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und legte ihn aufs Ruhebett. In seinen Zügen arbeitete eine erschütternde Bewegung.
„Therese," frug er, sich über die im Hypnotismus Liegende beugend, „hörst Du, daß ich mit Dir spreche? Antworte mir." Ä „Ich — höre," gab sie matt zurück, ein schwerer Athem- zug hob ihre Brust.
„Hast Du mich lieb?" ,
„O — sehr lieb — wie — sonst — nichts auf Erden." „Und willst Du thun, um was ich Dich bitten w.ll." „Ja - ich will."
„Du wirst mich lieb behalten tief im Herzen."
„Immer — und immer I"
„Aber — Du wirst den Fürsten Sereco heirathen, weil Dein Vater es befiehlt. Du wirst es dem letzteren noch heute freiwillig erklären."
„Ich — werde es thun!"
„O, meine Geliebte, meine Therese," stöhnte der Arzt und sank wie gebrochen neben der Schlafenden zu Boden, „was habe ich gethan! Ich bin ein Elender, ein Verbrecher, der Dein Leben vernichtet — und doch dabei nur Dich — Dich allein liebt, und nur Dein Wohl will, weil wir Beide nicht glücklich sein können."
Er beugte sich vor, um das liebliche Gesichtchen mit glühenden Küssen zu bedecken, es schien ihm unmöglich, von Therese zu scheiden und doch, die Zeit drängte — es mußte sein.
„Lebewohl, mein Liebling, und Er, dessen Name ein Mann wie ich nicht auszusprechen wagen darf, behüte Dich — und lasse uns nie mehr zusammentreffen I"
„Arthur," murmelte Therese traumhaft, schwer athmend, „ich liebe — Dich - allein."
Wie von Furien gejagt stürzte der unselige junge Mann hinaus, die Treppen des Schlosses hinab und in's Freie- Dem Arzte war es, als solle der Himmel über ihm zusammenstürzen, als dürfe er keinem Menschen mehr vor Augen treten und nicht einmal emporsehen zu dem allmächtigen Gotte. Mit wirrem Haar und stierem Auge eilte er weiter durch die Felder dem Walde zu. Er wußte eine Stelle, wo das Plateau in Ab- gründe endete, dorthin strebte er. Dem fluchbeladenen Seelenmörder des geliebten Wesens war der Gedanke an Selbstmord nicht abschreckend. Gnade konnte ihm doch nie werden! Solche Gedanken verfolgten ihn wie Furien!
Schon stand er an der verhängnißvollen Stelle, noch einmal die sonnbeglänzte Welt betrachtend, in die er mit seiner Verzweiflung nicht länger hineingehörte, als eine nur zu wohl« bekannte ernste, drohende Stimme ihm zurief: „Arthur, mein Sohn, was hast Du vor? Zurück, wenn ich Deine Gedanken errathe. Halt, denn Du bist im Begriff, ein Verbrechen zu begehen."
„Ich habe es schon gethan," murmelte der junge Arzt verzweifelnd, „Vater, halte mich nicht zurück; mit dem fluch- beladenen Herzen kann ich nicht weiter leben."
„Der Mensch kann Alles, was er will," entgegnete der Oberförster streng, „wenn Du zum Selbstmörder wirst — fluche ich Deinem Andenken und Du wirst dann doppelt gekennzeichnet vor dem ewigen Richter stehen."
„Vater," stöhnte Arthur, schwer mit sich ringend, „nicht so hart! Sag' mir ein Wort der Theilnahme; Du ahnst nicht meine Schuld und meine Qual."
„Beichte, so werde ich nach Gottes Wort Dich zu trösten suchen."
„Ich kann nicht — Gott allein kennt mein Verbrechen!"
Des Oberförsters Blick drang wie ein zweischneidiges Schwert in des bleichen Sohnes Seele, dann wandte er sich kurz ab und sagte: „Run wohlan, so lebe weiter und der Gewissensstachel sei Deine Strafe, so lange Du lebst, wenn Du Dich dem Vater nicht anvertrauen willst."
„Vater, Deine strenge Ehrenhaftigkeit kennt kein Mitleid für den eigenen Sohn?" flehte Arthur.
„Ich weiß nicht, weshalb Gottes Heimsuchung mich so furchtbar trifft, daß ich in meinem Sohne einen — Verbrecher sehen muß," sagte der alte Herr mit Thränen in den Augen und ging stumm davon.
Es währte lange Zeit, ehe Gräfin Therese die Augen aufschlug und noch halb im Traume um sich blickte- Das war ihr Schlafzimmer mit dem in den Park hinausgehenden Fenster, der weißverhangene Toilettentisch, der Spiegel, Alles wie sonst — und dennoch kam es ihr vor, als sei ihr Alles fremd ringsum- Sie richtete sich auf. In den Kleidern hatte sie auf dem Bette gelegen und weshalb? Verwundert schüttelte sie den Kopf, ein schwerer Druck, ein dumpfes Gefühl preßte ihre Stirn zusammen und benahm ihr fast den Athem, so daß sie die feinen Finger an die Schläfen drückte, um den Kopfschmerz zu mildern.
„Bin ich denn krank," murmelte sie vor sich hin, „oder was soll dies Schmerzgefühl bedeuten? Ich habe doch heute früh gemalt. — Was ist denn nur mit mir geschehen?"
Einige Male schritt sie im Zimmer auf und nieder, dann blieb sie am geöffneten Fenster stehen. „Was wollte ich nur eigentlich thun," frug sie sich von Neuem und schüttelte den Kopf, „es fällt mir nur im Augenblick nicht ein, aber jedenfalls ist es etwas Wichtiges gewesen."
Es pochte leise an der Thür und Gräfin Weilern trat ein.
„Wie geht es Dir, mein armes Kind?" frug sie, angstvoll zu dem jungen Mädchen hineilend, die wie paralysirt am Fenster lehnte; „hast Du Dich erholt von dem Ohnmachts» anfall?"
„So war ich ohnmächtig?" frug Therese verwundert, „dar wußte ich nicht. Aber Mama, weshalb siehst Du so erschrocken aus, es ist doch nichts vorgefallen?"
„Nein, o nein, mein treuer Liebling," schluchzte die Gräfin, deren Selbstbeherrschung sie verließ, „aber Du thust mir so unbeschreiblich leid und ich bin machtlos dem Willen Deines Vaters gegenüber."
„O," nickte die junge Gräfin seltsam, „nun weiß ich, was mir vorhin entfallen war; ich muß zum Papa, um ihm zu sagen, daß ich den Fürsten Sereco heirathen will —"
Die Gräfin prallte wie vor einem Gespenste zurück bei diesen ruhigen, unbewegten Worten Theresens, deren Antlitz sich nicht veränderte und deren Lippen nicht bebten.
„Therese, mein Kind," rief sie außer sich, „und das sagst Du so ruhig I Ich dachte, Du liebtest Arthur Fels und er würde Dir schwer, zu entsagen."
Eine feine, jähe Röthe stieg in des Mädchens Wangen, sie hob leise abwehrend die Hand. „Nenne ihn nicht, Mama, ich liebe ihn wohl, aber dennoch — will ich des Fürsten Gemahlin werden und ihm treu sein. Ich will, hörst Du, ich — kann nicht anders, ich will, ich muß ihn heirathen."
Noch nie hatte die Gräfin ihre Tochter so seltsam sprechen hören. Unbewegt wie int Traum fielen die Worte von Theresens Lippen, und es war fast ein Grauen, womit die Gräfin sich abwandte. „Thue Deine Pflicht, mein Kind, und Gott segne Dich, daß Du Dich bezwungen hast, Papas Wunsch zu erfüllen," sagte sie dann.
„Es mußte ja wohl sein!" hauchte Therese, mit der Hand an die Schläfen fassend, in denen es wild pochte und hämmerte; „der Fürst ist reich, sehr reich, und deshalb will mich Papa an ihn — verkaufen. Aber ich thue es ja freiwillig und ich thue es gern." ,
Ein Beben überrieselte ihren zarten Körper, ein Seufzer hob unwillkürlich ihre Brust, dann wandte sie sich zum Toilettentisch- „Ich werde erst andere Toiletten machen, Mama, ehe ich dem Papa meinen Entschluß mittheile. Meinst Du, daß ich mein graues Seidenkleid anziehen soll oder das Helle mit dem Veilchenmuster?"
Müde, wie geschäftsmäßig, fielen die Worte von Theresens Lippen; sie empfand es wie eine Sehnsucht, weinen zu können, aber ihre Augen blieben trocken.
„Kind, Kind," sagte die Mutter beim Hinausgehen, „Du bist sicherlich krank. Ich kenne Dich nicht wieder, so ist Dein Wesen verändert."
„Und ich kenne mich auch nicht," flüsterte das junge Mädchen, als sie sich allein befand, „mir ist, als stehe eine fremde Person statt meiner hier — deren Herz von Stein ist.
Ruhig, fast mechanisch, machte sie ihr wirres Haar zurecht,
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