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Darf ich Ihnen gratuliren?" fragt er mit einem feinen Lächeln.

Wenn es Ihnen beliebt und wozu es Ihnen beliebt."

Darüber kann kein Zweifel herrschen und"

Und ich verweigere jede Erörterung dieses Gegenstandes," unterbricht sie ihn kalt.

Er schweigt. Lola blickt ihn von der Seite an und et* schrickt beinahe vor dem düster«, leidenschaftlich erregten Aus­druck seiner Züge.

Frau Baronin," beginnt er ernst;als wir damals schieden, war ich heftig, vielleicht auch ungerecht- Es thut mir leid. Sprechen Sie ein freundliches Wort zu mir nur eines I"

Vielleicht hätte sie ein andermal diese einfache Bitte er­füllt. Doch heute ist ihr Herz durch die Sticheleien der Her­zogin gegen Lord Rawdon erbittert.

Entschuldigen Sie, Lord Rawdon," entgegnet sie hoch- müthig, den Kopf in den Nacken werfend,aber ich spüre keine Lust, auf jene für mich unerquickliche Angelegenheit weiter einzugehen."

Sie wiffen nicht, was Sie thun, Frau Baronin. Ein Wort des Bedauerns für bett Schmerz, den Sie mir bereiteten und ich will" Er stockt.

Sie wollen?"

Ich will Ihnen dankbar sein für alle Zeiten. O, Sie wiffen nicht, was davon abhängt. Meine frühere Liebe zu Ihnen überwindet meinen Stolz und ich bitte Sie herzlich: Lassen Sie uns Freunde fein!"

Lola lehnt sich gelangweilt in ihren Stuhl zurück.

Ich begreife Sie nicht," sagt sie kalt;Sie verfolgen mich"

Sagen Sie das eine Wort!" wiederholt er dringend.

Ich habe Ihnen nichts zu sagen!" ruft sie heftig.

Er blickt sie traurig an.Sie wollen nicht. Ach, und ich hätte

Was hätten Sie?"

Ich hätte Alles für Ihr Glück, Ihren Frieden geopfert."

Ich will Ihr Opfer nicht."

So leben Sie wohl, Frau Baronin- Vergessen Sie nicht, daß ich zuletzt noch Ihr Schicksal in Ihre Hand"

Ich bin lang geblieben, aber ich habe auch die schönsten Drauben für Sie!" ruft plötzlich des Fürsten Stimme vom Eingang her.

Die beiden Herren stehen einander gegenüber. Der Fürst zieht wie fragend seine Augenbrauen empor. Lord Rawdon antwortet durch ein kaum merkliches Neigen des Hauptes. Dann verläßt er mit einer leichten Verbeugung das Zelt.

Ich fürchtete schon, Sie würden Über mein langes Aus­bleiben zürnen," sagt der Fürst lebhaft-Wenn ich gewußt hätte, daß Lord Rawdou meinen Platz eingenommen hatte"

Er hat Ihren Platz nicht eingenommen, nur Ihren Stuhl," fällt sie hastig ein.Eine Welt liegt zwischen Ihnen und Lord Rawdon."

Sie spricht ziemlich laut in der Absicht, der soeben Ge­gangene möge die Worte noch hören.

Das ist sehr schmeichelhaft sür mich, aber auf Kosten Lord Rawdons," sagt der Fürst lächelnd.

Lola runzelt leicht die Stirn.

Ich mag nichts mehr von Lord Rawdon hören. Er hat mir beinahe den ganzen Tag verdorben."

Der Fürst schüttelt verwundert das Haupt.

Wie eigenthümlich! Lord Rawdon erscheint mir als der Inbegriff eines vortrefflichen Mannes."

Schon wieder dieser Nams- Ich will nichts von ihm hören!"

Und Lola stampft mit dem elegant bekleideten Füßchen auf den Kies, wie ein ungezogenes Kind.

Lächelnd blickt der Fürst auf die in ihrer Erregung doppelt reizende Frau.

Ich bin ja schon ruhig," sagt er leise.Sehen Sie doch, wie folgsam ich bin. Sie können Alles mit mir an­fangen. Wenn Sie wüßten"

Hier bricht er plötzlich ab und fährt fdann hastig fort: O, Frau Baronin, Sie haben mir verboten, heute eine Frage an Sie zu stellen. Gut, ich gehorche. Aber sprechen rarf ich und ich erkläre Ihnen jetzt frank und frei, daß ich Sie liebe. Wenden Sie Ihr Antlitz nicht ab, ich muß dabei ,tt Ihre Augen blicken. ... So. ... Ich dachte nicht, daß ch jemals diese Worte sprechen würde. Die Liebe war mir bisher fremd. Auch Sie lernte ich erst nach und nach lieben, und um ganz ehrlich zu sein als ich mich zuerst zu Ihnen hingezogen fühlte, wappnete ich meinen Stolz gegen Sie. Man sagte mir, Sie seien eine Kokette, die schon man­chen Mann unglücklich gemacht."

Ein halb spöttisches, halb ärgerliches Lächeln spielt um Lolas Lippen. Doch unterbricht sie ihn nicht.

Man sagte mir ferner," fährt er fort,Sie freuten sich Ihrer Triumphe, ohne Mitleid mit Ihren Opfern zu fühlen. Ich glaube all' dies nicht. Und selbst, wenn es wahr fein sollte, so liebe ich Sie doch. Ich weiß ja, mit mir spielen Sie nicht. Die Frage, die Sie mir für heute verboten haben, werde ich erst morgen stellen. Aber Sie wiffen jetzt, daß ich Sie liebe."

Der Fürst spricht ruhig, ohne Wärme, ohne Leidenschaft, ohne die geringste Spur von Erregung. Es klingt, als ob er eine auswendig gelernte Lection hersage. Ohne Zweifel eine merkwürdige Liebeserklärung.

In Lolas Gedächtniß tauchen die leidenfchaftdurchglühten Worte Lord Rawdons, die, gleich einer Sturmfluth, durch nichts zu hemmen waren und daneben das innige, sanfte Werben des blonden Baron Gerald auf. . . . Doch Fürsten werben zweifellos in anderer Weife mehr königlich. Es gefällt Lola nicht besonders, aber das macht nichts. Es ist sicher vornehmer so. , , ,

Wir Orlowskys gehen stets kühn auf's Ziel los," fährt der Fürst lebhaft fort.Wir kennen keine Vorsicht nicht im Kriege, nicht in der Freundschaft, nicht in der Liebe."

Lola ist ganz schweigsam geworben. Die merkwürdige Art des Fürsten, um sie zu werben, verwirrt sie. Das Neue der Situation reizt sie und stößt sie zugleich ab. Wird der Fürst stets so hochmüthig stolz sein? Wird er es nie lernen, sein Haupt der Liebe zu beugen? Ihre Eitelkeit triumphirt, doch ihr Herz erkaltet mehr und mehr.

Die Musik verstummt. Die Menschenwogen strömen an dem Zelte vorbei. Eine fernere intime Unterhaltung ist aus­geschloffen. Lola blickt auf ihre kleine, mit Diamanten ge- schmückte Uhr.

Es ist schon spät," sagt sie ruhig.Ich habe meinen Wagen für vier Uhr bestellt."

Darf ich Sie nach Hause begleiten?"

Nein. Jedermann würde seine Bemerkungen darüber machen."

Aber ich darf nachkommen und mit Ihnen diniren?

Lola senkt erröthend das Köpfchen.

Nicht heute, bitte."

Also morgen? ... Ein Orlowsky ist niemals ein Vir­tuose der Geduld. Ich vermag in diesem Zustande der Er­wartung ebensowenig länger zu existiren, wie ich auf der scharfen Kante eines Meffers stehen könnte."

Der Vergleich macht Lola nervös. Ein leichtes Frösteln überfällt sie. y m

Wie schrecklich," sagt sie leise.Haben Sie solche Ver­gleiche in Rußland gelernt?"

Ich lernte Vieles in Rußland. Doch die beste Lehre empfing ich hier in England."

Das ist -"

Die Kunst, Sie zu lieben."

Der Wagen ist erreicht. Mit einer ungeduldigen Be­wegung murmelt der Fürst:Ich möchte diesen Kutscher weg­schicken und Sie nach Hause fahren"

und damit aller Welt ein ergötzliches Schauspiel geben," bemerkt Lola lächelnd.

Wann darf ich morgen kommen?"

Muß es schon morgen sein?"