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überdeckt, ist der Osterhase so gütig, seine Eier in für ihn besonders bereitete Moosnester abzulegen oder mit ferner Spende : selbst bis in unsere Wohnungen vorzudringen. Und tn den nächsten Tagen haben die Kinder und selbst Erwachsene ihre Helle Freude an den Ostereiern, deren Festigkeit durch Auskippen der Spitze des einen auf die des anderen zu prüfen, das minderfeste Ei zu gewinnen und noch andere Gebräuche zu üben, deren Aufzählung zu weit führen würde.
So war und ist es Brauch. in fast ganz Deutschland. Aber auch in den meisten anderen christlichen Ländern Europas war das Osterei seit Langem bekannt. Und in den dem unsrigen kurz vorhergegangenen Jahrhunderten hatte sich die schöne Sme des Eierschenkens zu Ostern dahin ausgebildet, daß hochgesteme oder reiche Personen ihren Freunden, Freundinnen und Günstlingen kostbar vergoldete oder von Malern mit hübschen Bildern gezierte Eier eigenhändig überreichten. Man zeigte früher im Schlosse zu Versailles Ostereier, welche König Ludwig XV. seiner Tochter Victoire geschenkt hatte, auf denen stch Bildchen befanden, welche von den bekannten Genremalern Laueret und Wateau gemalt waren. Später ist das eigentliche Osterei zum Geschenke für Kinder herabgesunken, heute aber in seinen künstlichen Nachahmungen zu glänzender Höhe emporgestiegen, seien der Inhalt der reich verzierten, eiförmigen Schalen ver- schiedensterGrößewerthvolleGeschenkeoderreizendeBlumenspenden.
Daß das Ostereierschenken nur von Völkern christlichen Bekenntnisses ausgeübt wird, hat bei Erforschung besten, woher die Ostereiersttte stammen möge, zunächst zu einer auf rein christlicher Einrichtung fußenden Annahme geführt: Das El, im Besonderen das Hühnerei, hat von jeher eine nicht unbedeutende Rolle im Haushalte der Völker gespielt; man denke sich nur unsere Lage, wenn urplötzlich dieses hochgeschätzte, kräftige, vielseitig benutzbare und vielfach verwendete Nahrungs. mittel auf unseren Märkten nicht mehr erschiene. Nun war in der Zeit, in welcher die christliche Kirche noch nicht geschieden war in die römische und die von dieser unabhängige griechische. Enthaltsamkeit vom Genuste der Eier und Eierspeisen während der dem Osterseste vorangehenden sechswöchigen Fastenzeit geboten. Nach der langen Entbehrung wieder Eier essen zu dürfen, war gewiß eine Freude. Und so soll es gekommen sein, daß Freunde und Bekannte sich zu Ostern mit frischen Eiern beschenkten. Dieselben pflegten gefärbt und am Samstage vor Ostern in der Kirche gesegnet zu werden. Jenes Gebot der Enthaltsamkeit von Eierspeisen während der Fasten- zeit besteht heute nur noch in der griechischen Kirche. Trotzdem hat sich das Eierschenken am Osterfeste auch bei den römisch-katholischen Christen erhalten. Thatsächlich wird es auch von Bekennern anderer christlicher Confessionen ausgeübt.
' Aber das Ei hat noch eine Eigenschaft, welche das Interesse an ihm und das Nachdenken in hohem Grade herausfordert, die, daß aus ihm, dem anfcheinend tobten Gebilde, ein lebendes Wesen stch entwickeln kann. Dieselbe hat schon in den ältesten Zeiten dazu gesührt, diesen Umstand nicht nur practisch zu ver- werthen, sondern auch das Ei als Sinnbild des Werdens und der Fruchtbarkeit zu betrachten. Die alten Indier hatten sich daraus die Vorstellung gebildet, daß aller Dinge Anfang ein Urei gewesen sei. In den altegyptischen Inschriften ist das Ei nicht unbekannt. In der griechischen Mythologie spielt es eine Rolle. Aus der Römerzeit herrührende Basreliefs stellen dar, daß mit Eiern gefüllte Körbe bei religiösen Ceremonien getragen wurden. Und auch im Göttercultus der alten Deutschen finden wir das Ei wieder als Sinnbild des im Frühlinge wieder erstehenden Naturlebens bei der Verehrung der Frühlingsgöttin Ostara Und so konnte es nicht ausbleiben, daß mit der Zeit das Ei als Osterei auch zum Sinnbilde der Auferstehung Christi wurde. ,
Die angeführte Erklärung der Entstehung des Ostereige- brauchs leidet an dem Mangel, daß aus ihr sich nicht erkennen läßt, weßhalb die Ostereier ursprünglich ausschließlich roth und gelb gefärbt wurden. Man suchte und fand eine andere, wenn auch nur die rothe Färbung erklärende Lösung: Die geheim-
freude bereiten! —
Vermischtes.
Kindliche Logik. Gouvernante: ,.Sieh, Kind, die Antipoden sind unsere Gegensüßler, denn die gehen jedesmal i schlafen, wenn wir schon ausstehen!" — Die kleine Emi • „Nicht wahr, Fräulein, da ist mein Bruder Fritz, der Studem, auch ein Gegenfüßler?!"
nißvolle Verwandlung des Ei-Jnhalts in ein lebendes Wesen und die Benutzung der Eier bei religösen Festen mußte bei der Empfänglichkeit des menschlichen Geistes für alles Wunderbare auch zu manchem Aberglauben, die Eier betreffend, fuhren. Und einem solchem Aberglauben verdanken wir dre folgende merkwürdige Erklärung der Entstehung des Ostereigebrauchs als eines christlichen: Unter den römischen Kaisern der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt ragt Alexander Severus durch Milde und Sittlichkeit des Charakters hervor. Am Tage seiner Geburt erzählt man, habe eine seinen Eltern gehörige Lenne ein rothes Ei gelegt. Dieses Ereigniß sei als em günstiges Zeichen der hohen Bestimmung des Kindes angesehen worden, und habe thatsächlich sich als solches bewahrt, da Alerander noch sehr jung zum Kaiser gewählt worden ist. Das habe später zum Andenken an diesen den Christen gewogenen Herrscher bei letzteren zur Sitte des Ostereigebrauchs geführt.
Nach den gegebenen beiden Annahmen über Entstehung des Ostereigebrauchs wäre letzterer ein rein christlicher, wahr- scheinlich in den am Mittelmeere gelegenen Lanseni Europas entstandener und von dort aus nach Frankreich, Deutschland, Rußland und weiterhin verbreitet worden. Dem widerspricht, daß die Ostereier ursprünglich nur roth und gelb gefärbt wurden Denn Roth und Gelb sind die Farben der Sonne und des Feuers, das Roth- und Gelbsärben der Eier ist alfo ent schieden heidnischen Ursprungs. Und in der Thai kennen wir, wie bereits ausgeführt, den Gebrauch des Els bet religiösen Festen der Heiden als Symbol des Werdens und der Fruchtbarkeit. Beim Feste der Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche versinnbildlichte das Ei das Wiedererwachen der Naturkrafte. Unser Osterfest, das Fest der Wiederauferstehung Christi, fallt aber in dieselbe Zeit, in welcher unsere Altvordern das Früh- lingssest, das Fest der Frühlingsgöitm Ostara feierten. Nun haben es unsere altchristlichen Missionäre vortrefflich verstanden, überall da, wo sie heidnischen Völkern das Chrlstenthum predigten, alte, dem Volke heilige Gebräuche mit weiser Vorsicht zu schonen, neben den neuen christlichen bestehen zu lassen und Steren anzupassen. Das christliche Auferstehungsfest entlehnt? den Namen Ostern von der heidnischen Fruhllngsgöttm Ostara, die letzterer heiligen Eier, welche die Wiedergeburt des m beginnenden Naturlebens versinnbildlichten, wurden zu Symbolm der Auferstehung des Heilandes und des reinen ®ot‘e^laubetl . Die Ostereier sind entschieden altgermanischen Ursprungs, w« auch die Osterfeuer, welche in einigen Gegenden heute noch das Osterfest verherrlichen und das Osterwasser.
Auch die Fabel vom Osterhasen ist wahrscheinlich alt deutschen Herkommens. Der Hase war wohl Symbol der Fruchtbarkeit und der Ostara angehörend; er so? den alle Deutschen heilig gewesen fein, so daß sie ihn nicht gegessi hättem Nach Grimm (Wörterbuch) ist der Osterhase dagegen nur der Hase, welcher „nach dem Kinderglauben d e OsifM legt", und es muß zugegeben werden, daß die Zugehonsi , des Hasen zur Göttin Ostara nicht unbestreitbar nachgewnsen
, ist. Der Osterhase ist sogar nicht überall in Deutschland be
, kannt (außerhalb Deutschlands weiß man Nichts vonmW In manchen Gegenden ist es ein Hahn, der die Ostereier ugt, in anderen eine besonders geartete Henne Aber der ue legende Osterhase ist entschieden eine die Phantasie und das Gemüth mehr und poetischer anregende Erscheinung, ais S-mi- unb fe* ein S-h». bec Siet legt W“* Glaube an ihn nicht untergehen, sondern noch vielen Generationen lieber munterer Kinder und Erwachsener recht große UW
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Sieben.
Die nächste Nr. der „Familienblätter" wird Mittwoch dem Anzeiger betgelegt.


