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Madeleine! Antworte mir!« fuhr er leidenschaftlich fort. Sprich nur ein Wort! Gib mir nur einen Funken von Hoffnung!"

Guido," entgegnete ich nach kurzem Schweigen,wie Manches gibt es, wonach es uns verlangt, und ehe unsere Lippen das Süße berühren, wenden sie sich zu etwas Anderem, das trotz seines verlockenden Aussehens bitter ist. Wenn wir dann zu unserem ersten lieben Traum zurückkehren, dann ist es zu spät!"

Madeleine, Madeleine! Heißt das mit anderen Worten, daß Du mich abweisest?" rief Guido-

Ja, Guido," versetzte ich ruhig.Ich blieb Dir lange traurige Jahre hindurch treu, wo ein Wort von Dir mir viele Tage und Nächte des Kummers und Grams erspart hätte. Trotz Deines langen Schweigens und Deiner Vernach­lässigung blieb ich Deinem Andenken treu. Damals wäre ich trotz Allem, was Lu Dir zu schulden kommen ließest, die Deine geworden doch jetzt liebe ich einen Anderen!"

Mehr als Du mich einst liebtest?" fragte er mit beben­den Lippen.

»I tzt, Guido, ja!" rief ich erregt und meine Augen füllten sich nut Thränen.Es gibt aber eine Oase in meinem Herzen, ein goldenes Blatt in dem Buche meines Lebens, sine Blume unter den Dornen, mit denen mein Pfad bestreut war, einen glänzenden Stern in der tiefen Fmsterniß meiner Vergangenheit und das war in eine erste Liebe."

Und ist der welterfahrene Mann so anders, als der Jüngling, den Du liebtest?" fragte er.

Vor Jahren," entgegnete ich,in jener Zeit traurigen Harrens fragte mich ein edler Mann, ob ich die Seine wer­den wolle. Jedes andere Mädchen wäre stolz gewesen, von ihm auserkoren zu sein. Ich wies ihn zurück des Gelieb­ten meiner Jugend halber!"

O, Mareleine, schone meiner!" rief Guido.

Damals liebte ich ihn nicht," fuhr ich fort,und hätte wohl nie Liebe für ihn empfunden, wenn Jener mir treu ge­blieben wäre; aber jetzt liebe ich ihn."

Mehr, als Du mich jetzt liebst?"

Ja," lautete meine Antwort.

Tiefes Schweigen folgte.

Er bedeckte seine Augen mit der Hand, seine Lippen blieben stumm; aber durch die schlanken weißen Finger drängte sich eine Thräne.

Nach mehreren Minuten lautloser StillezZand er auf.

Lebe wohl, Madeleine," sagte er leise und stockend, zum letzten Male lebe wohl! Wir werden uns auf dieser Welt nie Wiedersehen- Ich kann das Bergschloß nicht kaufen, diese Gegend und die liebe Heimaih ist mir ohne Deinen Besitz für immer vergällt."

Sprich nicht so, Guido," erwiderte ich weich,ich hoffe, daß Du in unsere Gegend ziehst und die warme Freundschaft, die ich für Dich hege, lebenslänglich zwischen uns fortbesteht."

Das ist unmöglich," sprach et traurig.Ich kann nicht hier bleiben und Dich als tue Frau eines Anderen sehen. Dieses Bild werde ich, so lange ich lebe, zum Andenken an Dich tragen; der Himmel vergebe mir, wenn es Unrecht ist, doch es soll mich auch im Tode nicht verlaffen. Morgen reise ich nach Indien ab lyiö werde nie wieder nach Deutsch­land zurückkehren. Und wenn Dich in späteren Jahren in Deinem Heim einst muntere Kinderstimmen umgeben, so er­zähle ihnen in trauter Dämmerstunde bisweilen von einem -Herzen, das am Strande Indiens ruht und deffen letzter Schlag ihrer Mutter galt."

Er ergriff meine Hände, preßte seine Lippen darauf und dann umschleierten Thränen meinen Blick ich sah ihn nie­mals wieder.--;

*

Kaum vier Wochen später stand ich eines Nachmittags am Fenster meines kleinen Wohnzimmers, mit einem Buche in der Hand; aber ich las nicht- Ich beobachtete das Kind, das, einen Reifen nach sich ziehend, die Straße hinabtrippelte

und dachte dabei halb neiderfüllt an das kleine, glückliche Herz.

Geräuschlos war hinter mir Jemand in'» Zimmer ge­treten, kam näher und legte die Hand auf meine Schulter.

Ich wandte mich nach dem Eindringling um. Es war Rector Walter.

So sinnend, Madeleine?' frug er lächelnd.Ich will Ihr Prophet sein und Ihnen sagen, was Sie dachten: Sie wünschten, Sie wären dieses Kind mit aller seiner Sorg­losigkeit."

Und seinem Glück," setzte ich, ohne zu überlegen, hinzu.

Da wurde er schnell wieder ernst.

Sind Sie nicht glücklich, Madeleine? Theure Freun­din, wir kennen einander so lange wollen Sie mir nicht vertrauen? Wollen Sie mir nicht sagen, was Sie so be­kümmert?"

Nichts," erwiderte ich und schaute dem Rector munter in das freundliche Gesicht.Ich bin ein schwaches, thörichtes Geschöpf und ließ mich nur einen Moment von meinen Phan» tasieen fortreißen, das ist Alles. Ich fühle mich eben ein wenig einsam."

, Und doch wollen Sie sich zur Einsamkeit verurtheilen, Madeleine?"

Er hotte meine Hand ergriffen und blickte zu mir nieder. Da stieg mir die Röthe ins Gesicht und er ließ nun meine Hand los.

Es ist grausam von mir, Ihnen wehe zu thun," sprach er seufzend;ja, ich bin thöricht, auf eine Stunde zu hoffen, die wohl niemals kommen wird und doch habe ich all' die Zeit hindurch gehofft."

Worauf, Theodor?" fragte ich.

Madeleine! Lena!" rief er und ein Ausdruck unaus­sprechlicher Freude erhellte seine edlen Züge.Sprich, Ge­liebte, ist es wahr, willst Du endlich die Meine sein?"

Und seine Arme, seine schützenden Arme umfaßten mich liebevoll; an seiner Brust ruhte ich, um Kummer, Trübsal und Sorge nie mehr allein zu tragen, um mich nie mehr einsam und verlaffen zu fühlen.

Wie berauschende Musik klangen seine Worte an mein Ohr:Endäch, endlich drücke ich meinen Liebling an meine Brust! In vier Wochen soll unsere Hochzeit fein!"

Uorn Ginheizen.

(Schluß.)

Doch wir haben das offene Herdseuer nicht mehr und vielleicht deshalb auch keine Staatsmänner wie Gladstone, die sich das Holz für den läglichen Bedarf selbst schneiden. Vielleicht wäre es für manche Dinge in Deutschland beffer, wenn unsere Staatsmänner nicht ausschließlich am grünen Tische arbeiteten, sondern hin und wieder im freien Wald, auf der grünen Wiese, in Dorf und Stadt mitten unter dem werkthätigen Volk umhertummeltsn. Indessen, das gehört nicht hierher. Fast vollständig verschwunden ist seither der Holzhacker. Er hat sich in einen Kohlenträger metamorphosirt- Der Holz­hacker hatte immer eine etwas hohe rechte Schulter, einen kleinen Ansatz zumBuckelhans". Die Jahr aus Jahr ein sich wiederholende gleichmäßige Vor- und Rückwärtsbewegung des rechten Armes, mit welchem er die Säge führte, brachte diese Vorbildung zu Wege. Als Kohler.träger hat er zwei runde Schultern. Die Last des Kastens drückt gleichmäßig nach beiden Seiten. So wirkt der veränderliche Beruf auch hier sichtbar auf die körperliche Entwicklung ein.

Und wo ist der Torf geblieben? Mag fein, daß er in der einen ober der anderen Familie aus Pietät noch beibe­halten worden ist; aber im Allgemeinen ist er verschwunden. Er war anspruchsvoll, er machte sich breit und forderte viel Raum. Man ist über ihn schnell zur Tagesordnung über ge­gangen, als die Preßkohlen erschienen, die sich die Gunst des