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Um die Zeit, als Sie das erste Mal im Gefängniß bei mir waren. Bis dahin hatte ich keinen Verdacht. Aber als Lis mir sagten, daß der Mord um gewisser Papiere willen geschah, fiel es mir gleich ein, daß nur Weber den Wolski gelödtet haben könne, um diese Papiere an sich zu bringen."

Kein Zweifel," sprach langsam der Advocat.

Weber wollte Margarethe an Wolski verheirathen ihre Hand sollte der Preis für sein Schweigen sein. Als er dann feine Einwilligung zurückzog, drohte Wolski mit Ver. öffentlichung der Papiere. Ich erinnere mich, daß der Pole damals höchst aufgeregt fortging. Weber muß ihm gefolgt, in den Wagen zu ihm gestiegen sein und ihm, nachdem er ihn mit Chloroform betäubt, den Trauschein aus der Tasche ge­nommen haben."

Jvanpi stand auf und ging aufgeregt im Zimmer auf und nieder.

Jetzt begreifen Sie, was für ein Leben ich seitdem führe. Zu wissen, daß er der Mörder, mit ihm an demselben Tische zu sitzen, ihm die Hand zu drücken und Margarethe Mar­garethe sein Kindl"

Aufschluchzend verbarg er sein Gesicht in den Händen. In tiefer Erschütterung verließ ihn der Advocat.

Nein, es ist doch unmöglich," murmelte er,Jvany spricht aus dem Fieber- Weber hat damals sein Haus nicht verlassen. Unmöglich - unmöglich."

XXVIII.

Wie Margarethe geschrieben hatte, so verhielt es sich auch in der That.

Seitdem Morland die Villa verlassen hatte, saß Anton Weber in seinem Zimmer und schrieb eifrig. Der tiefe Ernst seiner Gesichtszüge konnte verrathen, daß es nichts Heiteres sei, woran er arbeitete. Manchmal sprang er von seinem Sitze auf und begann aufgeregt im Zimmer umherzugehen. Ihm war es, als schliefe er und träume. War es denn möglich? Er, Anton Weber, der Mann der strengen Grundsätze, sollte jetzt wieder an jene Schuld erinnert werden, die er als leicht­sinniger Jüngling auf sich geladen. Längst, längst war es ihm nicht mehr bewußt gewesen, daß einmal ein anderes Weib seinen ehrlichen Namen getragen, als Margarethens Mutter- Rosina war tobt gewesen für fein Herz feit jenem Augenblicke, da sie ihn um eines anderen Mannes willen verlassen. Er halle ihrer nicht mehr gedacht, und als ihm vor Jahren die Nachricht von ihrem Tode zugekommen war, fühlte er nichts nichts ihm war sie ja schon längst gestorben-

Wie glücklich war die Ehe mit seiner zweiten Frau ge­wesen- Wie glücklich war er selbst nach dem Tode seiner Frau bis zu dem Tage, an welchem Wolski vor ihm stand, um ihm die Mittheilung zu machen, daß Rosina noch lebe und Mar­garethe seine Tochter, der Sonnenschein feines Hauses, der einzige Trost seiner alten Ta^e illegitim sei. Die Geld­summen, welche der Pole von dem Millionär erpreßte, waren mit der Zeit unverschämt geworden, und Weber athmete er­leichtert auf, als er von dem gewaltsamen Tode feines Pei­nigers hörte-

Nun aber war ein neuer Mitwisser seines Geheimnisses aufgetaucht Morland, und die Qual begann von Neuem, die Unruhe, die feine Nächte schlaflos machte, die ihn verbitterte. Sollte er diesem unhaltbaren Zustande ein rasches Ende machen? Einen Augenblick dachte er daran aber der Gedanke an seine Tochter hielt ihn davon ab, seinen Entschluß auszuführen. Wußte er doch, daß fein Kind die fortgesetzte Marter nicht ertragen könnte, wie er, aus dessen Leben ohnedies schon alle Freuden gestrichen waren. Für sie wollte er leben, um sie gegen Rosina und ihre Helfershelfer zu schützen- Aber zuerst mußte er sich beruhigen, sich sammeln- Er mußte sich klar sein über Alles, was er thun durfte. Wenn er sich nur Je­mandem anvertrauen könnte, der feinen Worten Glauben schenken würde I So gelangte er zu dem Gedanken, sich selbst die Geschichte seiner Schuld zu erzählen, und fast erleichtert setzte er sich an den Schreibtisch und begann seine Erinnerungen aufzuzeichnen. Er nahm ein Bild seiner zweiten Frau zur

Hand und betrachtete es in tiefer Rührung. Wenigstens ihr war es erspart geblieben, an seinem guten Herzen zweifeln zu müssen, ihr, die ihn lieben gelehrt, wie ein Mann lieben soll, ihr, bei der er gelernt, was Pflicht heißt.

Es wurde Abend, bis Weber die letzte Zeile niedergeschrie- ben hatte. Im Begriffe, die eng beschriebenen Blätter noch einmal durchzulesen, hörte er ein Pochen an der Thür.

Er raffte schnell die Bogen zusammen und warf sie in die Lade seines Schreibtisches. Dann erst ging er, um die Thüre zu öffnen.

Margarethe stand vor derselben mit besorgter Miene.

Papa," rief sie,was machst Du denn den ganzen Tag hier oben? Ich bin sehr besorgt und konnte nicht anders. Ich mußte Dich stören. Was hast Du denn so Wichtiges zu thun?"

Ich schreibe," meinte er ruhig.

Ich fürchte schon, daß Du krank wärest."

Nein, das nicht nur ärgerlich."

»Ach, ich weiß, der Mensch gestern wer war es denn?" Weber zögerte ein wenig mit der Antwort.Ein Freund, sagte er endlich.

Wie Robert Morland Dein Freund?" Woher weißt Du den Namen?" fragte Weber.

Defider erkannte ihn."

Ja, es war in der That Morland," brachte der Millionär mühsam hervor. Dann fügte er in leichtem Tone hinzu: Es geht ihm sehr schlecht, und da er ein Freund des armen Wolski war, habe ich ihm eine kleine Unterstützung zukommen lassen."

Du guter, lieber Papa," rief Margarethe und umarmte ihn stürmisch.

Er küßte sie auf die Stirn.Geh' jetzt," sprach er sanft, ich komme gleich nach."

Aber recht bald," meinte sie scherzhaft drohend,sonst hole ich Dich vom Schreibtisch weg."

Damit lief sie vergnügt davon, während Weber wieder an den Schreibtisch trat, die Blätter aus der Schublade herausnahm und in ein großes Couvert schob, welches er ver­siegelte.

Darauf schrieb er mit fester Schrift: Meine Beichte!"

Als hätte die Niederschrift feines Geheimnisses wirklich jeden Druck, jedes Angstgefühl von feiner Seele genommen, ging er jetzt heiter zu Tische. Margarethe, sehr vergnügt über die rosige Laune ihres Vaters, scherzte während des ganzen Abends mit ihm in ihrer anmnthigen Weife; als er, ermüdet von den Aufregungen des Tages, sich um 9 Uhr zurückzog, um sich zur Ruhe zu begeben, blieb sie noch im Speisezimmer, um ein wenig zu lesen. Aber es war doch eine gewisse Un­ruhe in ihr zurückgeblieben, und wie von einer Ahnung ge­trieben, eilte sie zum Schlafzimmer ihres Vaters. Als sie aber feine tiefen Athemzüge hörte, ging sie beruhigt zurück und begann ihre Schülerin Rofa zu unterrichten, dann aber, be­friedigt von den Erfolgen ihrer Erziehung, mit dem Schützling nach Mädchenart zu plaudern.

Mit einem Male vernahmen die beiden Mädchen ein tiefes Stöhnen, das unzweifelhaft aus Webers Zimmer kam. Ent­setzt sprang Margarethe auf und blieb eine Weile lauschend stehen. Noch einmal kam ein dumpfer Laut, wie der Hilfe­schrei eines Menschen, dem man den Mund zuhält.

Hastig ergriff Margarethe die Lampe und eilte, gefolgt von der rothen Sali, in das Zimmer Webers. Dort blieben die Mädchen zitternd stehen.

Das Licht fiel auf Weber. Er lag auf dem Rücken. Sein Gesicht erschien verzerrt, die Hände zu Fäusten geballt. Schwer ging fein Äthern und aus feinem geschlossenen Munde kamen wimmernde Töne.

Papa," wollte Margarethe rufen, während sie die Lampe auf den Tisch stellte.

Still," flüsterte die rothe Sali,still ... er schläft... er träumt . ."

Die Mädchen kamen dem Bette nahe, in welchem der