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Samstag, den 3. März.

Im Banne des Bösen.

Novelle von C. Western.

(Schluß.)

Als am ändern Morgen Norbert mit Ruth zusammen« traf, sagte er einfach:Fräulein von Linden, ich werde Sie nicht beunruhigen; ich ziehe mich blutenden Herzens zurück, aber ich weiß Ihr Vertrauen zu ehren I Alma sagte mir Alles!"

Und Sie sind mir nicht böse?" fragte sie.

Wie sollte ich? Wenn ich Sie aber auch nicht mit einem theuereren Namen nennen darf, nicht wahr, Freunde bleiben wir doch?"

Ruth reichte ihm die Hand und sagte:Sie werden mir stets lieb bleiben!"

Er wandte sich traurig ab; am nächsten Tage entführte ihn die Post nach Malsungen.

Der Herbst nahte eilig, es wurde öde in Deggenhof und Ruth sehnte sich in die Stille und nach der Mutter zurück.

Ganz unerwartet kam Herr von Sternau eines Abends angefahren und fagte nach der ersten Begrüßung:Kinder, wißt Ihr etwas Neues? Ich werde Gut Deggenhof verkaufen!"

Frau von Sternau blickte auf und sagte:Scherzest Du, Oskar?"

Nein, nein, Clara," versicherte er,ich wollte Euch nur vorbereiten! Denkt Euch, der Fürst des Nachbarländchens hat mich zum Minister gewählt!"

Papa ist Minister!" jubelte Alma.

Ja, zum Minister der Justiz!" lachte der Professor.

Ruth stattete ihren Glückwunsch ab.

Danke sehr, mein Fräulein, e« soll mir ein gutes Omen sein, dieser Glückwunsch aus so schönem Munde!" erwiderte Sternau, und sich an Frau und Kind wendend, fügte er hin« zu:Als Alles perfect war, theilte mir mein Rechtsanwalt Doctor Hanauer mit, daß er sür Deggenhof einen Käufer habe; kurz, morgen erscheinen Beide hier auf der Bildfläche und dann Ade Deggenhof!"

Am Abend des nächsten Tages wollte Ruth mit der Post die Heimreise antreten; sie ging nochmals durch den Park, um an den Stätten, wo sie ihr Leid auf kurze Zeit vergessen, noch einmal zu weilen.

Sie stand bei den drei großen Steineichen still; Eich­hörnchen huschten daran auf und nieder. Horch, die Thiere flohen, ein Schritt nahte, der das Laub aufrührte und vor Ruth stand Edgar von Bach im grauen bürgerlichen Anzuge.

Ruth!" schrie er auf.

Aber sie wandte sich stoss ab; ihr Herz zog sie hin zu ihm, an seine Brust, an seinen Mund, den ein so schmerzlicher Zug umgab; aber der Verstand sagte ihr, daß ein solcher Frevel nicht zu sühnen sei.

Wer verleiht Ihnen dar Recht, Herr von Bach," ent« gegnete sie fast heiser,mich so zu nennen?"

Ruth, hören Sie mich!" lautete die Antwort.

Sie erhob die Hand abwehrend:Halt!" gebot sie. Keinen Schritt näher, Herr von Bach, Ihre Nähe verpestet die Luft, die ich athmen muß!"

Er schüttelte den Kopf und sagte schmerzlich:Ich erkenne Sie nicht wieder, Ruth! Was habe ich denn gethan? Wenn Sie gleich die Verlobte eines Anderen sind, warum wollen Sie mich denn durchaus für schuldig stempeln?"

Sie wandte sich schweigend ab unv zog ein so verächtliches Gesicht, daß er sich ebenfalls umwandte und sagte:Es hat schon seine Richtigkeit mit dem Wirthshause; zuerst wohnte ich darin, dann ein Anderer; vielleicht zieht bald ein Dritter ein! Der Geier hole die Weiber!"

Er eilte vorüber und ließ Ruth wie versteinert am Platze. Als Alma, sie suchend, hinzueilte, konnte sie die ohnmächtige Freundin nur noch in den Armen ausfangen.

Als Ruth wieder zu sich kam, erfuhr sie, daß Doctor Hanauer und der Käufer von Deggenhof, Herr Sogar von Bach, soeben wieder abgeretst seien. Sie hätte laut ausschreien können, aber sie bezwang sich mit unmenschlicher Kraft. Erst als sie im Postwagen saß, ließ sie den Thränen freien Lauf.

Was hatte Alma gesagt? Vorerst will er Deggenhof durch einen Verwalter bewirtbschaften lassen; er selbst denkt nach längerem Unwohlsein Egypten zu bereisen? O Gott!

Leise flüsterte ihr Mund:

Der Reif hat die Blüthen ertödtet, Die gestern im Lenz sich geröthet; Auch mir erstarb in einer Nacht, Was einst der schönste Lenz gebracht!"

# *

Zwei Jahre waren vergangen, in denen Ruth mit aller Kraft gegen da- Weh ihres Herzens angekämpft hatte. Sie wurde, früher ein Bild der Gesundheit, schwächer und schwächer, bis um diese Zeit Frau von Linden sagte:Mein Kind, Du darfst Dich dem Schmerze nicht so hingeben, denke an mich, Deine arme Mutter!"

Ruth hing an ihrem Halse und entgegnete:Du weißt, Mama, wie ich Dich liebe, aber der Schlag war zu hart, ich werde ihn nie verwinden!"

Welches Glück, daß ich Dich nicht Lehrerin werden ließ, Du hättest Dich längst aufgerieben!"