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1894.

Nr. 90

Samstag, den 4, August.

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(Fortsetzung.)

XXVI.

Destder Jvanyi befand sich schon seit vierzehn Tagen in Wien, konnte sich aber nicht entschließen, seinem Vertheidiger den angekündigten Besuch abzustatten. Er war, wie Weber in Gmunden gesagt hatte, in der That noch sehr der Erholung bedürftig; die nervöse Unruhs, welche ihn seit Wolskis Tode befallen, wollte nicht von ihm weichen er las in den Blicken der ihm begegnenden Freunde und Bekannten immer wieder die Erinnerung an die schrecklichste Zeit seines Lebens und wurde ein wenig menschenscheu. Selten verließ er seine Wohnung in der Heugasse und wenn dies geschah, wählte er die einsamsten Orte für seine Spaziergänge.!

Und doch hatte man die Affaire Wolski fast vergessen- Man sprach längst nicht mehr von der Sache sie war anderen sensationellen Ereignissen gewichen, welche den Ge- müthern die nöthigen Aufregungen boten. Nur zwei Männer gab es in Wien, welche die Nachforschung nach dem geheimniß» vollen Thater nicht aufgegeben hatten: Doctor Philipp Mark und der Detectiv Kilian, besonders der letztere. Mit der ganzen Zähigkeit seiner Natur hielt er an dem Gedanken fest, daß sein Verdacht gegen Morland gerechtfertigt fei, er klam­merte sich förmlich an diese Idee und ließ trotz aller Einwen­dungen und Bedenken Marks nicht von ihr ab. Er schien es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, über feinen Collegen Adamek in allen Punkten zu triumphiren: er mußte den Thäter entdecken. Der Advocat hingegen hoffte durch Joanyis Geständnisse, die ihm zugesagt waren, der Sache auf den Grund zu kommen.

Unterdeß war Weber mit Margarethe nach Wien zurück­gekehrt und hatte seine Villa bezogen. Ein Telegramm benach- richtigie Desider hiervon. Es enthielt Margarethens Bitte, sie zu besuchen. Desselben Abends stand sie auf der Veranda und sah der Ankunft ihres Bräutigams entgegen. Aber ihre Ungeduld veranlaßte sie bald, in den Garten hinabzugehen. Es war Heller Mondschein. Margarethe dachte mit frohem Lächeln daran, daß Desider sie werde zu finden wissen. Wie oft hatte er sie hier getroffen, in der Nähe des Spring­brunnens, dessen Wasser im Mondschein silberhell glitzerte. Während sich in den Salons die Gesellschaft des Millionärs ziemlich lärmend unterhielt, hatten sie hier gestanden, die Arme

Das Geheimniß der Droschke

Von F. Hume.

verschlungen, und sich unter dem melodischen Plätschern der fallenden Wassertropfen zärtliche Worte in's Ohr geflüstert.

Während Margarethe an die unschuldigen Seligkeiten ihrer Liebe dachte, hörte sie die Gartenthür gehen und dann einen festen Männerschritt.

Endlich!" rief sie dem Näherkommenden schmollend ent­gegen,mein lieber Destder, wie lange läßt Du mich warten 1"

Da ich nicht Destder bin, so weiß ich's nicht," antwortete ihres Vaters Stimme.

Ah," meinte Margarethe überrascht.Du bist es ? Ich hielt Dich wahrhaftig für Desider."

Wirklich?"

Ja in diesem Hut siehst Du fast so aus wie er."

Unsinn!" stieß Weber mit heiserer Stimme hervor. Was Du für närrische Ideen hast!"

Mit diesen Worten wandte er sich dem Hause zu, seine Tochter fast bestürzt zurücklassend. Niemals hatte sie ihr Vater bisher so rauh angefahren. Fast hätte sie ihre frohe Laune verloren, wenn nicht wieder Schritte vernehmbar ge­worden wären, die sie dieses Mal nicht mehr verkannte.

Desider, grüß' Dich Gott! Jetzt bist Du es doch?" Sie flog an seine Brust.Weißt Du," sagte sie zutraulich,vor einer Weile habe ich Papa für Dich gehalten."

Destder sah sie erschreckt an.

Sonderbar!" murmelte er.

Nicht wahr ? Er trug einen Hut wie Du. Und da Ihr gleich groß seid, habe ich Euch miteinander verwechselt."

Desider ergriff ein Schauder. Ein Gedanke, der ihm be­reits einmal aufgestiegen war, durchzuckte ihn. In wortlosem Brüten ging er neben seiner fröhlich plaudernden Braut dahin.

Unsinn," sagte er endlich, wie um sich selbst zu be­ruhigen.

O nein/' entgegnete Margarethe, welche glaubte, dies Wort wäre die Antwort auf ihre Bemerkung.Ich glaube, Du bist ungerecht."

Sie schmollte.

Verzeih'," rief Jvanyi.Ich habe Dir nicht zugehört. Du meintest ..." , , c . . , ,,

Ich meine," sprach sie lachend,ich meine, daß ich meine Beredtsamkeit ganz umsonst an Dich verschwendet habe."

Hätte sie gewußt, was in der Seele ihres Bräutigams vorging, so würde sie ihm wahrscheinlich nicht in so lustiger Weise feine Unaufmerksamkeit vorgeworfen haben, wie sie es jcht that. Aber auch dies erheiterte Jvanyi nicht. Als sie den Salon erreicht hatten, faßte er ihre Hand und sagte leicht- hin:Was meinte Papa zu dieser Verwechslung?" iEr wurde böse. Ich habe ihn noch nie so gesehen. -

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