bet Musje Freischütz doch wohl gestanden haben, Herr Marbach!"
„Gewiß, man sieht es an dem geknickten Buschwerk. Oder rührt es vielleicht von Ihnen her?"
„Na, mag wohl auch etwas abgebrochen haben, der Weg war aber schon gebahnt. Möchf die Canaille wohl kennen "
„Ich ebenfalls," sagte Marbach, sich forschend vorbeugend und in die Tiefe blickend, „der Kerl hat ein sicheres Auge und eine vortreffliche Waffe gehabt. Es heißt was, bis dort hin- unter einen solchen mörderischen Treffer zu machen. Wenn er nur hier eine Spur hinterlasien hätte."
„Glauben Sie denn, wir sind die ersten hier gewesen, Herr Marbach? — Unsere Criminalpolizei ist ganz vortrefflich, ich kenne einen Geheimen, der in Berlin am Platze wäre, aber sein Commiffar läßt ihn nicht locker. Na, der wird hier längst schon oben gewesen sein, und wenn der Mordgeselle sich nicht bei Zeiten unsichtbar gemacht hat, dann packt er ihn, darauf können Sie sich verlaffen. Er ist auch der Mann, ihn nach Amerika zu verfolgen."
Marbach blickte ihn überrascht an, hatte der Geheime schon geplaudert?
„Meint Ihr Freund vielleicht, daß er über's Meer entfliehen wird?" fragte er rasch.
„Ach, das weiß ich nicht, der ist in solchen Dingen stumm wie das Grab. Ich meinte nur so im Allgemeinen."
„Wie heißt dieser Geheime?"
„Ja, wissen Sie, Herr Marbach," erwiderte der Polier, sich verlegen die Nase reibend, „das darf ich Ihnen nicht sagen. Ich kriegte es so per Zufall heraus und mußte ihm die Hand darauf geben, es nicht zu verrathen."
„Das ist etwas Anderes," sagte Marbach, „sein Wort muß man unter allen Umständen halten."
Er nickte ihm freundlich zu und schickte sich an, den Rückweg anzutreten.
„Na, dann will ich auch man gehen," sagte der Polier, „hier oben über'n Berg geniert Sie meine Gesellschaft wohl nicht, Herr Marbach?"
„Nein, mein Lieber, auch nicht unten im Thal, weshalb sollte denn Ihre Begleitung mich genieren?"
Sie drängten sich jetzt durch das Buschwerk wieder hinauf, wo Reinhardt ungeduldig hin und her lief.
„Wen bringen Sie denn da, Marbach? Zum Henker, das ist ja der Polier Schulze! — Was haben Sie da unten gemacht?"
„Herrje, was sollt' ich wohl da unten gemacht haben, Herr Reinhardt!" meinte der Maurer mit einem breiten Lachen- „Wollt' nur mal sehen, wo der famose Freischütz gestanden hat, und ob die böse Geschichte nicht vielleicht doch nur ein unglückliches Versehen gewesen ist. Ich weiß, daß sich schon mancher Sonntagsjäger hier oben verirrt und nach Wild ausgeschaut hat. Dachte einen Rehbock zu schießen und traf seinen eigenen Hund. Es ist wirklich und wahr passirt- So traf ich hier am ersten Pfingstmorgen just an dieser Stelle hier den Herrn Steindorf, wissen Sie, der jetzt eben aus Amerika zurückgekehrt ist und sich damals, es mögen wohl schon an die zehn Jahre her sein, zwei schöne Güter verscherzt hat, nämlich Rotenhof, was das Ihrige nun ja ist, Herr Marbach und vordem feinem Vater gehörte, und das schöne Ebenheim mit sammt der hübschen Braut. Na, ich war doch Geselle und arbeitete just damals an einem neuen Stallgebäude in Ebenheim, kannte auch die junge Dame, mit welcher er auf und davon ging und fein schönes Erbe und seine armen, alten Eltern im Stich ließ. Aber so viel ist gewiß, sie war nicht halb so hübsch wie Fräulein Holten, mein Geschmack wär' die nicht gewesen, — aber die Geschmäcke sind nun einmal verschieden, was, Herr Reinhardt?"
Reinhardt lachte fröhlich auf.
„Das versteht sich, Schulze, wär' ja auch sonst ein Unglück für die Menschheit. — Also Herr Steindorf wollt' sich hier wohl sein Rotenhof betrachten?"
„Ja, da» mochte wohl so sein, ich kannt' ihn gleich wieder und er war auch ganz nett, gar nicht stolz, fing von selbst an,
mit mir zu sprechen, obschon er sich natürlich von wegen meiner nicht gut erinnern that, was ja auch nichts machte. Er meinte, daß es in Amerika viel schöner wäre, aber daß er doch wahrscheinlich sich hier ankausen wollte —"
„Ah!" machte Marbach unwillkürlich.
„Lieber Gott, ob er nun noch die Lust dazu hat, nachdem sein kleines Mädchen tobt ist, wird denn wohl die Frage sein," meinte Schulze. „Ich gab ihm so um den Busch herum zu verstehen, daß Fräulein Holten ja noch ledig wär' und Ebenheim jetzt noch besser im Stande sein sollt' als früher. Na, da sah er mich groß an und sagte, daß er ja dazumal noch ein rechter Kinderkopf gewesen wär', der sein Glück mit Füßen von sich gestoßen hätt' und so dergleichen. Ei, sagte ich dann ganz dreist zu ihm, Sie finb ja doch ein verflucht hübscher Herr und alte Liebe rostet nicht."
„Hätt' Sie nie für einen Kuppler gehalten, Schulze!" polterte der Maler ihm zornig jetzt dazwischen- „Wollten sich wohl den Pelz dabei verdienen."
Der Polier lachte verlegen.
„Nee, nee, Herr Reinhardt, zu solcher Sorte gehöre ich nicht und kommt ja auch gar nichts auf meinen Schnack an- Aber das muß wahr fein, daß Herr Steindorf ein forscher Kerl ist und daß er sich drüben mit den Indianern höllisch herumgeschlagen hat-"
Marbach, welcher einige Schritte voran gegangen war, wandte sich hastig um.
„Woher wissen Sie denn das?" fragte er, ihn forschend anblickend.
„Na, es war merkwürdig genug, und er wollte es auch durchaus nicht wahr haben, aber gesehen hab' ich's doch ganz genau. Sehen Sie, meine Herren, wir gingen hier quer durch, weil Herr Steindorf einen Platz aufsuchsn wollte, wo er als Knabe" viel herum gespielt hatte, wie er sagte Da kamen wir an die Tannen, die drüben wieder recht dicht stehen und wie er mit seinem seinen Zeug hindurch will, bleibt ihm der Hut hängen. Ich greife darnach, er auch und dabei kommt sein Bart in Carambolage mit den Tannenstacheln. Er kam ordentlich in Wuth und Ängst, ich aber meinte, nur immer ruhig Blut, junger Herr, und mach' ihm sachte den Kinnbart los. Dabei sah ich etwas Rothes und glaubte, daß er sich schon blutig gerissen hätte, — aber es war oder schien nur eine Narbe zu sein, was er sicherlich bei den Rolhhäuten sich weggeholt hat. Ich sagte es ihm auch dreiste weg, weil ich das doch für keine Schande hielt- Da kam ich aber schön an, glaubte wahrhaftig, er wollte mir an den Kopf springen. Sagte, das sei dummes Zeug» er habe sich beim Rasiren geschnitten, ich sollte dergleichen Schnickschnack nicht herumtragen- Wissen Sie, meine Herren," setzte er pfiffig blinzelnd hinzu, „er war immer auf seine Schönheit eitel, und das hat sich auch noch immer nicht gegeben." (Fortsetzung folgt)
Wichen und Schaden der Eulen.
Die Eulen gehören mit einigen Ausnahmen zu den Nacht- raübvögeln, und da sie allgemein bekannt sind, so habe ich wohl nicht nöthig, dieselben einer specielleren Beschreibung zu unterziehen, und ich will daher nur einige allgemeine Eigenschaften, die sie bei den Menschen mit Unrecht verhaßt machen, voranschicken.
Es muß zugegeben werden, daß alle Eulen ein höchst sonderbares Aussehen haben; einen dicken, katzenähnlichen Kopf, große grosse, nach vornen stehende Augen, das Gefieder geht fast bis über den Schnabel, überdeckt die Beine bis zu den Krallen, dazu der stark gekrümmte Schnabel, die fcharfen Krallen und bei einigen die Federbüschel über den Ohren. Zieht man ferner noch in Betracht, das weiche abstehende Gefieder, wodurch sie gleichsam in einen Mantel gehüllt sind, das einsame, lichtscheue Wesen, und daß sie in der Nacht wahrhaft schauerliche Stimmen ertönen lassen, so ist leicht zu begreifen, daß ihr Aussehen und diese» nächtliche Benehmen geeignet ist,


