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im Winter wenn man dergleichen immer tragisch neh' men wollte ich bitte Sie!"

Er war sehr bleich geworden- Vielleicht hatte es in seiner Seele unter allem Wust des Leichtsinns und der Thorheit je und je nur eine wahre, echte Leidenschaft gegeben, nur ein Empfinden, das probehaltig war und blieb, die Liebe für diese Frau jetzt sah er das, was sein Inneres so ganz erfüllte, als ein Nichts behandelt, eine Spielerei müssiger Stunden.

Sonderbar! Es war das Bild Adelens, das in diesen Minuten vor den Blicken seines Geistes erschien. Hatte er nicht das Mädchen mit den Gluthaugen und dem verschlossenen Wesen hineingetrieben in einen Jrrthum, den er wissentlich und leichtsinnig nährte, ohne selbst ein Interesse zu empfinden?

Gnädige Frau," sagte er mit unsicherer Stimme,ich glaube, unsere Wege scheiden sich heute für immer. Es war der Inhalt einer ganzen Lebens, eine tiefe, innere Liebe, die ich Ihnen darbot Sie behandeln das als eine Lappalie, vielleicht nennen Sie mich sogar im Herzen unverschämt und zudringlich; das trennt uns. Weniger als eine volle, Alles beherrschende Gegenliebe, Anderes als nur diese möchte ich von Ihnen nicht annehmen und nach der Art und Weise, wie Sie vorhin sprachen, muß ich schließen, daß mir keine Hoff­nung bleibt, jemals das ersehnte Ziel zu erreichen."

Sein Ton imponirte ihr doch; die kampflustige Haltung, mit der sie ihm entgegengetreten war, schwand gänzlich.So ernst nehmen Sie das, Herr Baron? So furchtbar ernst? Und ich soll Ihnen jetzt antworten?"

Darum bitte ich."

Sie wandte sich ab, das Taschentuch gegen die zuckenden Lippen gepreßt.So leben Sie wohl, Herr Baron und auf immer. Ich kann nicht anders."

Und, das ist Ihr letztes Wort, gnädige Frau? Möch- ten Sie nie erfahren, was es heißt, auf ein anderes Herz die ganze Hoffnung seines Lebens zu setzen und zu ver­lieren."

Die junge Frau hob plötzlich in ihrer stürmischen, unver­mittelten Art und Weise beide Arme zum Himmel empor. Wissen Sie denn, ob mir nicht ein Gleiches widerfährt? Adieu! Adieu! Und kommen Sie niemals wieder hierher."

Sie ging, ohne ihn anzusehen, in das Nebenzimmer und als er folgen wollte, drehte sie den Schlüssel im Schloß.

Anna! Anna!"

Keine Antwort, er mochteMtten und flehen, so viel ihm beliebte.

Anna, nur einen Augenblick noch! Eine Minute!"

Aber Alles blieb stumm, ganz stumm, als sei da drinnen eine Todte, nicht ein schönes, schluchzendes Weib, das den Kopf in's Kissen preßte, um durch keinen Laut zu verrathen, welche Qualen ihre Seele zerrissen.

Hans Adam mußte sich entfernen, ohne mehr erreicht zu haben. Ihm war es wie ein quälender Traum, ein Alp, der die Brust drückte und ihn verhinderte, frei zu athmen. Vor­bei Alles vorbei.

Der Ton, in dem Anna zu ihm gesprochen, der Ton voll Jammer und Weh konnte nicht täuschen. Da gab es keine Hoffnung, kein Zuwarten es war Alles dahin. Eine Er- kenntniß, die ihn schaudern ließ.

Und nun sollte er nach all' diesem noch den Commerzien- rath aufsuchen? Noch schachern und mit Wortklaubereien spielen?

Ein Widerwille erfaßte ihn und brannte seine Seele, ein Widerwille gegen das Leben, gegen den ganzen Wirbelreigen kleinlicher und elender Interessen, gegen die Welt im Lichte dieses schmerzvollen Tages. Heute würde er sicherlich bei dem schlauen, mit allen Hunden gehetzten Wucherer nichts aus­richten.

Aber dann ergriff ihn ein anderer Gedanke. Es war Willibalds wegen er mußte doch das Letzte, Aeußerste ver­suchen, ehe über den Unglücklichen das Verhängniß hereinbrach.

Und so ging er denn zu dem in geschmackloser Ueberladung prangenoen Palaste des Börsenfürsten. Er hatte Glück, der Herr Commerzienrath war zu Hause und sehr geneigt, seinen Gast zu empfangen. Die geschmückten Räume thaten sich auf,

es kamen Weinflaschen und geschliffene venetianische Gläser zum Vorschein; der Herr Commerzienrath fühlte sich außer­ordentlich geschmeichelt, den aristokratischen Besuch in seinem Hause zu sehen und sprach vorläufig von allem Möglichen, nur nicht vom Geld oder fälligen Forderungen.

Ein besseres Wiederbelebungsmittel für das gestörte seelische Gleichgewicht des Barons hätte es nicht geben können. Er trank den feurigen südländischen Wein und mit jedem Glase hob sich seine Stimmung. Es galt, den Fuchs in seinem eigenen Bau zu überlisten.

Ich brauche sechstausend Thaler und zwar sofort!" Das war es, was er nach einer Stunde im leichten, gelassenen Tone vorgebracht hatte.

Lissauer zuckte die Achseln.Sie irren, mein weither Herr Baron- Ich bin es, der von Ihnen eine Zahlung zu erwarten hat."

Hans Adam nickte.Die auch erfolgen wird, Herr Com­merzienrath. Sie selbst zweifeln daran keinen Augenblick."

Hm ich weiß doch nicht."

Nachdem Ihnen das Gerücht doch von der Erbschaft meiner Schwägerin jedenfalls schon Kenntniß gegeben haben dürfte, Herr Commerzienrath."

»Ja Ihre Fräulein Schwägerin. Ich weiß, ich weiß. Aber über diese Summe erlangen Sie doch keine Verfügung, Herr Baron."

Gewiß!" rief Hans Adam.Gewiß! Fräulein Aßmann legt, sobald sie mündig geworden ist, dar ganze Kapital in meine Hände."

Lissauer lächelte.Das ist keine Bürgschaft, Herr Baron."

Weshalb nicht? Mißtrauen Sie etwa dem bestimmt ge­gebenen Versprechen meiner Schwägerin?"

Keineswegs, aber es ist eben das Versprechen eines jungen Mädchens. Die nächste Stunde kann andere Entschlüsse bringen."

Hans Adam wiegte den Kopf.Dagegen läßt sich nicht viel einwenden," versetzte er.Man kennt ja das liebens­würdige Geschlecht; etwas vom Schmetterling hat jede Einzelne."

Sehen Sie wohl."

Mißverstehen Sie mich nicht, Herr Commerzienrath. Fräulein Aßmann hat mir die unumschränkte Verfügung über ihr Kapital bestimmt zugesagt und an diesem Entschluß wird auch die Zukunft nichts ändern. Was ich meinte, galt einer sonstigen Beobachtung."

Die auch Ihre Fräulein Schwägerin betrifft?"

Der Baron sah, wie sein Gegenüber die Ohren spitzte. Jetzt war er im rechten Fahrwasser angelangt.

Sie kennen die letzten unliebsamen Ereignisse, Herr Com­merzienrath ? Sie wissen, wie furchtbar meine arme kleine Ruth beleidigt wurde?"

Lissauer sah starr vor sich hin.Die Anklage ist doch unterblieben," sagte er wie zu sich.

Sie ist unterblieben. Meine Schwägerin hat aber trotz­dem den gegen sie gerichteten perfiden Angriff derartig schmerz­voll empfunden, daß sie in meinem Hause nicht länger bleiben zu können glaubt. Sie ist wie außer sich; das sonst so schüch­terne, stille Mädchen ringt die Hände, als sei Alles verloren sie sprach mir von einem Entschluß, den ich komisch nennen würde, wenn nicht die Sache so furchtbar ernst wäre."

Ah! Darf man fragen, Herr Baron?"

Weshalb nicht? Fräulein Aßmann will in ein Dia- coniffenhaus gehen."

Unmöglich!" rief Lissauer.Undenkbar! Das hieße Allem entsagen, mit dem Alter von neunzehn Jahren jedes Recht an das Leben freiwillig einbüßen."

Der Baron zuckte die Achseln.Dasselbe habe ich ihr schon gesagt, aber vergeblich. Sie scheint allen inneren Halt verloren zu haben. Nur fort aus Moldt! Das ist offenbar Alles, was sie wünscht."

Der Commerzienrath erhob sich und ging in großer Auf­regung hin und her.Herr Baron," sagte er endlich,ge­statten Sie mir, Fräulein Aßmann dieser Tage in Ihrem Hause zu sehen?"

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