Unterhaltuirgsblatt zunr Gietzenev Anzeigev (Genev<rl«Anzeigep)

1894.

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Dienstag, den 6. Februar.

Gin Zeitgemälde.

Immer und immer umschweben uns wechselnde Bilder, Drängen Erscheinungen sich in dem Strome der Zeit; Groß und erhaben erbrausen des Fortschrittes Wogen, Stürzen das Alte und heben das Neue empor I Ruhelos, Sterblicher! strebst Du nach neuen Gestalten, Aber doch ferne stets bleibst Du dem glücklichen Ziel; Muthig durchbrichst Du die starken, die ehernen Schranken, Steigest auf Höhen, die tief Dich zu stürzen Dir droh'«! Lüftest den Schleier, der mancherlei Räthfel noch decket, Wähnst selbst die Sterne wohl noch von dem Himmel zu zieh'n! Blickst in die Wunder der fernen, der endlosen Räume, Und im Triumphe schwärmt jauchzend der forschende Geist.

Ewiges Haschen und ewiges Ringen und Jagen Hält Dich gefesselt ohn' Ende mit Riesengewalt, Was Du erstrebet, was all' Du erkämpft und errungen, Schwindet gar flüchtig im rastlosen Strome dahin. Stürze Dich jäh in das sonnenumstrahlende Leben, Fülle mit Wonne, mit weltlicher Freude die Brust, Hoffe und harre auf gute, auf beffere Zeiten, Selten doch wird Dir Dein Sehnen und Hoffen erfüllt. Freundliche Träume umgaukeln Dir lieblich die Seele, Hauchen Dir Frieden in'« ruhebedürftige Herz,--

Flieh'« doch die frohen, die glücklichen Stunden so schnelle, Schmerz nur und Klage, ach, bleiben dem Herzen zurück.--

Müde des Jagens nun kehrst Du zurück in die Stille, Nahmst doch nur Schatten, erloschene Sonnen Du ein- Blick' nun zurück auf die hinter Dir liegenden Tage, Ford're die Güter, doch wehe, sie waren nur Schein, Und in dem Innern da rufet ohn' Ende die Stimme: Wie Du hier lebest, so lebt die Erinn'rung in Dir!

Th. Loos.

Der Rosenhof.

Novelle von C. Western.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Der Mann muß hinaus Jn's feindliche Leben.

Schiller.

Es war ein prächtiger Herbsttag. Heiß lag die Sonne auf den Feldern und Weinbergen rings umher; auf den ersteren war längst alles Getreide eingeerntet und die Gänse hielten nun den Nachschmaus daselbst; in den Weinbergen aber ging es lustig her, denn hier war man eben dabei, die ersten reifen Trauben zu pflücken. Fröhliche Jodler und laute Jauchzer schallten aus den Weinberge« herüber auf die Landstraße, die zwischen den Hügeln hi« sich in'ö Feld hinabzog, dort bald wieder von Höhen eingeengt wurde und dann eine weite Ebene durchschnitt, in deren Hintergründe links sich hohe Berge, Vor­läufer der Alpen, erhoben, während rechts auf ziemlich schroffen Höhen sich Waldung an Waldung lehnte. Diesen Weg beschritt ein ungefähr vierundzwanzig Jahre zählender junger Mann in der kleidsamen blauen Uniform eines Infanteristen. Jetzt nahm er den schweren Tornister ab und ließ sich im Schatten eines Weinberges nieder- Als er die leichte Feldmütze abnahm, um sich den Schweiß von der heißen Stirn zu wische«, da sah man in ein männlich schönes Gesicht mit zwei himmelblauen klugen Augen. Hellblondes Haar, welches trotz der soldatischen Kürze kraus und lockig war, bedeckte das Haupt des Jungen Mannes.

Jetzt bemerkten die Arbeiter im Weinberg den Soldaten und riefen ihm freundlich zu:Willst 'ne Traub' zur Labung?"

Würd' sie nicht verachten!" antwortete er lächelnd.

Da hast Du eine!" klang es zurück.

Eine muntere Dirne warf ihm eine große helle Traube herab, welche der Rastende auch sogleich zu esse« begann.

Gelt, das bekommt?" frug das Mädchen theilnehmend. Danke schön, meine es auch!" erwiderte der Soldat.

Woher bist Du denn?" klang es dann vom Munde des Mädchens zurück.

Kennst Du Schwengäu?"

Ei freilich, hab' Verwandte dort."

Dort bin ich zu Haus."

Und woher kommst Du?"

Direct von Straßburg;-bin vom Militär entlassen!" Das ist weit her. Na, ich wünsche glückliche Heimreise!" Mit diesen Worten entfernte sich das Mädchen und der junge Mann zog sei« Vesperbrod heraus, denn eben läutete es zur Vesper, er betete kurz und begann dann rafch zu essen,