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„Für einen zweiten Lhaler wirst Du auch nicht hören, wenn wir den Damen ein Ständchen bringen!"
„Aber nicht so sehr gebrüllt, meine Herrens, sonst —"
„Nein, wir singen ganz leise!" lachte Reißner. „Wo wohnen die Damen, Werther?"
„Dicht neben uns!"
„Vorwärts denn!"
Im Woland'schen Hause war alles dunkel und bald begann Reißner gerade gegenüber auf der Gasse mit seiner tiefen Baritonstimme:
„Holde Maid in süßer Ruh!
Rings die Welt im tiefsten Schweigen, Selbst die Bäume, müde, neigen Mit den Gipfeln, mit den Zweigen Eine gute Nacht Dir zu;
Schlaf in Ruh, schlaf in Ruh!
Hold Maid in süßer Ruh!
Ach, Dein Bild wird nicht verbleichen. Noch durch meine Träume reichen, Mir nicht aus dem Herzen weichen Gute Nacht ruf ich Dir zu: Schlaf in Ruh, schlaf in Ruh!"
Die nächsten Fenster der Nachbarschaft öffneten sich, große Schlafhauben und hausväterliche weiße Zipfelmützen wurden sichtbar.
„Um Gottes Willen fei still!" flüsterte Werther und riß Reißner mit sich hinter einen Erker. Die Hunde schmiegten sich an ihre Herren, als aber ein verspäteter Wanderer daher kam, schlugen beide laut an und umbellten den Wanderer in großen Sprüngen. Schwer gelang es, sie zu beruhigen. Auf einem Unweg erreichten die nächtlichen Schwärmer erst das Helbig'sche Haus und erstiegen vorsichtig die Treppe.
Beide schliefen am anderen Morgen noch fest, als Gröhl- mann zum Wecken erschien: „Herr Helbig! es ist Zeit! die Post fährt präcise 9 Uhr ab!"
„Laß sie fahren dahin! Heut' ist kein Colleg! Wie schön Laura geworden ist l" erwiderte Weither wie im Traume.
Er legte sich bequemer zurecht und schnarchte weiter.
Gröhlmann schüttelte den Kopf und brummte: „Noch ganz im Schlaf! Vielleicht bin ich glücklicher, wenn ich dem Andern vor's Gesicht trete!"
Er klopfte Herrn Reißner auf die Schulter und wiederholte sein Citat von der Post. Der Studiosus aber träumte sehr lebhaft, packte das alte Factotum des Hauses Helbig an den Beinen, und schüttelte es entsetzlich, so daß der Alte laut um Hülfe schrie.
Da erwachte Reißner und rief: „Nun, was gibt's? Schuhputzer, es sind ja Ferien, und kein Colleg, also laß mich schlafen!"
„Aber die Fahrpost geht ab, mein Herr!"
„Laß sie abgehen!" schloß Reißner seine kurze Antwort, und auch er opferte dem Gotte Morpheus weiter.
Den Bericht Gröhlmanns über die jungen Herren nahm der alte Helbig mürrisch entgegen, sagte aber dann: „Nun, laß sie schlafen!"
„Es war lange nach 10 Uhr, als die beiden Langschläfer herunterkamen, und Frau Helbig mit einer langen Strafpredigt den Kaffee auf den Tisch brachte.
Herr Adrian Helbig aber war nicht sichtbar.
Noch vor Tisch überbrachte Frau Cornelis dem finster- blickenden Hausherrn die Nachricht, daß der Gast mit der Nachmittagspost bestimmt fahre, worauf ihr Gatte zurückgab: „Wird auch Zeit: halb Schwalbheim war diese Nacht wegen des Ständchens auf den Beinen!"
Werther mußte Reißner nun Wolands Garten zeigen, und hier fand dieser Gelegenheit, Sophie noch einmal zu sprechen.
Als gleich nach 5 Uhr Werther von Reißner Abschied genommen und vom Posthause zurückgekehrt war, meinte sein Vater: „Lieber Werther, wenn wir Freunde bleiben sollen, so lege nun diese Kleidung ab und trage Dich wie ein ehr
barer Mensch. Den großen Köter hättest Du besser auch in Jena gelassen!"
„Soll ich ihn fortschaffen, Vater?" meinte Werther sehr entgegenkommend.
„Mir wäre es lieb I"
,,@8 soll geschehen, und mit der Kleidung will ich gleich wechseln!"
„Desto besser!" (Fortsetzung folgt.)
GeineinirNtziges.
Gelee, Reeept für Kranke. 2 rein geputzte, zerhauene Kalbsfüße, die Schale einer halben Citrone, 1 Stückchen Zimmel, 3 Handvoll Hirschhorn, etwas Safran und Muskat- blüthen übergießt man mit 2 Liter Wasser, deckt den Topf zu, läßt 4 bis 5 Stunden langsam kochen, seiht dann durch ein reines Tuch, nimmt nach einer Stunde das Fett ab, gießt das Klare in eine verzinnte Kasserolle, fetzt den Saft einer Citrone, 2 Gläser alten Rheinwein und den nöthigen Zucker zu, kocht eine halbe Stunde, klärt dann mit dem zu Schnee geschlagenen Eiweiß von 3 Eiern, seiht durch den Geleebeutel und bewahrt das Gelee an einem kühlen Orte auf. — Um Gelee gegen Schimmeln zu schützen, streut man auf die Ober- fläche derselben nach dem Einfüllen 5/s Centimeter hoch gepulverten Zucker, auf Fruchtgelee, ebenso hoch Johannisbeer- Gelee.
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Das Schimmeln der in Zucker eingekochten Früchte wird sofort abgestellt, wenn man auf dieselbe eine Lage klaren Zuckers von 1 bis 2 Zentimeter Stärke aufbringt.
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Ein billiges wasserdichtes Papier erhält man, wenn man Asphalt in Terpentinöl auflöst und damit dar Papier zwei Mal überstreicht. Solches Papier kann zur Verpackung von Gegenständen, zum Ueberbinden von Gefäßen, die an feuchten Orten stehen und zur Unterlage von Tapeten auf feuchten Wänden verwendet werden.
Vermischtes.
Kasernenhofblüthen. Unteroffizier (in einer Instruction): Bei Erkrankung hat der Soldat sofort zum Unteroffizier du jour zu gehen, wenn nicht ganz schwere Fälle wie Typhus oder gar ein gebrochenes Bein vorliegen; zum Arzt muß er aber unter allen Umständen gebracht werden, damit sein alibi festgestellt werden kann.
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Schusterjungen.Verstand. Schusterfrau (keifend) .... „und das viele Schnapstrinken ist auch 'n Nagel zu Deinem Sarge ...."- Meister (nicht hinhörend): „August hol' mir mal forn'n Jroschen Wichse, for'n Sechser Del und for'n Jroschen Näjel." - Lehrling: „So 'ne Nägel zu Ihrem Sarje, Meester?"
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. , Prophylaxis. Doctor: „Haben Sie die Rechnung dabei, Meister? Ich will die Stiefel gleich bezahlen!" - Schuster: „Hier, Herr Doctor! Sind S' aber so gut und zieh'n S' gleich ein Rezept sür'n schlecht'» Mag'n ab!" - Doctor: „So, sind Sie krank?" - Schuster: „Nein, jetzt noch nicht — aber die Feiertag' sind ja vor der Thür!"
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.Gute Ausrede. Gräfin: „Johann, warum haben Sie dem Sultan heute kein Wasser gegeben?" - Johann: "I urss ihn gern als a' biss'l paustren, sonst g'wöhnt sich der Kerl s' Saufen an!"
Rcdaction: A. Scheyds. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


