauchendeu Reffen kräftig die Hand.
„Steh' da, Egon," rief er heiter, „also als schneidigen Husar sehe ich Dich endlich einmal wieder! Bei unserem letzten Zusammentreffen warst Du noch ein hoffnungsvoller Cadett, dessen Censuren sich in bunter Abwechselung bewegten."
„Wir kommen als ungebetene Gäste, Baron Bärfeld," bemerkte Major Sendrach, welcher indessen aus dem Sattel gesprungen war und fein Pferd dem herbeigeeilten Burschen


