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Er fuhr mich an und ich kann mir doch^gar nicht erklären, warum."

Eben kam ein Diener mit einer brennenden Lampe in den Salon. Auf Befragen Margarethens, was ihr Vater mache, erzählte er, daß er mit einem fremden Herrn spreche, der vor einigen Minuten angelangt sei.

Ich hörte doch," sagte Margarethe verwundert,daß Papa heute nicht mehr empfange."

Ja aber diesen Herrn hatte er bestellt," gab der Diener zur Antwort.

Wer ist es denn?" fragte Jvanyi, der Alles mit seinem Verdachte in Verbindung setzte.

Ich weiß es nicht. Aber ich wußte, daß Herr Weber ihn erwarte."

Kaum war das Brautpaar wieder allein, als ein dumpfer Schrei hörbar wurde, der aus dem Zimmer des Millionärs zu kommen schien- Im höchsten Grade erschreckt, sprang Mar­garethe auf. Die Warnung des Arztes war ihr in den Sinn gekommen. Sie lief, so rasch sie konnte, zum Zimmer ihres Vaters, fand jedoch die Thüre verfchloffen- Auf ihr Klopfen wurde nicht geöffnet. Sie hörte nur die ungeduldige Stimme Webers.

Was gibt's denn? Wer ist da?"

Nur ich, Papa, ich dachte. . ."

Nein, nichts nichts. Ich komme gleich. Geh' nur." Nicht ganz beruhigt begab sich da» Mädchen zu Jvanyi zurück.

Was war es?" fragte dieser.

Papa sagt, es wäre nichts gewesen, aber ich glaube es nicht. Sonst hätte er doch nicht so äufgeschrieen."

Unter Thränen erzählte sie nun ihrem Bräutigam, was sie von Doetor Friedrich über den Zustand ihres Vaters er­fahren. Diese Mittheilung schien Jvanyi zu erschüttern, aber er bemühte sich doch, Margarethe soweit zu beruhigen, daß sie wieder heiterer wurde und ihm vorschlug, mit ihr aus die Veranda zu gehen. Kaum waren sie dort, als sie den Schritt eines Mannes hörten, der vom Hause der Gartenthür zuschritt. Jetzt blieb er stehen, wandte sich ein wenig zurück und lüftete grüßend den Hut.

Großer Gott," rief Jvanyi zurücktretend,Robert Mor­land I"

Margarethe erschrak, als ihr die entsetzten Gesichtszüge ihres Bräutigams auffielen.

Wer ist das?" fragte sie.Ja, ich erinnere mich,"

setzte sie zitternd fort,Wolskis Freund I"

Ja," entgegnete Jvanyi mit heiserer Stimme,und einer der Zeugen."

XXVII.

Ruhelos wanderte Jvanyi in seinem Zimmer auf und ab.

Er hatte sich wie sonst zu Bette begeben, war aber bald wieder aufgestanden. Der Gedanke an Morland ließ ihn nicht schlafen. Was hatte dieser Mensch bei Anton Weber zu thun? Der Millionär kannte ihn nicht; wie kam er dazu, ihn zu empfangen unter dem Vorwande, er hätte ihn bestellt?

Vielleicht hatte er nur um eine Unterstützung angesucht?

Aber um diese Zeit ein Bittsteller? Unmöglich ... Und dann der Schrei, dieses dumpfe Stöhnen, das aus Webers Zimmer gekommen war? Der Millionär hatte sich mit Mor­land eingeschlossen ... mit einem Bittsteller ... Er hatte also etwas zu fürchten, wenn man ihn mit diesem Mann an­traf. Destder Jvanyi hatte die Ueberzeugung, daß Alles dies mit dem an Wolski verübten Verbrechen zusammenhänge und das war es, was ihn im höchsten Grade marterte und aufregte. Erst gegen Morgen verfiel er in einen tiefen Schlaf, aus dem er gegen Mittag erwachte, wieder mit dem quälenden Gedanken:Was wollte Morland von Anton Weber?"

Ein Brief, welchen seine Haushälterin überbrachte, riß ihn aus seinem Brüten. Da er die Handschrift seiner Braut erkannte, öffnete er hastig den Umschlag und begann zu lesen.

Sie schrieb:Ich weiß nicht, was mit Papa vorgeht. Seit der Mann gestern Abend fortging, hat er sein Zimmer noch nicht verlassen. Er schreibt unausgesetzt. Ich wollte heute

früh zu ihm er wie» mich ab. Auch zum Frühstück ist et nicht gekommen. Ich bin sehr besorgt, fürchte für Papas Ge­sundheit und bin überzeugt, daß seine Aufregung mit dem Besuche des Fremden zusammenhängt."

Neuerdings verfiel Jvanyi in sein dumpfes Brüten. Schreckhafte Gedanken stiegen in ihm auf: er fühlte sich fast krank und beschloß, zu Hause zu bleiben. Mit einem Male hatte er die deutliche Empfindung, als würde ihm leichter werden, wenn er sich mit Jemand aussprechen könne. Sofort machte er sich daran, seinem Freunde Doctor Mark zu schreiben und um seinen Besuch zu bitten.

Nach einer Stunde traf dieser ein. Lebhaft wie immer rief er seinem Clienten schon bei der Thür entgegen:Sie machen'» wahrhaftig gut, Jvanyi! Ich warte seit vierzehn Tagen mit der größten Ungeduld auf Ihren Besuch. Ich dachte, Sie wären noch auf dem Lande, indessen sitzen Sie ganz gemüthlich zu Hause. Uebrigens," fuhr er fort, indem er Platz nahm,weiß ich bereits die Hälfte Ihres Geheimnisses."

Ah!" rief Jvanyi erstaunt.In diesem Falle brauchte ich Ihnen eigentlich gar nicht zu . . ."

Im Gegentheil," fiel ihm der Advocat rasch in's Wort, Sie brauchen sehr wohl, Sie müssen sogar. Ich sagte, daß ich die Hälfte Ihres Geheimnisses kenne . . ."

Welche Hälfte?"

Hm, nun, das ist schwer zu sagen. Ich muß damit an­fangen, daß ich Ihnen sage, daß die Pfeiferin gestorben ist."

Jvanyi rührte sich nicht.

Ehe sie starb, ließ sie mich bitten, zu ihr zu kommen. Sie hätte mir eine Mittheilung zu machen. Ich ging hin. Sie erzählte . . ."

Was?"

Daß sie die Mutter der Rosina Mori sei."

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Und die rothe Sali deren Tochter."

Und der Vater?" fragte Jvanyi leise.

Anton Weber."

So?"

Ja. Und nun was haben Sie mir zu sagen?"

Nichts."

Nichts? Dann war es das, was Ihnen Rosina an­vertraute ?"

Ja."

Also warum haben Sie das so verheimlicht?"

Sie fragen? Margarethens wegen."

Das verstehe ich nicht. Wenn auch die Beziehungen Webers zur Rosina nicht gerade die . . ."

Beziehungen? Also wissen Sie nicht Alles!"

So sprechen Sie!"

Er war verheirathet mit ihr!"

Verheirathet?" In höchstem Erstaunen sprang Doclor Mark auf.Das hat die Pfeiferin nicht gewußt."

Nein. Er hat seine Ehe geheim gehalten und da ihn Rosina bald darauf verließ, ist die Ehe nie bekannt geworden."

Jetzt verstehe ich," sagte langsam der Advocat.Wenn Weber früher verheirathet war, ist seine zweite Ehe nicht giltig und Margarethe illegitim."

Ja und an ihrer Stelle sollte die rothe Sali sein."

Armes Mädchen," murmelte Mark.Aber das Alle- erklärt noch nicht die Ermordung Wolskis."

Hören Sie. Als Rosina ihren Gatten verließ, ist sie nach England hinüber und wieder zur Bühne gegangen. Dort hat sie Wolski kennen gelernt. Die Beiden sind zusammen herübergekommen in der Absicht, bei Weber Geld zu erpressen. In Wien hat sie dem Wolski das ganze Geschäft überlassen und ihm den Trauschein zu diesem Zweck übergeben. Diesen hatte er bei sich, als er ermordet wurde."

Also hatte Adamek Recht?"

Kein Zweifel. Und der Mörder ist . . ."

Nicht Weber um Gotteswillen . . ."

«Ja Anton Weber."

Eine tiefe Stille trat ein. Endlich fragte Mark:Wann haben Sie das entdeckt?"

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