87 -

Mit Vergnügen," lächelte Hans Adam.Begleiten Sie mich sogleich hinaus, Herr Commerzienrath."

Der Andere schüttelte den Kopf.Noch nicht!" versetzte er.Man muß nie etwas überstürzen."

Und um seine Lippen spielte das nervöse Zucken.Es kommt für mich darauf an, im rechten Augenblick das rechte Wort zu treffen," sagte er.Welch' ein Glück, daß die sinn­lose Anklage unterblieben ist."

Hans Adam erhob sich.Ich darf Sie also dieser Tage erwarten, Herr Commerzienrath? Schön; aber wie ist es mit den sechstausend Thalern, von denen ich Ihnen sagte? Es wäre mir lieb, das Geld morgen an der Bank erheben zu können."

Lissauer schüttelte den Kopf; um seine Lippen spielte ein schlaues, vielleicht sogar teuflisches Lächeln.Laffen Sie sich etwas Zeit, werther Herr Baron- Das braucht ja nicht mit Extrapost zu gehen. Wir sehen uns wieder."

Das hoffe ich. Aber die Zahlung, die morgen geleistet werden muß, ist unaufschieblich, ich kann Ihnen sagen, daß an dieser Frage mehr hängt, als Sie sich träumen lassen, Unersetz­liches, vielleicht Tod und Leben."

Der Finanzmann ließ seine Finger knacken.Dann gehen unsere Interessen in diesem Falle durchaus Hand in Hand, Herr Baron. Bestimmen wir, daß ich morgen Mittag Fräu­lein Aßmann meine Aufwartung machen darf--und daß

von dem Ausgang dieser Unterredung die Frage der sechstausend Thaler abhängig sei. Ist Ihnen das genehm?"

Der Baron schüttelte den Kopf.Reiff!" erklärte er. Nein! Ich muß das Geld morgen haben."

Dann bedaure ich."

Hans Adam nahm seinen Hut.Herr Commerzienrath, ich brauche die Summe nur auf einige wenige Tage. Sie werden dieselbe Anfang nächster Woche schon zurückerhalten. Ich will jeden Zins, den Sie verlangen, anstandslos bezahlen, aber geben Sie mir das Geld."

Sorgen Sie, daß morgen Mittag meine Unterredung mit Fräulein Aßmann günstig ausfällt und Sie haben die An­weisung in der Tasche."

Hans Adam wandte sich zur Thür.Adieu!" sagte er mit erstickter Stimme.

Ich empfehle mich Ihnen, Herr Baron!"

Der gallonirte Diener geleitete den Besuch die Treppen hinab und Hans Adam stand wieder auf der Straße- Seine Stirn brannte und sein Herz klopfte schmerzvoll. Sollte er der armen kleinen Ruth Alles gestehen und sie bitten:Rette mich! Hilf mir in höchster Roth!"

Sie hätte ihm das Opfer gebracht, er wußte es.

Aber seine ganze Seele sträubte sich gegen den Gedanken. So tief konnte er nicht fallen.

Nein, Ruth, nein nimmer.

Er hätte es fast laut gedacht, so sehr nahmsjihn der Gegen­stand in Anspruch.Arme kleine Ruth!" Das Entsetzlichste sollte nicht durch seine Schuld über ihr Leben hereinbrechen.

Und dann stand, während er durch den dämmernden Abend dahinritt, plötzlich Willibalds Bild vor seiner Seele. Dieser oder Ruth ein Opfer mußte fallen.

Die Flocken umwirbelten seine heiße Stirn, hinter der es unruhig wogte und gährte. So furchtbar ernst sollten sich die Dinge gestalten und Alles nur durch seine Schuld, Alles, weil er das Verhängniß heraufbeschworen?

Daß auch das Geld eine so gewaltige Macht besaß! Hans Adam knirschte mit den Zähnen. Es knechtete auf die bru­talste Weise das ganze Leben, es legte an die zartesten, edelsten Beziehungen seine plumpe Faust und trat erbarmungslos in den Staub, was sich gegen seine Herrschergelüste auflehnte. Geld! Ein elendes Nichts an und für sich, ein schmutziges Stück Silber, ein Papierfetzen und doch mächtig.

Lerne es, Dich einzurichten, Hans!" hatte der verstorbene Baron Moldt seinem Sohne zum ersten Male geschrieben, als dieser sechszehn Jahre zählte und anfing, noblen Passionen zu huldigen.Lerne es bei Zeiten, denn Du kennst das Sprich­wort, dessen Consequenzen sich kein Lebender entzieht. 1/argent est un serviteur tres agreable, mais un maitre abominable.

Seitdem war ihm dasselbe hundertmal wiederholt worben, bittend und drohend in allen Tonarten, von den Stimmen Aller, die ihn liebten, die ihm wohlwollten.

Hatte er es denn wirklich nie nie im Leben gelernt? (Fortsetzung folgt.)

Aobenfeefische.

Von Professor Dr. Curt Lampert.

(Schluß.)

Zu diesen Fürsten unter den Fischen des schwäbischen Meeres gesellen sich aber noch eine Reihe von Edlen, deren Namen weithin einen guten Klang haben. Gedenken wir zu­nächst des Hechtes, dieses Raubritters unter der Fischgemein­schaft; im großen Bodensee steht ihm Nahrung reichlich zur Verfügung und leichter als sonst vermag er sich Verfolgungen zu entziehen; so wundern wir uns nicht, vom Fang von Hech­ten von 2 Meter Länge und über 30 Pfund zu hören. Dabei hat er da« Verdienst, der nützlichste Bodenseefisch zu sein;das ganze Jahr hindurch und überall, an der Oberfläche und in der Tiefe, auf der Fläche und an der Halde leicht zu fangen", ist er der richtigeBrodfisch" der Fischer, denn er vermag auch lebend längere Zeit erhalten zu werden, während z. B. die empfindlichen Felchen häufig schon in den Maschen der Netze absterben. Der jährliche Gesammtertrag der Hechte wird auf circa 29000 Kilogramm berechnet, wobei das Pfund auf 80 Pfennige bis 1 Mark zu stehen kommt. Weit höher ist der jährliche Fangertrag eines anderen Edelfisches, der dabei den großen Vortheil hat, zugleich der billigste Edelfisch zu sein, nämlich des Barsches oder Kretzers; mit der gewöhnlichen Angel löte mit der Grundschnur, mit Stellnetz und Zugnetz wird ihm das ganze Jahr hindurch erfolgreich nachgestellt und auf je 1820000 Kilogramm wird die im Jahr gefangene Masse sowohl im Untersee wie Oberste geschätzt. Sein Durch­schnittsgewicht beträgt 3 Pfund, wobei das Pfund dieses sehr guten Fisches sich auf nur circa 40 Pfennige stellt.

Gegenüber solchen Massen, in denen die bis jetzt erwähn­ten Edelfische des Bodensees gefangen werden, spielen weitere, ebenfalls alsEdelfische" betrachtete Bewohner des Bodensees nur eine bescheidene Rolle. Am bekanntesten von ihnen ist der Aal; er kann aber erst seit neuerer Zeit den wichtigeren Netz­fischen des Bodensees zugezählt werden; wohl ist er von jeher ein Bewohner des Bodensees gewesen, allein die Schwierigkeit, den Rheinfall herauf zu steigen, ließ ihn bei seinen Wander­ungen vom Meer binnenwärts nur selten das Bodenseebecken erreichen. Erst seit von den Fischereivereinen junge Aale in Masse im Bodensee eingesetzt sind, wo sie rasch zu stattlicher Größe heranwachsen, ist der Aal auch für die Bodenseefischerei von Bedeutung geworden.

Bei den beiden anderen Edelfischen des Bodensees, die wir noch im Auge haben, der Treische, Trüsche oder Quappe, und dem Wels oder Weller müssen wir fast fürchten, daß noch nicht ein jeder der freundlichen Leser Gelegenheit gehabt hat, sich persönlich von der Güte dieser Seebewohner zu überzeugen, und doch gilt besonders die Treische, der einzige Vertreter der Schellfischarten im süßen Wasser, wegen des zarten, weißen, grätenlosen Fleisches als einer der besten Bodenseefische; seit Alters hat die Leber einen besonderen Ruf. Der Fang der Treische, die zu 70 Pfennige bis 1 Mark das Pfund notirt, beläuft sich immerhin auf einige Hunderte Kilogramm pro Jahr. In der Gestalt erinnert an die Treische der sagenumwobene Weller, Wels oder Waller, der Riese unter den deutschen Süß­wasserfischen. Wie in allen großen Seebecken des Alpenver­bandes werden auch im Bodensee alljährlich nicht selten kleinere Weller gefangen und von Zeit zu Zeit erregt der Fang eines besonders stattlichen Exemplares desteutschen Wallfisch", wie der alte Geßner den unschönen Riesenfisch geheißen, berechtig­tes Aufsehen. So war während des Fischereitages in Fried­richshafen daselbst ein lebender Weller zu sehen, der bei 212 Centimeter Länge das stattliche Gewicht von 125 Pfund