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Lenden Verbeugungen in das Empfangszimmer hinein. Es waren drei Personen. Der Graf Kwilecki, eine hoheitsvolle, edle Erscheinung mit ernstem, aber mildem Antlitz und einem langen, an den Mundwinkeln herabgedrehten Schnurrbart. Er trug dar Nationalcostüm der Polen, den langen, reich mit Schnüren besetzten Tuchrock und die viereckige, pelzbesetzte Cravka. Das feine Batisthemd war mit kleinen Brillantknöpfen geschlossen und die linke Brust zierte das Wladimirkreuz. - Gräfin Antonia, seine Gemahlin, war eine jener geistreichen, eleganten Frauen, welche in den Salons der polnischen Artsto- kratie eine wichtige Rolle spielen. Die Gräfin, in ihrer Jugend eine viel bewunderte Schönheit, war auch jetzt noch eine im- ponirende Erscheinung. Sie besaß einen Hellen, scharfen Ver. stand und eine fast männliche Energie. Ihren Gemahl beherrschte sie vollständig und sie wußte sich auch bei anderen Menschen Autorität zu verschaffen. Die Beamten, Bauern und Tagelöhner der verschiedenen Güter standen unter rhrer
! speciellen Controle und ste führte ein scharfes Regiment. Der Graf überließ ihr gern die Oberherrschaft, bewunderte ihr kluges, entschiedenes Verhalten und fügte sich mit der grüßten Liebenswürdigkeit in alle ihre Anordnungen und Wunsche.
Comteffe Sptrida, das einzige Kind des gräflichen Paares, war noch ein sehr junges Mädchen mit zarten kindlichen For- I men. Sie war kaum sechzehn Jahre alt und von liebücher
Schönheit; aber das feine schmale Gesichtchen zeigte eine durchsichtige Blässe und die großen, schwarzen Sammetaugen blickten müde und melancholisch daraus hervor. Auch um den kleinen Mund schwebte ein Zug von Schwermuth und Trauer. Sie hielt den Kopf etwas gesenkt, als würde chr die Last der tief- schwarzen Haare, welche in zwei dicken Zöpfen über den Rucken I fielen, zu schwer. Sie folgte langsam ihrW Eltern in das
Zimmer musterte dasselbe ein paar Secunden mit gleichgültigen Blicken und sank dann sofort in bte weichen Polster eines
ein! Vielleicht bekommen sie es auch mit Zinsen wieder zurück, I > nenn - " Michalina trat jetzt ganz in's Zimmer hinein und trocknete sich mit der blauen Schürze das vom Kochfeuer glühende Gesicht. Därrn hielt sie die Hand vor den Mund und fuhr mit gedämpfter Stimme fort: „Denn die Gräfin geht mit dem Gedanken um, ihre Tochter mit unserem Pan Roman zu ver- I beirathen. Ich weiß es von der Kascha, meiner Bruders- I tochter, welche Zofe bei der Comteffe Spiriva ist. Das wäre schreckliches Glück für unseren jungen Herrn Baron, nicht wahr? Die Comteffe hat so viel Geld, daß man unfern Kefen Teich damit ausstopfen kann, und wenn der alte Graf einmal stirbt, bekommt sie noch mehr. Dann kann unsere Herrschaft I mit Leichtigkeit alle Schulden bezahlen. Und die Comteffe fall ein wahrer Engel an Schönheit und Herzensgüte sein. Sie wirst mit den blanken Sllberrubeln um sich her wie mit Bon- I bons und hilft allen armen Leuten. Und singen soll sie können, - singen I Fräulein Jadwiga, ich sage Ihnen, dre dicksten Tbränen muß man weinen, wenn man nur von Me tern ihre Stimme hört. — Das ist wahr, wenn Pan Roman eine solche Braut eroberte, wäre er wie ein König!" I
Jadwiga hörte mit bleichem Gesicht den Bericht der red- I seligen Köchin an, die noch in aller Geschwindigkeit eine Menge vorzüglicher Eigenschaften der Comteffe Spirida aufzählte. Sie hatte den Kopf abgewandt und starrte mit feuchten Augen vor
^Plötzlich tönte ein gewaltiger Lärm von draußen in das Gemach hinein und bereitete den HerzenserMen der alten Köchin ein jähes Ende. Die Kutsche mit den Gästen war vor dem Herrenhause angelangt. Eine große Schaar zerlumpter Kinder hatte derselben mit Geschrei das Geleit gegeben und überbot sich nun in Freudensprüngen und Purzelbäumen, denn aus dem Gefährt wurde ein ganzer Sack voll kleiner Münzen über ste ausgefchüttet. Ein Dutzend Hunde von verschiedener Art fuhr heulend, bellend und kläffend zwifchen die Kinder und schnaubenden Pferde, und eine Heerde Gänfe, welche eben von der Weide kam, watschelte kreischend und mit weit ausgespann- ten Flügeln zur Seite. Dazwischen fluchte der Kutscher in allen Tonarten und knallte mit der Peitsche. Es war ein wahrer Höllenspectakel. , „ , ,,
Doch nun trat Pavel, der Diener des Hauses, mit über der Brust gekreuzten Armen aus dem Vestibül, um die fremde Herrschaft nach der Sitte jenes Landes zu begrüßen. Er warf sich vor dsx Kutsche auf die Kniee, berührte mit der Stirn den Erdboden und sprach den polnischen Willkommens-
^^Michalina lugte durch das Fenster. »Sie sind da, sie wollen gleich aussteigen, ich muß schnell in die Küche. rief sie I aus. „Fräulein Jadwiga werden doch ^ute bei Tafel ser- viren? Die Gnädige meinte, Pavel wäre nicht geschickt genug — und sie würde Ihnen auch ein neues Klerd dafür
Jadwiga ließ sie nicht ausreden. „Die Gäste bei Tische bedienen? — Aufwarten? — Nein, das thue ich nicht, das ist mir unmöglich! Ich will jede andere Arbeit verrichten und helfen, wo es nöthig ist. Aber das darf die Pan Castmira nicht von mir verlangen!"
„Aber warum denn nicht? Das rst doch keine Schande, eine so vornehme Herrschaft zu bedienen. Bedenken Sie nur, was es für ein gutes Trinkgeld geben wird.
„Sage kein einziges Wort mehr, ich verbiete es Dir! rief Jadwiga mit sprühenden Augen. „Ein Trinkgeld mir, mir. So etwas ist gut für Dich, doch mcht für mich. Ich gehöre nicht zur Dienerschaft, merke Dir das.
„Ach, Du liebe» Herrgottchen, welch ein Stolz, welch ein Hochmuth!" schalt die Alte und rannte aus dem Zimmer. Die hchig zuschlagende Thür fiel krachend hinter ihr in s
Das junge Mädchen achtete nicht darauf. Es stand regungs- los’H mit gefalteten Händen und stiirmisch wogender Brust. Ihm war so bang zu Muthe, ohne daß e» doch recht wußte, roatU$a wurde die große Flügelthür «eit geöffnet und Pavel sührte die fremden Herrschaften mit vielen bi» zur Erde rei-
Jadwiga ging den Gästen einige Schritte entgegen, ver- beugte sich anmuthig vor dem Grasen und der Comteffe und küßte ehrerbietig der Gräfin weiße Land; die Gräfin war von der edlen Erscheinung des jungen Mädchens frappirt. Wenn auch unter den Polinnen Schönheiten zu finden sind, wie ste schwerlich eine andere Nation aufweisen mag, so war die Gräfin doch bis jetzt noch keinem weiblichen Wesen begegnet, welches mit einem so süßen, bestrickenden Liebreiz in Antlitz und Gestalt eine so vollendete Vornehmheit und Grazie in Haltung und Bewegung verband. Auch der Graf war sichtbar davon überrascht. Er starrte Jadwiga mit offenbarer Be- wunderung an und schloß dann einen Moment wie geblendet die Augen. Endlich fand er sich soweit wieder, um ihr in der gütigen Weise, die ihm eigen war, ein paar artige Worte M sagen. Doch schien sein Interesse für das Mädchen im
I höchsten Grade erregt zu sein, es war, als könne er seine Augen nickt losreißen von ihr. Und dann kam es plötzlich wie ein Skrrm über ihn. Erinnerungen, die er längst begraben wähnte, süße Melodien, die vor langer Zeit verklungen waren, tauchten wieder vor seiner Seele auf. Und das Alle» hat der holdselige Anblick Jadwiga- aus seinem tiefsten Innern hervor- gezaubert. Doch blieb ihm keine Zeit, sich lange dam t zu be
I schäftigen, denn die Herrin von Lygotta kam eben in tade losester Toilette in's Zimmer und flog mit au-gebreiteten
I Armen an die Brust der Gräfin Antonia.
„Meine goldene Antoninka," rief sie aus, „lch bin ganz närrisch vor Freude, Sie bei uns begrüßen zu können und heiße Sie auf das herzlichste willkommen!
I 9 Dann stürzte sie auf Spirtdia los und küßte ste. „Ach, I «jNnnnnne" sagte sie in weinerlichem Ton, „Sie sehen krank | „gvEAivü ! t und dk Augen trübe! Was hat S,Ä*e"r,,%S wSe st- ta M mist«- °°»
I -m-r aitonto b-w-gt- ihr-« ^E-rmS-duidighm unb i n-r Reaen Sie sich nicht auf, gute Casimira, sagte fte. I ^Sviridia ist ganz wohl, nur ein wenig bleichsüchttg. Ich hoffe
SÄ LuftLänLng das Beste - in Lygotta werden | die frischen Farben wiederkehren."


