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1893

Nr. 144.

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Donnerstag, den 7. December.

Dunkele Mächte.

Novelle von H. v. Limpurg.

(Fortsetzung.)

Da wurde mit einem Male die Thür des Zimmers heftig aufgeriffen, die Jungfer stürzte todtenbleich herein und zu ihrer Herrin hin.

Frau Gräfin," schrie sie außer sich,kommen Sie rasch zur Comteßl Sie liegt besinnungslos am Boden!"

Was ist geschehen," fuhr die Gräfin auf, dann stürzte sie hinaus, gefolgt von dem jungen Arzt, der todtenbleich ge- worden war.

Als sie eintraten, hatte Gräfin Therese die Augen wieder geöffnet. Dunkle Gluth färbte ihre Schläfen, als sie hinter der Mutter den Geliebten erblickte.

Beruhige Dich, Mama," sagte sie freundlich,es ist nichts, ich bin wieder ganz wohl."

Kind, Kind, was ist Dir geschehen?" rief die Gräfin außer sich, neben der Tochter niederknieend,Du warst so heiter und munter beim Frühstück und nun bist Du wie um- gewandelt. Was hat Dich erschreckt."

Sie bluten, Comteß," rief der junge Arzt und beugte sich über die Geliebte. Dabei strich er mit der Hand die Blutspur fort, die indeß sogleich zurückkehrte; dann wandte er sich zur Jungfer und sagte:Bringen Sie Schwamm und Becken, ich werde die kleine Wunde verbinden."

Therese blieb stumm bei all' den Fragen der Mutter nach ihrem Unfall, nur in ihren blauen, großen Augen schimmerte ein wehmüthiger Ausdruck-

Laß es gut jetzt sein, Mama, ich habe ein Todes» urtheil vernommen," flüsterte sie dann leise.Verurtheilte sind wohl immer ernst, wenn ihnen das Urtheil mitgetheilt wird."

Die an sich unbedeutende Wunde wurde verbunden und als das Mädchen sich entfernt, ergriff Arthur die Hand der Comteffe und sagte:Therese, bitte Deine Mutter, daß sie uns eine ganz kurze Unterredung gestattet es ist die letzte Gnade, welche den Verurtheilten gegönnt wird."

Mama," entgegnete das junge Mädchen und schaute flehend zur Gräfin auf,wirst auch Du mir mit einem Fluche drohen, wenn ich nicht jenes schrecklichen Mannes Weib werden kann?"

Therese," gab die Gräfin mild zurück,das könnte ich niemals, dazu liebe ich Dich zu sehr; aber ich werde thun, was in meinen Kräften steht, um Dich zu vermögen gehorsam > zu sein." f

Auch wenn mir das Herz dabei bricht?"

O, Kind, wie viele Menschen leben weiter mit gebroche­nem Herzen; das Bewußtsein, die Pflicht gethan zu haben, Hilst über manches Herzeleid hinweg. Doch es sei, Ihr sollt von einander Abschied nehmen; ich habe Ihr Ehrenwort, Arthur!"

Sie ging. Als die Thür sich hinter ihr geschloffen, breitete Arthur in überwallender Empfindung beide Arme aus und sagte weich:Mein Lieb, mein theures Mädchen, komm an mein Herz, zum letzten Male!"

Mit einem herzzerreißenden Weheruf sank fie an seine Brust, seine Lippen preßten fich auf ihre Stirn und Augcn, und secundenlang blieb es still, ganz still in dem Gemach. Dann richtete sich der junge Arzt zuerst empor und begann: Geliebte, laß uns tapfer sein, laß uns muthig scheiden."

Nein, Arthur, ich kann es nicht. Verlange Alles von mir, nur dies Eine nicht!"

Therese, hast Du mich wirklich so lieb? Lieber als Alles sonst auf der Welt?"

Ja, Arthur, das weißt Du schon längst. Ich will Dir zu Liede thun, was in meinen Kräften steht und um Deinet­willen Alles tragen."

Auch Leid und dunkle Stunden, mein Herz?"

Ja, ich will thun, was Du willst, mein Arthur."

Willst Du Dich ganz in meinen Willen fügen und mir gehorchen, was immer ich von Dir fordern mag? Denke stets, meine Therese, daß ich Dich liebe, mehr als mich selbst, als mein Leben!"

Ich weiß es," lächelte sie herzzerreißend, das Köpfchen an seine Schulter lehnend;ja, nimm mich hin, ich folge Dir, wohin Du willst."

Nun denn," sagte er leise, nach schwerem Kampfe mit sich selbst,so sei es denn!"

Und er zog sie abermals stürmisch in die Arme, bedeckte sie mit heißen Küffen und murmelte leidenschaftliche Liebes­worte, denen Therese selig lächelnd mit geschloffenen Augen lauschte; dann, sie noch immer fest im Arm haltend, hob er plötzlich die ausgebreitete Hand mit den nach innen gerichteten Fingerspitzen in halbkreisender Bewegung bis zu Theresens Gesichte, während sein Blick starr in ihre Augen sich zu bohren schien.

Eine entsetzliche, athemraubende, wennschon kurze Pause trat ein; ein Schauder nach dem andern schüttelte dar blaffe Mädchen im Arm des jungen Arztes, dem selbst dicke Schweiß­tropfen von der Stirn perlten, dann ward sie mit einem Male steif und schwer wie eine Leiche. Arthur hob den Körper auf