Line „Anthologie". Beim Portemsnnaiekslender spielen Format und Qualität der Decke eine große Rolle. Da« Herz» formst und die mit Metallbeschlägen verzierte Saffianhülle sind besonders beliebt.
Luxuskalender erster Ordnung sind die von renommirten Zeitschriften, wie „Gartenlaube", „Daheim", mit Novellen und Illustrationen veröffentlichten Separatausgaben. Der Garten- laubekalender bringt für 1894 eine spannende Novelle der Heimburg: „Aus meinen vier Pfählen". Hübsche novellistische Beiträge führen auch stets die int eleganten Taschenformat erscheinenden Damen-Almanache von Spener und Haacke. Ein besonderes Gepräge hat der im Verlage von Boll (Berlin) herauskommende „Musikkalender", der nächst intereffanten Plaudereien über Opern- und Concert-Eceigniffe, Novitäten aus dem Gebiete der Salonmusik vermittelt. Allerliebst ist ferner der von Schriftsteller Berthold Auerbach begründete „Deutsche Kinderkalender", der für den Preis von 1 Mk. wirklich eine erstaunliche Stofffülle bringt.
Aber wie auch die Bilder und Erzählungen sein mögen, durch welche der Kalender unser Auge und Herz erfreuen will — über den Inhalt der zwei Blätter, welche die Monate und Tage in rother und schwarzer Schrift anzeigen, bleibt er uns die Auskunft schuldig. Wir müffen uns bei Beginn des Jahres genügen lasten an dem frommen Wunsch:
Prosit Neujahr!
Eine Geschichte für Mütter.
(Schluß.)
Das imponirte sogar der Großmama, und sie schenkte ein kostbares weißes Spitzenkleid und eine riesige seidene Schärpe dazu. Wie schön und stattlich sah es darin aus, so schön, daß Mylady den Wunsch äußerte, es sollte gemalt werden. Auf himmelblauem Teppich sitzend, den mit Blumen gefüllten Korb krampfhaft fest in den Händchen haltend, wurde es abconterfeit.
Und dann kam der Winter. Mylady, die selten im Kinderzimmer vorsprach, erschien nun gar nicht mehr.
Sie hatte keine Zeit dazu, sie mußte nachholen, was sie vergangenen Winter versäumt hatte, und Bälle und Gesellschaften fleißig besuchen.
Und eines Abends, der Wagen stand schon vor dem er* leuchteten Portale, Mylady war fertig mit ihrer Toilette und besah im Spiegel ihre strahlende, sieghafte Schönheit, da stürzte Bessre herein und berichtete klagend, klein Baby liege im Fieber und sei heftig erkrankt.
My ord machte ein kurzes, bedauerndes „Oh", Mylady zuckte mißbilligend die runden Schultern und meinte: Warum ihr das melden? Besste sei doch als eine erfahrene, verlässige Kinderfrau gedungen worden, als solche müßte sie in ähnlichen Fällen Bescheid wisten. Auch könnte ja nach dem Arzte geschickt werden.
Und dann nahm sie Mylords Arm und rauschte hinaus, so schön, so kalt lächelnd wie immer. — Und andern Tags suhr Mylady nicht zum Balle.
Der Zustand des kleinen Kranken hatte sich verschlimmert, und sie saß im Kinderzimmer und gähnte. Ein kleines, krankes Kind, wie langweilig, und dann stand sie auf und wollte sich ein Buch holen.
Unter der Thüre traf sie der eintretende Arzt; sie wollte an ihm vorüber; seine Anordnungen anzuhören, war ja Bessie's Sache. Doch er hielt sie zurück und theilte ihr in ernsten Worten mit, daß das Schlimmste bevorstünde.
Und da geschah etwas sehr Seltsames. Mylady war einen Augenblick wie erstarrt, dann schrie sie laut auf, stürzte zum kleinen Bettchen, warf sich vor demselben auf die Knie und haschte nach den fieberheißen Händchen, die sie warm und
, innig küßte, wie noch nie. Dann streichelte sie das glühende ■ Gesichtchen und glättete mit zitternden Händen die Kiffen.
Weinend stürzte sie dem eintretenden Gatten in die Arme. # Mylord staunte, als er fein Weib so verändert, so hin- ; gebend zärtlich, so schmerzgebeugt und gebrochen sah.
Und Stunde um Stunde saßen nun Beide vor dem Bett- ' chen, Alles ausbietend, was Menschen Macht und Kunst vermag. ! Doch nichts vermochte den Todesengel zu verscheuchen; ein s schauerlicher Kampf des jungen Lebens mit der Vernichtung ; begann. Die kleine Brust hob sich mühsam, und ein röchelnder i Athem drang hervor; im wilden Schmerze ballten sich die ! kleinen Händchen und in krampfhaften Zuckungen wand sich der ; Körper.
i Mylady blickte flehend, Hülfe suchend zum Arzte, und : als dieser mit einem ernsten Blicke nach Oben wies, stürzte sie auf die Knie. Wie lange schon hatte sie nicht mehr gebetet, j und jetzt drang heiß und innig das Gebet der Gebete, das ' Vaterunser, auf ihre bebenden Lippen.
Immer qualvoller rang die Kinderseele mit dem Tode, und dann wurde es plötzlich ruhig; leise, unhörbar gingen die Athemzüge, die Krämpfe ließen nach, die fieberhafte Röche wich einer fahlen Bläffe und die angstvoll blickenden Augen schloffen sich müde.
Mylady's gramerfülltes Gesicht überflog ein Schimmer der Hoffnung. Sie bemerkte nicht, wie der Arzt mit dem Gatten einen verständnißvollen Blick wechselte. Doch Mylord war jäh zusammengezuckt und erblaßte. Sein Geist wandte sich zurück zur Vergangenheit. Er sah sich wieder als Knabe in seiners Vates Schloß, und im schwarzverhängten Saale ruhte der Katafalk seines Bruders. Und er weinte und jammerte mit den Andern, dann sah er die Mutter zusammenbrechen im Uebermaße des Schmerzes und den Vater sie er* > heben, stützen und liebevoll trösten. Ein warmes Gefühl der Liebe, des Mitleides durchfluthete plötzlich sein Herz.
Auch hier lehnte eine Mutter gramversunken und allein ■ dicht neben ihm, und da lag ihr Kind, sein Kind, blaß und i still gleich einer zertretenen Knospe. In überströmender Em- > pfindung zog er sein Weib an sich, küßte sie lange und innig, ! dann ergriff er die kleine kalte Hand und führte sie langsam < zum Todtenlager.
Unbeweglich und wachsbleich lag Baby's süßes Köpfchen auf dem Kissen, und auf der jungen Stirne thronte die Majestät des Todes.
Mylady brach mit einem Aufschrei zusammen.
Und als sie nach Wochen von schwerer Krankheit genaß, da war sie eine andere geworden und klein Baby hatte die Verwandlung zu Stande gebracht. Was es im Leben nicht hatte besitzen können, im Tode wurde es ihm im reichsten Maße zu Theil: die Mutterliebe. Seine Sendung war vollbracht, seine Aufgabe erfüllt: Es hatte die Herzen der Eitern in Liebe vereint durch die läuternde Kraft des gemeinsamen Schmerzes, und freudig konnte es zurückkehren zu den jubi- lirenden Schaaren der Engel.
Vermischtes.
Wer ist der Furchtsame? Ein Offizier im stehenden Heere lachte über eine furchtsame Dame, weil sie über den Lärm einer Kanone zusammenschrak, die zur Begrüßung abgefeuert wurde. Er heirathete später dasselbe unbeherzte Wesen und zog sechs Monate nach der Hochzeit die Stiefel im Hausflur aus, sobald er des Nachts spät nach Hause kam.
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Mann: „FrauI Die Jöhren schreien wie besessen! Der Teufel soll da ruhig arbeiten!" — Frau: „Schöner Ausdruck! Sonst nanntest Du sie die Pfänder unserer Liebe!" — Mann: „Auch recht! Aber in solchen Augenblicken wünsch' ich mir allemal, gepfändet zu werden."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


