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Millionär sich jetzt, offenbar von einem fürchterlichen Traume geängstigt, unruhig hin- und herwälzte.
Jetzt sahen sie auch schärfer zu.
Auf der Bettdecke, auf dem Boden lagen allerlei vergilbte Papiere, darunter ein Couvert, welches mit großen Buchstaben beschrieben war. Rosa, die rothe Sali, erkannte rs sofort als dasjenige, das die „Königin" damals Wolski übergeben, und Böses ahnend, wollte sie daran gehen, die Papiere zu sammeln und zu verbergen, als Margarethe einen markerschütternden Schrei ausstieß und dem Bette zustürzte.
„Nein, um Gotteswillen I" raunte Sali und wollte ihre Herrin zurückhalten.
Aber es war zu spät.
Margarethe hatte das Schriftstück, welches Weber in der geschlossenen Hand hielt, bereits erspäht und rasch gelesen: „Rosina Mori . - . Anton Weber ... Ehe . .
Ein furchtbarer Gedanke blitzte in ihr auf. Das also waren die Papiere, um derentwillen Wolski hatte sterben müssen — von der Hand jenes Mannes, für den sie einen so hohen SfQöffß . . .
„Vater . . . um Gott . . .!" rief sie erschüttert und fiel ohnmächtig zu- Boden.
Von dem gellenden Schrei erweckt, öffnete Weber die Augen, richtete sich im Bette auf und streckte wie abwehrend die Hände vor. Dann fiel er wie leblos in die Kissen zurück.
Die rothe Sali, welche in diesem Augenblick ihre Geistesgegenwart nicht verlor, raffte schnell die Papiere zusammen und steckte sie in die Tasche. Hierauf rief sie die Diener um Hilfe.
Als diese kamen, fanden sie Margarethe in tiefer Ohnmacht, Anton Weber aber lobt in seinem Bette.
Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.
(Fortsetzung folgt.)
Der Werth einer häuslichen Frau.
Mit einem häuslichen Weib kann man nicht verderben. So lautet ein altes deutsches Sprichwort und es gehört zu denjenigen Sprichwörtern, die den Nagel auf den Kopf treffen. Nur muß keiner glauben, daß so ein Satz immer genau wörtlich genommen werden darf. Auch das allergrößte Maß von Tüchtigkeit der Hausfrau wird das Hauskreuz nicht fern halten, denn ohne solches kann und soll es auf Erden nun einmal nicht abgehen. Auch in einem Haus, in dem das tüchtigste Weib waltet, umzieht sich zu Zeiten der helle Freudenhimmel des Lebens mit dunklen Wolken. Trotzdem bleibt das Sprichwort zu vollem Recht bestehen- Klarer und begreiflicher wird uns der Sinn des Sprichworts, wenn wir die Worte in eine andere Fassung bringen und sie etwa so stellen: Mit einem unhäuslichen Weib muß man verderben. Ja freilich! Das beweisen uns klar und deutlich eine ganze Reihe von Beispielen, die wir selbst erleben.
Da ist unser Freund Sorgenvoll. Er ist ein fleißiger, tüchtiger Mann, der das Seinige zusammenhält; auch befindet er sich in einer Stellung, die wenig zu wünschen übrig läßt. Er könnte und sollte ein gutes Auskommen haben und dennoch ist sein ganzes Leben ein unaufhörlicher Kampf mit der Roth und der Sorge. Wie kommt das? Es fehlt ihm an einer tüchtigen Hausfrau oder wie unser Sprichwort es ausdrückt, an einem häuslichen Weib. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Frau unseres Freundes eine tolle Verschwenderin, etwa in hohem Grad putz- oder genußsüchtig wäre- Nicht einmal den Vorwurf der Arbeitsscheu kann man ihr machen, doch fehlt ihr die rechte Arbeitslust, die rege Thätigkeit, die Kunst des Haushaltens, die richtige Eintheilung der vorhandenen Mittel, die heilsame Sparsamkeit am rechten Ort, die strenge Ordnungsund Reinlichkeitliebe, die nöthige Gewandtheit bei den häuslichen Verrichtungen. Und daher kommt es, daß sich das Leben un
seres Freundes Sorgenvoll zu einem recht herben gestaltet. Fortwährend befindet er stch in bitterer Verlegenheit. Vergrämt und sorgenvoll kann er die Last nicht abschütteln, die auf seinen Schultern ruht. Zur alten Sorge gesellt sich täglich eine neue. Ganz anders gestaltet sich das Dasein unseres Freundes Freudenreich. Sein Einkommen ist ein geringeres als das von Sorgenvoll; die Ansprüche, die das Leben an ihn stellt, sind dieselben; dennoch leuchtet ihm Helle Freude aus den funkelnden Augen. Wohlsein, Zufriedenheit und Gedeihlichkeit wohnen in einem Hause. Und er verdankt diese Güter nächst Gott seinem treuen Weibe. Bei ihm heißt es in der That: Mit einem häuslichen Weibe kann man nicht verderben.
Das „häusliche Weib" sorgt für Reinlichkeit und Ord- nung. Es läßt keine Lumpen aufkommen. Sie und ihre Kinder erscheinen, wenn auch einfach, stets reinlich und schmuck. Es mag ja, sagte Fritz Möhrlein, ungewiß sein, ob lumpige Menschen lumpige Kleider machen, oder lumpige Kleiber lumpige Menschen. Eins aber ist gewiß, baß beide stets beieinander sind. Unsere Frau Freudenreich ist beschäftigt vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Es gießt keine Arbeit, die ihr zu gering wäre. Alles im Hause muß seine Ordnung haben. Flink und fröhlich geht ihr die Arbeit von den Händen. Man braucht ihr Wirken nur zu beobachten, um ihre Geschicklichkeit zu bewundern. Namentlich in Küche und Keller macht sich ihre Tüchtigkeit geltend. Sie versteht es, Mann und Kinder durch gute, schmackhaft zubereitete und dabei doch nicht übermäßig kostspielige Speisen und Getränke zu erquicken. In der richtigen Art der Zubereitung liegt ja so häufig das ganze Geheimniß eines guten Tisches. Wie Frau Freudenreich eine Meisterin in dem Beruf der Hausfrau ist, so stellt sts sich auch die Aufgabe, ihre Töchter von klein auf in allen häuslichen Tugenden zu erziehen. Sie versäumt es nicht, den Mädchen die nöthige Gewandtheit im Nähen, Stricken, Flicken, Stüpfen, Waschen, Bügeln und Kochen beizubringen. So sichert sie sich nicht nur die Hilfe, sondern, was unendlich mehr werth ist, den Dank ihrer Töchter, sobald dieselben hinreichend herangewachsen sein werden, um zu erkennen, welch' ein großes, hohe Zinsen tragendes Kapital in den haushälterischen Tugenden eines Weibes verborgen liegt, sei seine Lebensstellung, welche sie wolle. Unter solchen Umständen ist das häusliche Leben der Familie Freudenreich ein sehr gedeihliches. Behagen, Freude und Zufriedenheit machen sich allerorten geltend. Freudenreich ist imstande, infolge der sorgfältigen, sparsamen und dabei nichts weniger als knickerigen häuslichen Verwaltung, die sein braver und geschicktes Weib ausübt, bei seinem bescheidenen Einkommen sein Leben angenehm zu genießen und noch einen Sparpsennig zu erübrigen. Roth und Sorge verbannt aus seinem Heim das treue Wirken seines häuslichen Weibes.
Niemals ist es selbst dem fleißigsten und geschicktesten Mann gelungen, sich aus den ärmlichen Verhältnissen zu einem behaglichen Wohlstand emporzuarbeiten, wenn sein Weib es nicht verstand, den Haushalt mit Einsicht, Sparsamkeit und Geschick zu führen. Der tüchtigste Mann kann nicht weiter kommen, wenn ihm ein unhäusliches Weib zur Seite fleht; aber manchen liederlichen Mann hat ein tüchtigns Weib vom Untergang gerettet.
Vermischtes.
Kafernenhofblüthe. Unteroffiizer beim Unterricht zu einem schwer begreifenden Polen: „Kohltnsky, Jammermensch, nach meinem preußischen Schätzungsvermögen kommt mir die chinesische Mauer wie 'ne spanische Wand gegen Ihren polnischen Dickschädel vor!"
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Passender Vergleich. Von dem eiteln, wichtig thuenden Geheimrath X. sagte neulich Jemand: „Wissen Sie den Unterschied zwischen ihm und dem Frosch, der sich zum Ochsen aufblasen wollte? Der Frosch ist dabei geplatzt, — dem Geheimrath ist's geglückt."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


