279 -

ff

habe. Ich konnte nichts dafür! Sei nur nicht böse darum,

Ort. Die Blumen in dem großen Strauß am Balkon waren ^steworden; die rothsn Seidenbänder aber flatterten lustig im Wind, wie am Tage zuvor. Er trieb sie kerzengerade hoch, gleich zwei blutigen Ausrufungszeichen, und Strehlen, der im Augenblick auf den Balkon hinaustrat, schloß secundenlang die Augen, als sei ihm das Sonnenlicht zu grell hineingefallen.

Die welken Blumen dort können weg!" sagte er barsch, r L onore bat, der Richtung seines Blicker folgend:Ach laß, Ludwig, sie sehen noch ganz gut au»!" Sie hatte dabei, ohne sich Arges zu denken, die Hand abwehrend auf seinen Arm gelegt.

Die ausgelassene Gesellschaft drüben hatte jetzt ihren Standpunkt aufgegeben und schob sich im Gedränge weiter. Einer von ihnen wandte sich zurück und schwenkte noch ein paar Mal mit übermüthigem Juchzer den Hut nach dem Balkon.

Vor Strehlens Blick tanzten tausend rothe Funken durch.

Kaw! Vsü brauste ihm vor den Ohren. An Haar, I einer Parerre fleyeno, zwk

Gang und Haltung glaubte er Paul Werner erkannt zu haben. I Wehr vor sich ausstreckt.

Liegt Dir vielleicht an den Blumen?" herrschte er sie an. r »Ludwig!" entgegnete sie, ihn groß ansehend.Weshalb sollte mir daran liegen?" fügte sie mit leisem Vorwurf hinzu, indem ein Schatten von Traurigkeit ihr Gesicht überflog.

Dieser Ausdruck würde ihn entwaffnet haben, hätte er nicht gedacht, er gelte dem Spender der Blumen, der heute voraussichtlich seine Gabe am Balkon vermissen würde. Mit heftigem Ruck riß er sie los, von der Empfindung beseelt, den Verhaßten so aus ihrem Herzen reißen zu können. Ec warf den Strauß mit einer Geberde de» Ekels in die Ecke des Bal. kons und rieb sich die Hände am Taschentuch, als habe er sich an den Blumen beschmutzt.

So geringfügig der Auftritt war, raubte er ihr doch die I ^p^^chkeit für die Wiederholung des gestrigen Vergnügens. I mußte sie daran mahnen, auf die ihr zugeworfenen Sträußchen die bunten duftigen Antworten zu senden- Er sah, mrt welcher Gleichgiltigkeit sie es that und mit welcher Theil. nahmlosigkett sie heute das bunte Gewoge an sich vorüber, brausen ließ. Ihre offenbare Verstimmung reizte ihn und be­stätigte ihm seinen Verdacht.

. Da erscholl in einiger Entfernung hundertstimmiger Jubel, der sich sortpflanzend näher zog. Ein großer, doppelter Karren, der zusammengefügt und wie ein Schiff ausgerüstet war, er* regle lhn. Malereien und farbige Stoffe verdeckten die rohen Bretter. Ein bänderumwundener Mastbaum befand sich in der Mitte, die Segel waren aus Gaze und mit komischen Scenen bemalt, statt der Taue hatte es Guirlanden, das Deck war I mit Blumen gefüllt. Eine Schaar Graugekleideter mit weißen

Hüten mühte sich scheinbar ab, das Blumenfrachischiff vorwärts zu rudern; von Zeit zu Zeit ergossen sie einen wahren Blumen. Men über die Menge, der mit Jubel ausgenommen und mit stürmischem Bombardement erwidert wurde. Der Kriegsvorrath erzeugte sich dadurch immer frisch.

Das unheimliche Gefühl, der Spender des gestrigen Bouquets möchte sich unter diesen Weißhüten befinden und sie auch heute auszeichnen, trieb Leonoren das Blut in die Wangen.

Strehlen bemerkte es. Seine Unruhe wuchs, seine Stirn | faltete sich. Wahrhaftig, das achträdrige Ungeheuer hielt vor dem Balkon. Ein Strauß, der den vom Tag zuvor noch an Größe und Schönheit übertraf, wurde in die Höhe gesandt. Strehlen warf nur einen Blick darauf. Das breite, rothe Atlasband war an beiden Enden mit Goldfransen verziert. Auf der einen, nach oben gekehrten Glanzseite war mit flüch­tigen, genialen Strichen ein kecker Amor hingeworfen, der, auf einer Palette stehend, zwei gekreuzte Pinsel als Bekleidung und nJt (Fortsetzung folgt.)

S'buStmf.-' E ® l°»t mch J-mand. Ich I 8t wtfotoe 8uft d-Enmi mit einem $*itl auf bi«

war froh, daß sie am folgenden Morgen nicht auf die fatale Angelegenheit zurückkam und der Amerikanerin mit keiner Silbe wieder erwähnte.

Der Carneval war in vollem Gange. Die Luft war mild und schön und der herrlichste Sonnenschein begünstigte das Fest der Laune und de« Frohsinns unter römischem Him- mel. Strehlen befand sich mit seiner Frau auf einem mit Teppichen und Guirlanden reich decorirten Balkon, den er für Me Carneva szeit in der Hauptstraße gemiethet- Leonorens Augen ^strahlten Lebenslust. Das bunte, lebendige Treiben macht ihr Vergnügen. Stimmungen wirken ansteckend, Heiter­keit wie Trübsinn. Sah es doch aus, als müßte er auf der Welt nur glückliche Menschen geben. Die Frauen, unter ihnen viele aus der Umgegend, trugen ihren besten Staat zur Schau; was sie an Seidensachen und Geschmeiden besaßen, hatten sie sich angehängt. Sie gingen zum großen Theil in der National- kacht, mit weißem Kopftuch, buntem Rock und sammetnem ber Brust ein Tuch von Tüll oder anderem halb durchsichtigem Stoff zusammengefaltet. Die bunte Pracht mußte auch ein düsteres Auge erfreuen. Der glänzende Corfo wogte auf und nieder. Confetti und Bouquets, Scherz- und Witzworte flogen herüber und hinüber, Jubel und Lachen aller- orten entzündend. Die lustige Neckerei artete zuweilen in einen r^ttgen Hetnen «ries ou8, wenn die Wagen sich stauten und die Parteien sich erhitzten.

®in. Herren, in lange, staubfarbene Mäntel ge- hüllt, mit spitz zulaufenden, großen weißen Filzhüten auf dem Kopf und Drahtmasken vor dem Gesicht, um gegen die gvps- werfenden Angreifer einigermaßen geschützt zu sein, kam die Straße entlang. Strehlens Balkon gegenüber pflanzten sich einige von ihnen auf und eröffneten mit ihren Blumengeschossen den Kampf gegen ihn. * w "

Der Oberst reichte seiner Frau die kleinen, zierlichen ®2t(Sec Jur Verteidigung. Er selber beseitigte sich nicht Heiterkeit^' reute er über Leonorens Eifer und

Da flog plötzlich ein riesiger Prachtstrauß mit lang nach- flatterndem tiefrothen Seidenband in geschicktem Wurf auf den Balkon und fiel zwischen Beiden nieder. Es war keiner der gewöhnlich cursirenden Sträuße. Ein solches Bouquet widmet K Earnevalszeit nicht aus zufälligem Anlaß, wenig- F?* "lchl einer Unbekannten und Gleichgiltigen. Strehlen L L^t darauf nieder. Ec ließ sich Zeit, es aufzuheben und spähte erst hinunter, um zu ermitteln, von wem es ge- wmmen.

wesen. Sie reichte ihm statt des Rahmes, um den er sie ge­beten, den Zucker und brachte ein paar unzusammenhängende SSUsVWMS-M-

Traum genannten Namen eifersüchtig zu sein. Vielleicht wußte batte016 "tEch ulcht mehr, was und von wem sie geträumt

ber Corso unter dem Donner der Geschütze fein Ende fand.

Leonore hatte sich von dem heiteren, harmlosen Volk«- treiben förmlich berauscht. Sie lachte immer wieder über diese