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zur Tafel führte und mit ihr so geistvoll und so herzlich plan- bette, als wäre Fräulein Pohlmann bereits feine beste Freun« dtn und er ihr nicht vor einer halben Stunde erst vorgestellt worden.

Aber es konnte ja auch nicht anders fein, als daß Pro- fessor Galen, der Freund des Referendars Ernst Pohlmann, bei feinem ersten Eintreten in das Haus des Bankdirectors der Tochter desselben zunächst seine Huldigungen und seine ganze bezaubernde Liebenswürdigkeit zuwandte. Nach der Be­endigung der Tafel und während des dann folgenden Balles würde dieser neue Stern in der Herrenwelt, als welchen man Professor Galen bereits ansah, sich wohl auch dazu veranlaßt sehen, seine Strahlen weiter zu verbreiten und noch andere Bekanntschaften zu machen.

Aber diese Berechnung vieler Damen und Herren trog fast gänzlich, denn Professor Galen wich auch nach der Auf­hebung der Tafel lange Zeit nicht von der Seite Carolas, er tanzte nicht nur Polonaise, sondern auch Walzer und Contre mit ihr und war auch in den Pausen bemüht, die junge Dame zu unterhalten.

Natürlich sahen dies auch die Eltern Carolas sehr gern, denn ein so bedeutender und in so glänzenden Verhältnissen lebender Mann wie Professor Galen mußte auch in anspruch- vollen Familien ein beliebter Freier sein. Des Bankdirectors Augen glänzten vor heller Freude, wie er den Professor so unzertrennlich an der Tochter Seite sah, und Frau Director Pohlmann erkannte mit dem Scharfblick der erfahrenen Mutter, daß bereits bei dieser ersten Begegnung die Liebe in das Herz Carolas, wie auch in dasjenige Galens ihren siegreichen Ein­zug gehalten hatte und sie betete still zu Gott, daß er das hohe und unerwartete Glück der geliebten Tochter vollenden möge.

Am meisten triumphirte, wenn auch im Stillen, Ernst Pohlmann, denn er war es ja, der den Professor Galen feinen Freund nannte und der ihn in das Elternhaus eingeführt hatte. Ihm wurde deshalb auch von Vater und Mutter und ganz besonders von Carola herzlicher Dank zu Thetl, daß er es verstanden, den Professor für das Fest und vielleicht für eine Freundschaft für das ganze Leben zu gewinnen. Und Ernst war naturgemäß auch derjenige, dem sich der Professor zuerst offenbarte, als er mit diesem später in einer stillen Nische des Saales stand und dem Tanze zuschaute.

Lieber Freund," flüsterte Galen dem Referendar leise in's Ohr,ich muß Ihnen ein Geständniß machen. Ich bin heute Abend im Begriff, mein Herz an Ihre Schwester zu verlieren und ich sehe keinen anderen Ausweg, al» daß ich entweder muthig um Fräulein Carola freie oder, falls dieses Vorhaben nicht den Beifall Ihrer Eltern finden sollte, daß ich resignirt verzichte und sobald als möglich mich entferne."

O, mein verehrter Freund, denken Sie doch nicht an letztere Möglichkeit I" antwortete Ernst Pohlmann freudig be­wegt und reichte dem Professor die Hand.Ihre Werbung ist doch eine große Ehre für uns und zumal auch für meine Schwester, und wenn dieselbe Ihre Liebe erwidert, was mir so gut als sicher erscheint, so kann Ihre Werbung nur von Erfolg begleitet sein. Ich bitte Sie freundlich, morgen meinen Eltern einen Besuch zu machen, ich werde dieselben wie auch meine Schwester darauf vorbereiten."

Meinen herzlichsten Dankl" entgegnete der Professor freudig, und mit Wärme fuhr er fort:O, welche glückliche Fügung für mich, eines lieben Freundes Schwester freien zu können! Schon seit Jahren sehne ich mich nach einem eigenen Heim und Haus, und nun soll der Wunsch mir so rasch und so schön erfüllt werden. Mein Herz und mein Verstand sagen mir, daß ich die Rechte gefunden und daß ich mich nicht täusche, denn Carola und ich, wir liebten uns schon bei dem ersten Anblick. Und dies ist ja die schönste, die vollkommen^ Liebe, wie Dichter singen und sagenI"

Mit erregtem, von aufblühendem Glücke strahlendem Antlitze stand Galen vor dem Freunde, und dieser sagte leise: Ihr Verlöbniß mit meiner Schwester, Herr Professor, würde auch für mich eine große Herzensfreude sein, denn einen lieberen

Hauses, will sie nicht durch die Toilette glänzen, da steht ihr Bescheidenheit und Zurückhaltung besser."

Nun, meinetwegen sollt Ihr heute Recht haben," brummte der Bankdirector,und ich will Dich nicht kränken, Carola. Komm', gib mir Deinen Arm, jetzt führe ich Dich in den Saal und Du zeigst wieder ein freundliches Gesicht."

Wie ein Sonnenstrahl glänzte es jetzt wieder auf dem Antlitze Carolas, als sie am Arme ihres Vaters das Zimmer verlassen wollte. Aber da trat ihnen plötzlich Ernst an der Seite eines hohen, stattlichen Mannes von ungemein imponiren- bem Aussehen entgegen, unb Vater und Tochter wendeten sich zur Mutter zurück, um mit dieser gemeinsam den neuen Gast zu empfangen.

Herr Professor Galen meine Mutter, meine Schwester Carola und mein Vater!" Mit diesen Worten stellte Ernst Pohlmann den Eintretenden vor, der sich verbindlich verbeugte und dann freudig in die dargebotene Hand des Bankvirectors schlug, während er den Damen ehrerbietig die Hand küßte.

Wir begrüßen Sie in unserem Hause mit ganz beson­derer Freude, Herr Professor," begann Director Pohlmann, sind Sie doch nicht nur ein berühmter Vertreter der Kunst und Wissenschaft, sondern auch ein verehrter Freund meines Sohnes."

O, die Ehre ist ganz auf meiner Seite, wenn ich Ihrer freundlichen Einladung folgte und heute an Ihrem Feste theil- nehme, welches dem Geburtstage der Tochter des Hauses gilt," erwiderte Professor Galen-Gestatten Sie, verehrtes Fräu­lein, daß auch ich Ihnen noch meine Glückwünsche darbringe, zwar etwas verspätet, aber vom Herzen kommend- Möge es Ihnen vergönnt sein, in Ihrem neuen Lebensjahre das Glück noch zu vermehren, welches Ihr junges Leben in dieser Stellung schon in sich trägt!"

Purpurroth schoß in Carolas Wangen das Blut, als der Professor so edelstunig und Glück wünschend zu ihr sprach und dabei so freundlich und mit sichtlichem Wohlgefallen seine großen, schönen braunen Augen auf ihr ruhen ließ. Die Lippen des jungen, sonst so gewandten Mädchens zitterten dann förmlich, als sie antwortete:Verbindlichen Dank, Herr Professor, für den schönen Geburtstagswunsch! Ich will mich bemühen, diesen Wunsch wahr zu machen!"

Gar seltsam wurde auch das Ehepaar Pohlmann von der Erscheinung des Professors Galen und seinen Worten berührt. Dieser Mann war gar nicht wie die meisten anderen Herren der vornehmen Gesellschaft, die zwar in den höflichsten Formen und besten geselligen Sitten sich zeigten, aber nicht wie Pro­fessor Galen auch Geist und Herz in diesen Formen offen­barten.

Dieser Professor schien freilich auch ein ganz besonders von Gott begnadeter Mensch zu sein.

Glänzend hatte Galen seine Examen bestanden und sich schon so frühzeitig auf dem Gebiete der Kunstgeschichte und Kunstkritik ausgezeichnet, daß er bereits im Alter von acht­undzwanzig Jahren eine Professur erhalten hatte und vor wenigen Monaten, kaum dreiunddreißig Jahre alt, als ordent­licher Professor an die königliche Akademie berufen worden war.

Aber nicht nur eine hohe Bildung und ein genialer Geist zeichneten Professor Galen aus, sondern auch seine ganze Er­scheinung war dazu angethan, ihm die Herzen aller Derjenigen zu gewinnen, mit denen er in gesellschaftlichen oder künstlerischen Verkehr trat-

So geschah es auch heute bei dem Feste im Pohlmann- scheu Hause. Professor Galen erweckte nicht nur das allgemeine Interesse der Gäste, sondern er erwarb sich auch die theils offene, theils stille Sympathie vieler der anwesenden Damen und Herren und zwar keineswegs nur durch seine stattliche Erscheinung und seine geist- und seelenvollen Augen, sondern noch vielmehr durch sein liebenswürdiges, die Herzen gewinnen­des Wesen, welches so ganz frei von Hochmuth und Dünkel war und neben der großen geistigen Bedeutung doch nur die Tugenden eines guten Menschen zeigte-

Freilich regte sich dann in manchem jungen Mädchen­herzen auch der Neid, als Professor Galen Carola Pohlmann