mal versuchen, mich bei Tanke Anna für Dich zu verwenden. Es thut nicht gut, freit man nur um Geld. Verkauftes Lieben rächt sich im Leben. Wohl dem, der es nicht an sich erfährt," setzte sie mit einem Seufzer hinzu.
„Leonie, weise mich nicht zurück!" flehte er von Neuem. „Bedenke, Du stößt einen Verzweifelnden von Dir, der zu Allem fähig ist. Ich will mich bessern, will Dir ein treuer Gatte werden; ich schwöre Dir, ich will ein neues Leben anfangen!" Er sank vor ihr nieder, ihre Kniee umschlingend, sein Gesicht in ihr Gewand-pressend.
„Hans, laß ab, zwinge mich nicht, den Diener zu rufen!" — Er erhob sich. Ein finsterer, trotziger Zug legte sich in sein Gesicht, ein Ausdruck, der sie erschrecken ließ.
„Hans," sagte sie mit vor Aufregung vibrirender Stimme, „höre mich an! Erna ist Dein angetrautes Weib! Bekenne ihr ehrlich, wie es mit Dir steht und versprich ihr, Dich zu ändern. Was ich an Geld aufbringen und entbehren kann, will ich Dir zuschicken. Es thut nichts, wenn mein Schmuck auf Jahr und Tag bei Friedberg als Pfand verbleibt. Morgen will ich die Tante aufsuchen und in Deinem Interesse wirken. Ich hoffe das Beste! Und, nicht wahr, Hans, nun versprichst Du mir auch, den Gedanken an Scheidung fallen zu lassen? Du gehst jetzt zu Erna und versöhnst Dich mit ihr. Du wirst dein Glück nicht mehr außer dem Hause suchen? Zerstreuungen machen das Herz nicht reich. Du wirst sie bald nicht vermissen, wenn Du nur ernstlich willst! Vielleicht ist der Himmel Euch gnädig und knüpft Euch fester aneinander durch gemeinsame Bande —"
Sein grelles Lachen nahm ihr den Muth zu weiteren Worten. „Schon gut, schon gut!" wehrte er, die Hand erhebend, „habe genug gehört. Ich will Dich nicht länger belästigen!"
Er wandte sich ohne Adieu-
„Nein, bleib', sei mir nicht böse!" rief sie, im Innersten bewegt. „Ich kann nicht anders! Ich meine es wirklich ehrlich und gut, indem ich Dir den einzig richtigen Weg zeige —"
Er war schon aus dem Zimmer..
Schweren, schleppenden Schrittes ging er den Weg zurück, den er elastischen Ganges, mit gehobenem Kopf, voll stolzer Zuversicht gekommen war.
Aufblickend, gewahrte er am Fenster ihres Boudoirs seine Frau und bemerkte, wie sie sich bet seinem Näherkommen rasch hinter der Gardine versteckte.
Er wandte sich nach ihren Gemächern.
Da kam ihm die Jungfer entgegen und überbrachte ihm einen Brief, der eben abgegeben wäre. Die Aufschrift trug orthographische Mängel und rührte von einer im Schreiben wenig geübten Hand her- Hätte der Lieutenant den Brief gewendet und einen Blick auf die Rückseite geworfen, so würde er gewußt haben, daß er von unberufener Seite geöffnet worden, denn die gummirten Streifen saßen nicht glatt, auch waren sie noch feucht vom Betupfen mit nassem Linnen.
Mechanisch erbrach er das Schreiben. Es war von Minna Rettich.
Sie theilte ihm mit dürren Worten mit, das ewige Herumspringen habe sie satt; zudem habe Hans in letzter Zeit blutwenig für sie gethan, und sie sehe nicht ein, weshalb sie ihre Jugend um nichts verschleudern sollte. Kleinschmidt habe zwar eine Nase, die einem Kupferbergwerk nichts nachgäbe, dafür habe er aber Haus und Hof, Pferd und Wagen und, da sie ihn unbarmherzig habe zappeln lassen, wolle er sie heirathen. Kein Mensch könne ihrs verdenken, wenn sie zugreife. Schönheit und Jugend sei keine Waare, die man lange auf Lager habe.
Er riß das Schreiben der Länge und Quere durch.
„Wenn das Schiff sinkt, dann flüchten sich die Ratten," murmelte er verächtlich.
Er ging zum Boudoir seiner Frau und fand es von innen abgeriegelt.
„Erna," rief er, „mach' auf, ich möchte Dich sprechen!" Nichts regte sich im Zimmer.
„Ich muß mit Dir reden, hörst Du! Ich komme keiner
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Lappalie wegen, mach' auf! — Ich bitte Dich darum, Erna, mach' auf!"
Lautlose Stille — trotz seiner dringenden und mehrfach wiederholten Aufforderung.
„Erna, öffne!" Sein Ton wurde befehlshaberisch und drohend.
Keine Antwort.
„Erna, willst Du so gut sein und öffnen! — Es könnte leicht sein, ich bäte Dich nie wieder um etwas! Erna — Erna —"
Er faßte die Klinke und rüttelte an der Thür. Alles umsonst! — Der Riegel wurde nicht zurückgeschoben.
* ♦ ♦
In der Frühe des nächsten Morgens suchte August mit verstörtem Aussehen die Jungfer auf.
„Minna, es ist etwas passirt!" stotterte er athemlos, in abgerissenen Lauten, während seine Zähne aufeinander klappten, als schüttelte ihn der Frost. „Es ist nicht richtig — dem Herrn Lieutenant sein Arbeitszimmer ist von innen geschlossen. — Ich habe geklopft, gerufen, gelärmt — Luise hat schon dabei geholfen. — Es muß etwas passirt sein! — Manchmal schläft er ja lange und fest — wenn er erst früh nach Hause gekommen — aber er ist doch zu ermuntern. — Er pflegt fich auch nicht einzuschließen!" Der Bursche mußte sein Taschentuch ziehen, nm sich die perlenden Angsttropfen von der Stirn zu wischen. „Liebe Minna, mir ist so eigen — zum Sterben bang — wenn Sie die gnädige Frau wecken wollten? — Ich laufe derweilen nach dem Schlosser auf der Nachbarschaft; denn es muß doch geöffnet werden! — Vielleicht ist er auch plötzlich krank geworden!" rief er mit einemmal und über sein gutmüthiges Gesicht flog es bei dieser Vorstellung wie Sonnenschein. „Freilich, das kann ja auch sein! Mir ist ein Stein vom Herzen. Schulzens Fritze aus meinem Ort war ja auch wie todt und hörte und sah nichts, wie er die Starre hatte!"
Von neuer Zuversicht beseelt, stürmte er davon-
Welcher Anblick bot sich den entsetzt Zurückweichenden, als die Thür aufgebrochen wurde. Der Lieutenant lag regungslos am Boden. Sein Kopf streifte fast die Thür- schwelle. Er war anf's Gesicht gestürzt. Seitwärts unter dem rechten Knie hervor blitzte es im Metallglanze — der Doppellauf einer Pistole.
Seine Augen waren geschlossen und sein Gesicht trug die Ruhe eines Schlafenden, nur die nach innen gekrampften Füße zeugten von einem kurzen Augenblick des Todeskampfes. Er hatte sich ins Herz geschossen.
(Schluß folgt.)
Gemeinnütziges«
Zeichen der Echtheit des Honigs. Bleibt nach Mischung desselben mit der dreifachen Portion Spiritus oder Branntwein und nach Aufschüttelung kein schleimiger Satz im Glase, so ist der Honig echt; das Vorhandensein solchen Satzes aber beweist, daß derselbe mit Syrup, Zuckerwasser oder anderen Surrogaten verfälscht ist.
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Neber das Aufbewahren geräucherter Fleisch- Waaren im Sommer. Da es im heißen Sommer seine Schwierigkeiten hat, geräuchertes Fleisch vor dem Verderben zu schützen, so seien folgende Conservirungsmittel empfohlen: In der warmen Jahreszeit hängt man Schinken und Rauchfleisch in einer dunklen oder doch der Sonne wenig ausgesetzten Kammer auf. Um die Schmeißfliegen fern zu halten, näht man die mit trockenem Stroh umwickelten Schinken und das Rauchfleisch in grobes Packleinen ein. Empfehlenswerth ist es, bei Schinken die Fleischseite mit Kalkwasser zu bestreichen; die Kalkkruste, welche hierbei entsteht, läßt sich beim Gebrauche der


