- 515 -

Lola fragt es zaghaft, mit einem gemischten Gefühl von Freuds und Angst. y

6s muß sein. Niemals hat ein Orlowsku lange ge­wartet niemals. Zu welcher Zeit Sie bestimmen aber unbedingt morgen. In vierundzwanzig Stunden muß ich mein Schicksal wissen"

Trotz eines leisen unbehaglichen Gefühls muß sie lächeln.

Sie sehen nicht aus, als ob Sie in solch' verzweifelter Eile wären. Es soll morgen sein - nun gut. Doch möchte ich keine Zeit bestimmen." Sie erröthet ein wenig und ein Strahl von Humor zuckt in ihren blauen Augen auf.Kom­men Sie, wann Sie wollen und überlassen Sie es dem siufall, ob Sie mich treffen oder nicht."

Bei ihren letzten Worten richtet sich der Fürst hoch auf.

Gnädigste Baronin," sagt er stolz,wir Orlowskus ver- trauen niemals dem Zufall."

Aber die Orlowskys vertrauen ihrem Stern?" fragt Lola, ein wenig beschämt-

Das eher."

So vertrauen Sie Ihrem Stern, meinMrst, und nicht dem Zufall."

Mit einem reizenden Lächeln reicht sie ihm die Hand zum Kusse. Dann rollt der Wagen geräuschlos davon. Bevor er das große Ausfahrtsthor erreicht, bemerkt Lola Lord Rawdon und die Herzogin Beide in augenscheinlich eifrigem Ge- spräch, das sie bei ihrem Anblick sofort abbrechen.

Spöttisch lächelnd neigt Lola das Haupt. Die Beiden erwidern kühl den Gruß.

Es muß sein," murmelt Lord Rawdon mit finsterer Ent­schlossenheit.

Gewiß," antwortet die Herzogin in hartem Tone.Was fangen Sie mit jener kleinen giftigen Schlange an, die, im Gehölz verborgen, Sie plötzlich ganz unversehens sticht?"

Meinen Sie die Viper"

Ja. Sie tödten sie, nicht wahr?"

Lord Rawdon nickt wortlos. Dann setzen Beide schwei» gend ihre Promenade fort.

XVIII.

Es ist am folgenden Vormittag. Lola hat ihren gewohn­ten Platz in dem blauen Sammetfauteuil eingenommen. Sie denkt nach ernster, als jemals zuvor.

Es ist nicht das erste Mal, daß sie hier einen Freier erwartet. Wie Viele schon haben voll heißer Hoffnungen dies Zimmer betreten, um es schon nach wenigen Minuten traurig und enttäuscht zu verlassen I

Lola denkt nach. . . . Jeden Augenblick kann der Fürst erscheinen und noch immer ist sie unentschlossen. Wie, wenn er sie aus ihrer Heimath fortntmmt in uncivilisirte Gegenden, wenn er sie in ein ödes Schloß zwischen Felsen verbannt, so daß sie nie wieder in ihr freies, geliebtes England zurückkehrt? Doch diese Möglichkeit einer Gefahr reizt sie gerade sie ist eben ganz eigenthümlich geartet. Auch hat sie einmal flüstern gehört, der Fürst sei königlicher Abstammung. Zwar führt er nicht den TitelKönigliche Hoheit", aber - wer weiß, was im Laufe der Zeit passtrt! Allerhand romantische Jveen durchschwirren ihr Köpfchen. Schon sieht sie sich auf einem Thron- . . - Alles beugt sich vor ihr- . . . Die Phan­tasie arbeitet mächtig. Ihr Herz pocht, ihre Wangen glühen; ihre Augen leuchten. Sie überhört das Oeffnen der Thür, die leisen Schritte auf dem weichen Teppich. . . .

Der Fürst steht vor ihr.

In diesem schönen Köpfchen hausen angenehme Gedanken, wenn man nach dem Ausdruck Ihres Gesichtes schließen darf," sagt er lächelnd mit einer tiefen Verbeugung.Hoffentlich komme ich nicht zu früh, Frau Baronin. Ich habe seit gestern die Stunden gezählt."

Lola hat ihre Unbefangenheit wiedergewonnen. Mit einer I ^aziösen Bewegung deutet sie auf einen Stuhl an ihrer Seite. Doch der Fürst setzt sich nicht. Langsam läßt er sich auf ein ! Knie vor ihr nieder und ergreift ihre Hand. l

Ja, er kniet wirklich er, der stolze Fürst I Lola kam, 68 kaum fassen. Wenn das die Herzogi/sähe!

.Jetzt darf ich die Frage stellen, die Sie mir gestern S'Ä»Sm 6leb' «"

hSÄffÄ «&£ NL $M8"tenSiei*6"' '°°°' b°-- . 8°[°8 Herz klopft stürmisch. Cie hat die Empfindung Sh h ", Regentenkrone auf's Haupt gedrückt wird. Und doch schweigt sie.

Ich fürchte fast," fährt der Fürst hastig fort, meine E Are Hand zu bitten, hat nicht Ihren Beifall ge^ funden. Wrr Orlowskys verstehen uns schlecht auf's Liebes- w-rbrn. -, Rn°n nicht, n Jj Umn ,°g Ich Hebe Sie. Wollen Sie meine Gattin werden?"

8oLa in dis Augen. Da steht nichis von RkÄ'm n^ .Loon Zärtlichkeit. Was dieser flackernde, heiße Blick ausdruckt sie weiß es nicht; aber es bedrückt sie.__

u - . ^ctln AM« bei ihrem forschenden Blick. Fast

erscheint es Lola, als sei er verlegen. Eine innere Stimme flüstert ihr zu:Trau' ihm nicht! Schick' ihn fort!" Schon hebt sie die Hand, um, dem plötzlichen Impulse folgend, das entscheidende Wort zu sprechen - da gedenkt sie der Herzogin von Edenfield und ihrer tzochmüthigen Bemerkungen. Rein, diese Frau darf nicht triumphiren I Sie preßt die Lippen fest aufeinander und versucht sich vorzureden, sie sei nervös und aufgeregt. Vielleicht haben auch Fürsten eine besondere Art, ihre Liebe zu erklären mehr ceremoniell. Sie betrachten es gewissermaßen als eine Staatsaction. ...

sich Mst imm6r f$roei9t Sola' in heftigem Kampf mit

Eine plötzliche Angst spiegelt sich in den schönen Zügen des Fürsten. Er fühlt sich augenscheinlich nicht mehr ganz sicher.

O, wüßte ich die richtige Art, um Sie zu werben!" ruft er mit auffallender Hast.

Lehrt es Sie nicht Ihr Herz?"

Er erröthet heftig bei diesen einfachen Worten.

Gewiß," murmelt er verwirrt.Aber warum antworten Sie mir nicht, Frau Baronin? Ich habe Sie klar und deut- lich gefragt: Wollen Sie meine Gattin werden? Sagen Sie Ja" und ich bin der glücklichste Mensch auf Erden!"

Trotz des Ernstes der Situation muß Lola lächeln. Er sieht gar nicht so aus, wie der glücklichste Mensch auf Erden.

Da neigt er sein Haupt tief auf ihre Hand nieder und wiederholt im Flüstertöne mit einem Blick, in dem Angst, Leidenschaft und stummes Flehen liegt: «Wollen Sie meins Gattin fein?"

Kleine Pause.

Ja." Wie ein Hauch kommt es über ihre zitternden Lippen.

Ich danke Ihnen."

Mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung erhebt er sich von den Knieen und wirft sich in einen Sessel. Sein Aus­sehen ist das eines von anstrengender Arbeit Erschöpften. Plötzlich springt er wieder empor und kniet abermals neben Lola nieder.

Wie soll ich Ihnen danken, Baronin!" ruft er, ihre Hand an seine Lippen drückend.

Indem Sie gut zu mir sind und mir allen meinen Willen lassen."

Er lacht. Augenscheinlich fühlt er sich um Vieles erleichtert.

Ich sehe, Sie sind praktisch, Baronin."

Noch immerBaronin" I Er nennt sie weder bei ihrem Vornamen, noch hat er irgend ein zärtliches Wort für sie. Wieder fallen ihr die leidenschaftlichen Liebesworte Lord Raw- dons ein und die innige Sorgfalt, mit der Baron Gerald sie stets behandelt hatte. Kann wirklich ein Fürst niemals tief empfinden? Oder versteht er es nur nicht auszudrücken?

Also ich soll gut zu Ihnen sein und Ihnen all' Ihren Willen lassen," fährt er in leicht humoristischem Tone fort.