- 188
Ja, Jadwiga war zufrieden, weit, weit über ihr Hoffen unb Wünschen hinaus, sie nahm ihr Glück mit Demuth und Dankbarkeit auf. Was hätte ste wohl auch noch auf Erden zu wünschen gewagt? Durfte sie unbescheiden sein und vollkommene Seligkeit verlangen, wo ihr das Schicksal schon so viel Gutes und Schöne» bot?
Der Gedanke an den Freund ihrer Jugend und an ein ewig entschwundenes Paradies hatte in der ersten Zeit wohl noch ihre Tage getrübt, die Gewißheit, das Verlorene niemals wieder gewinnen zu können, bereitete ihr oftmals Schmerz. Aber es lag nicht in ihrem Character, den Kummer zum alltäglichen Gegenstand ihres Lebens zu machen. Romans Name kam nicht wieder über ihre Lippen, sie gewann es sogar über sich, nicht mehr an ihn zu denken, er war der Gatte einer Anderen und ihr Herz war rein und stolz.
Sie hatte mit der Vergangenheit abgebrochen, die Geschichte ihrer Liebe, ihrer Leiden schien vergeffen, und nun kehrte auch die Elastizität und der unvergleichliche Liebreiz ihres Wesens wieder zurück, welche Eigenschaften Kummer und Gram eine Zeit lang unterdrückt hatten. Sie erwachte zu neuem Leben. Es war eine Lust und Freude für sie, in rührender Sorge für ihre Eltern die Hände zu rühren und ihnen Gutes und Liebes zu erweisen. Auch den Armen und Kranken, deren es auf den Gütern des Grafen so viele gab, bezeigte sie in verständiger Weise ihre Theilnahme und ihre Herzensgüte.
Gräfin Antonia war dem jungen Mädchen mit mütterlicher Liebe entgegengekommen, sie hatte sich auch bemüht, den Geist desselben zu bilden und mit positiven Kenntniffen zu bereichern. Sie wurde in diesem Bestreben durch Jadwiga» glühenden Wiffensdrang kräftig unterstützt. Auch der äußeren harmonischen Lebensformen hatte dieselbe sich bald bemeistert, wobei ihr die natürliche Anmuth und Grazie ihres Wesens zur Hülfe kam. Das schöne Adoptivkind des Grafen.'Kwilecki war eine Zierde der hohen polnischen Aristokratie geworden und galt als eine begehrenswerthe, gesuchte Partie.
Aber Jadwiga dachte gar nicht an eine Vermählung; ste wußte, daß sie auch in Zukunft niemals daran denken würde. Sie hatte auf der Welt nur Einen geliebt und bewahrte ihm im Herzen die Treue. Es war ein kurzes, romantisches, abenteuerliches Liebesglück gewesen, es war gekommen und gegangen wie ein Traum, aber jene Stunde hallte noch immer mit klagender Stimme in ihrer Seele wieder. Wenn sie auch in der Unruhe des alltäglichen Lebens verklungen waren, so konnte Jadwiga doch niemals die stürmische Melodie vergeffen, welche ihr ganzes Wesen durchbebte, als ihr Herz zur Liebe erweckt wurde.
Der Gedanke an eine einsame Zukunft beunruhigte sie nicht, sie konnte ihr keine neuen Stürme, neuen Schmerzen mehr bringen. Wenn sie nur ihre Eltern und deren Liebe behielt, dann hatte ihr Sehnen und Wünschen ein Endziel erreicht. Noch mehr zu verlangen, schien ihr vermeflen-
Und so kam es, daß Jadwiga, das liebenswürdige, reiche Mädchen, mit vierundzwanztg Jahren noch unvermählt geblieben war. Die jungen Damen ihrer Bekanntschaft wählten sie zu ihrer Freundin und vertrauten ihr alle Herzensgeheimniffe an, — selbst junge Herren, welche sie eher zur Braut als zur Vertrauten wähle« konnten, erzählten ihr von ihrem Liebesleid, und die selbstlose, bescheidene Jadwiga empfand darüber keine Unzufriedenheit; es war ja in ihre Hand gelegt, ihr Leben zu ändern, und nur ihr eigener Wille verhinderte sie.
Dem Grafen Stanislaw und seiner Gemahlin fiel es auch gar nicht ein, sie zu einer Heirath zu drängen. Im Gegentheil! Sie empfanden gewiffermaßen eine egoistische Freude daran, ihren Liebling fortwährend bei sich zu haben, welcher durch seine Dankbarkeit und herzgewinnende Sanstmuth ihre unbegrenzte Zuneigung erworben hatte und an dem ste täglich neue Vorzüge entdeckten.
Besonders der Graf wies jeden Gedanken einer Trennung hartnäckig von sich ab. Jadwigas Anblick rief ihm ja täglich die Zeit seiner Jugend, seiner ersten Liebe zurück, denn wie sehr glich ste doch der Mutter! — Und nun durfte er wieder die
Augen sehen, die er einst so innig geliebt — Margarethenr Augen, — diese schönen, blauen Sterne voll süßer Träumerei
An Jadwigas äußerer Erscheinung vermochten die Jahre kaum eine Veränderung hervorzubringen. Nur war ihre Schönheit eine idealere geworden. Ihr feines, zarte» Gesicht mit dem ernst sinnenden Ausdruck erschien jetzt durchgeistigter. Ueber der ganzen holden Mädchengestalt lag der Hauch jungfräulicher Reinheit und Würde.
Die Kwileckis lebten mit Ausnahme einiger Wochen, die sie alljährlich in Ly,;otta bei ihren Kindern verbrachten, fast immer auf Schloß Jutrofchin. Es war ein stilles, ereigniß- leere» Leben, aber ein Leben, das vollkommenen Frieden bot und welches keine Sorgen, noch Stürme störte; ein Leben reich an Freüde, Güte, Liebe und Harmonie, in das sich weder Gleichgültigkeit noch Kälte oder Leidenschaft mischte. Der Sonnenschein kam und entfloh, aber die Tage verflossen so sanft, daß sie keine Spuren hinterließen. Und wie sie vergingen, so schwanden auch die Jahre in rastlosem Lauf und fielen der Vergangenheit anheim.
Jadwiga war am liebsten auf dem Lande, ihr behagte da» ruhige, beschauliche Leben in Jutrofchin besser, als dar unruhige Treiben großer Städte und Badeorte. Dort mußte sie Visiten machen, in heiße Concerte und Theater gehen, wo sie von jungen Männern angestarrt wurde wie ein Wunder.
Schon hatte Gräfin Antonia den Vorschlag gemacht, eine Saison in Pari» oder Warschau zu verleben, um Gesellschaften zu besuchen und sich der großen Welt wieder einmal in Erinnerung zu bringen, aber Jadwiga bat immer, doch lieber in Jutrofchin zu bleiben, wo ste Alle viel besser aufgehoben waren, al« in diesen geräuschvollen und mit Menschen vollgepropsten Orten.
Und die Kwileckis, welche mit den Jahren etwa» bequem geworden waren und das Bedürfniß nach Ruhe empfanden, drängten glücklicherweise nicht sehr zu solchen Reisen. E» war ihnen eigentlich ganz angenehm, daß ihre Tochter so wenig auf rauschende Vergnügungen gab und diesen ein stille» Leben auf dem Lande vorzog
Schloß Jutrofchin und seine Umgebung war aber auch ein Juwel von landschaftlicher Schönheit- Da» alterthümliche, imposante Gebäude, der Ahnensitz der Grafen Kwilecki, stammte noch aus den Zeiten des Königs Sobieskt. Es erhob sich aur den Fluthen eines klaren Sees und die nach demselben herabfallende Terrasse wurde von hohen Bäumen und malerischen Gebüschgruppen beschattet. Rmgs um das Schloß breitete sich ein großer Park aus, der an ein liebliches Idyll erinnerte. Er wurde mit der größten Sorgfalt gepflegt und war angefüllt mit allen Wundern der Pflanzenwelt, welche nur in diesem nordischen Klima gedeihen wollten. Uralte Eichen, Linden, Ulmen und Föhren wechselten hier mit den zarteren Kastanien, Platanen, Edeltannen und prachtvollen Coniferen, zwischen denen sich Marmorstatuen und steinerne Bildwerke befanden. Herrliche Rasenplätze, köstlich duftende Blumenbeete, meisten« mit Rosen bepflanzt, boten neben kleinen Baskets von seltenen Sträuchern und Blattpflanzen einen entzückenden Anblick, welcher noch durch die breite Silberfläche des Sees und die herrlichen Baumgruppen erhöht wurde-
Hier war noch Alles im romantischen Stil uralter Zeiten erhalten worden, mit Ausnahme des Orangeriehauses, welche» einen mit modernem Luxus ausgestatteten Wintergarten enthielt.
Von diesem große« Parke zogen sich breite, schattige Alleen in die nähere Umgebung des Schlosses hin, in der sich, zwar im Flachlande liegend, doch Alles zu einem wunderbar schönen und anmuthigen Landschaftsbilde vereinigte.
Die innere Einrichtung des Schlosses war gleichfalls alter* thümlich, aber kostbar. Es befanden sich eine Menge von Gemälden, Waffensammlungen, Kunstschätzen und werthvollen Familienreliquien darin, unter Anderem die seidene Schärpe, welche die schöne Polenkönigin Jadwiga vor alter Zeit dem ritterlichen Jagello gestickt hatte.
Wenn auch diese kostbaren Alterthümer im Laufe der Jahre an Glanz und Frische eingebüßt hatten, so sorgten die Kwileckis doch auf’» Gewissenhafteste für die Erhaltung derselben,
denn tion, Steii und glanz noch
bei Ii Mad gabei Thei wird Versi was Sim Harn und
Eltei Gest sürch
Aus mere klag« ihrei man kein
aus, plag
daß seine ihn. ihr ihr Jan bere Und halt Em; hielt auf tes
fein« oder wär
grof sein« in t die
jung Abe alte aud küm für mar
eige Lan Cho nase es t


