AnLerchaltttirgsblatt zrrin GLetzenev Anzeigen (Geneval-Anzergev)

Nr. 103.

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Dienstag, den 4. September.

In den Fesseln der Schuld.

Criminal-Novelle von C. Sturm.

------- (Nachdruck verboten.)

In der freundlich gelegenen Westvorstadt der Residenz lag, umgeben von einem großen, prächtigen Garten, die Villa des Bankdirectors Pohlmann. Derselbe galt als ein reicher Mann, denn als langjähriger Director der Central-Commerzbank hatte er ein hohes Einkommen, zudem entstammte er einer wohl­habenden Familie und seine Frau hatte ihm auch Vermögen zugebracht.

In der Villa Pohlmanns beging man heute, an einem schönen Lenztage, den Geburtstag der einzigen, nun achtzehn Jahre alten Tochter Carola. Da das blühende junge Mäd­chen bereits eine Rolle in den vornehmen Kreisen spielte und auch schon einige Freier besaß, so wurde ihr Geburtstag durch ein Festmahl, dem ein Ball folgen sollte, gefeiert.

Zahlreiche Geschenke und herrliche Blumenspenden, welche in dem Prunkzimmer neben dem Speisesaal aufgestellt waren, zeugten von der Liebe und Verehrung, welche Carola Pohl- mann im Kreise ihrer Verwandten und Freunde genoß. Vor Glück strahlend, nahm das junge Mädchen nochmals die Glück­wünsche der ankommenden Gäste entgegen und zeigte denselben die reizenden Geschenke.

Darauf trat Carola in ein Nebenzimmer, wo sich während einer Festlichkeit im Hause die Familienmitglieder zu treffen pflegten.

Hocherfreut über das schöne Geburtstagsfest und das Glück der Tochter, trat jetzt Frau Director Pohlmann, eine noch hübsche Dame, ungefähr Mitte der vierziger Jahre, zu derselben, strich ihr liebkosend über das blonde Haar und meinte scherzend:Werden wir auch heute Raum genug haben sür unsere Gäste, Carola?"

O gewiß, liebe Mutter," entgegnete das junge Mädchen, denn die meisten sind ja schon da und die Zimmer sind noch lange nicht überfüllt."

Es gibt noch Platz genug im Hause, beste Mutter," er­klärte jetzt auch der zu den Damen tretende Bruder Carolas, der Referendar Ernst Pohlmann, denn die Ehe des Bank- directorr war außer mit der erwähnten Tochter noch mit einem Sohne gesegnet.

«Ich freue mich sehr auf das heutige Fest," fuhr dann der junge Referendar fort,denn es fanden sich recht zahlreiche liebe Gäste zusammen, und es wird gewiß auch Allen bei uns gefallen. Wie hübsch Du auch in diesem einfachen, weißen Mullkleide aussiehst!" schmeichelte der Bruder der Schwester. I

Es ist wirklich sehr feinfühlend von Dir, daß Du heute, wenn auch als Tochter des Hauses und gefeiertes Geburts­tagskind, nicht in glänzender Seidenrobe erscheinst, denn es macht stets einen guten Eindruck, wenn man bei einem Feste im eigenen Hause eine einfache Toilette wählt. Was mich anbetrifft, so mag ich die übermäßig prunkenden Kleider über­haupt nicht leiden und viele meiner Freunde, zumal Professor Galen, urtheilen ebenso, und auf dessen Urtheil soll man doch einiges Gewicht legen."

Wird Professor Galen, Dein neuer Freund, heute auch wirklich kommen?" frug die Mutter des jungen Mannes.

Das ist ganz selbstverständlich, daß er, kommt, denn Pro­fessor Galen ist gewohnt, sein Wort zu halten."

Wir sind Alle sehr darauf gespannt, den Herrn Professor kennen zu lernen," bemerkte jetzt Carola,denn Du hast uns so viel Schönes von ihm erzählt, daß er uns als so eine Art Jdealmensch erscheint, mindestens besser und edler als tausend andere Männer."

Ich hoffe, daß die Erwartungen, die ich in Euch in Be­zug auf Professor Galen erweckt, nicht enttäuscht werden," entgegnete der Referendar,aber ich werde ihn jetzt nicht mehr loben, denn er kann jeden Augenblick ankommen und dann könnt Ihr ja selbst urtheilen."

Endlich finde ich Euch und gleich alle drei zusammen," rief jetzt der ebenfalls in das Zimmer tretende Hausherr. Auf, meine Kinder, eilt in die Salons und überlaßt es mir nicht allein, die Honneurs zu machen."

Gleich, gleich, Vater!" erwiderte Ernst Pohlmann und eilte davon.

Dich, mein Kind, sehe ich erst jetzt in Gesellschaftstoilette," bemerkte dann der' Bankdirector lächelnd zu seiner Tochter. Siehst ganz hübsch, ganz niedlich aus, Carola, aber im Grunde genommen bist Du doch zu einfach, zu bescheiden ge­kleidet. Willst Du denn hier im Hause das Aschenbrödel spielen? Das paßt sich nicht für Dich und nicht für uns, denn die Leute wissen, daß ich ein reicher Mann bin und wir müssen auch repräsentiren."

Carolas hübsches Gesicht wurde bei diesem Vorwurfe roth und in ihren bisher so glücklich strahlenden Augen wurde ein düsterer Schatten bemerkbar, während ihre Lippen schmerz­lich zuckten.

Richt doch, Papa," begann jetzt abwehrend und besänf­tigend die Frau Director, welche ihren Gatten den Kindern gegenüber noch Papa nannte.Carola weiß sehr wohl ihre seidenen Kleider zu schätzen und zu tragen, wo es am Platze ist, aber heute, an ihrem Geburtstags und als Tochter des