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immerhin leichtere Arbeit, da er fieberfrei ist, aber seltsam genug auch von einem blutigen Schnitt faselt. Reden kann er Gott sei Dank noch nicht, weil er den Mund nicht regen kann, das eine Auge geht auch wohl zum Teufel, aber Papier und Bleistift mußte ich ihm in die Hand geben und da kritzelte er richtig tolles Zeug hin von einem blutigen Schnitt, woran man den Mörder erkennen könne und dabei einen Namen — Gott steh' mir bei — ich sollte diesen Zettel dem Criminal-Commissar Frenzel geben."
..Wollen Sie denn das nicht, Herr Doctor?" fragte der Heilgehilfe. „Ich thät's doch, da es nicht schaden kann."
Dem alten Arzt schien die ein wenig zudringliche Klugheit dieses Handlangers der Medicin nicht angenehm zu sein. Er zuckte spöttisch die Achseln und ging, um nach Rotenhof zu fahren, wo Reinhardt auf dem Schmerzenslager sich befand und sich ohnmächtig gegen sein schreckliches Geschick, das eine bübische Hand ihm bereitete, aufzulehnen suchte.
Doctor Peters fand ihn in heftiger Ungeduld seiner harrend. Die Schulterwunde verheilte gut, aber die Brandwunden schie- nen von einer giftigen Substanz herzucühren und deshalb der ärztlichen Kunst noch immer zu spotten.
Der Kranke reichte dem Arzt sogleich einen Zettel entgegen, den dieser annahm und überflog.
„Haben Sie's dem Commiffar gegeben, Doctor?" las er.
„Ja, er wollte sich's überlegen," beantwortete dieser die Frage.
Das rechte Auge des Malers, welches unter dem Verbände, der beinahe das ganze Gesicht bedeckte, unheimlich hervorlugte, starrte den Doctor an. Dann schrieb er wieder.
„Ist Marbach tobt?"
„Nein, aber schwer verwundet," antwortete der Arzt.
„Er fiebert noch immer und phantasirt stark."
Reinhardt seufzte tief. Er ließ sich ruhig verbinden und stöhnte nicht einmal dabei. Auch hier war ein Heilgehilfe an- wesend, welcher die Pflege ganz allein leitete und besorgte.
Der Maler schrieb alsdann einen Zettel mit der Frage, ob Fräulein Holten noch krank und Steindorf dort anwesend wäre?
„Sie ist wieder besser und ergeht sich bereits in freier Lust. Steindorf war während ihrer Krankheit dort anwesend, jetzt aber nicht mehr, ich und Mamsell Evers hielten ihn vom Krankenzimmer fern. Fräulein Armgard weiß von dem neuen Attentat noch nichts, doch kann ich grüßen."
Der Maler nickte mühsam und schrieb aufs Papier: „Obwohl sie mich nicht recht leiden konnte, so möchte ich doch um ihren Besuch bitten."
„Dazu ist sie noch nicht kräftig genug, mein alter Freund, will's aber bestellen. Halten Sie sich ganz ruhig, davon hängt einzig Ihre Genesung ab. Ich fahre noch in Edenheim vor. Ueber Steindorf beunruhigen Sie sich nicht, der geht wahrscheinlich bald nach Amerika zurück."
Dieser Trost schien indeß bei dem Kranken die beabsichtigte Wirkung nicht zu haben. Er rollte das eine Auge in wahrhaft erschreckender Weise und schrieb mit erregt zitternder Hand: „Schicken Sie mir um Gotteswillen den Commissar Frenzel her. Ich muß eine Aussage machen. War er denn überhaupt noch nicht hier?"
..... »Freilich, alter Freund, aber Sie waren doch ganz unfähig zu einer Aussage, was der Polier Schulze auch hinreichend schon besorgt hat."
Reinhardt ballte vor Ungeduld die Hand und schrieb dann mrt großen Buchstaben: ..Schulze soll dem Commissar von der rothen Schnittnarbe erzählen."
„Gut, gut, ich will Alles ausrichten," beruhigte ihn der Doctor, den diese fixe Idee des Kranken sehr bedenklich stimmte. Er ging hinaus, dem Gehilfen einen Wink gebend, chm zu folgen.
»Die fixe Idee des alten Herrn wurzelt in einer Narbe," flüsterte er ihm draußen zu, „das Gehirn muß also doch ge- utten haben."
„Ja, der Sprengstoff muß unbedingt eine giftige Bei- mschung gehabt haben — die Hülse ist ja gefunden worden."
„Ich weiß, meine Herren Collegen bezweifeln das Gift, und sie mögen recht haben, weil wir sonst sofort eine Blutvergiftung gehabt hätten. Mag aber sonst etwas dazwischen gewesen sein, was auf das Gehirn eingewirkt hat Na, suchen Sie ihn nur zu beruhigen, das ist vorerst die Hauptsache."
Auf dem Wege nach Edenheim wollte ihm die seltsame Uebereinstimmung der beiden Verwundeten in Betreff der rothen Schnittnarbe gar nicht aus dem Sinne. Sollte diese Idee wirklich einen ernsten Hintergrund haben und er verpflichtet sein, dem Criminal-Commissar darüber zu berichten? Ja, wenn der Name Steindorf nicht so widersinnig hineingeflochten wäre, — hiermit würde er sich ja unsterblich lächerlich machen. Was gingen dem Commissar die verrückten Phantasten seiner Kranken an? Er könnte es ihm ja immerhin als Curiosum mittheilen.
Mit diesem Entschlüsse fuhr er vor die Freitreppe des Herrenhauses von Edenheim, wo ihm Mamsell Evers mit einem umwölkten Gesicht entgegentrat.
„Nun, was gibt's?" fragte er, sie forschend anblickend.
Die alte Wirthschafterin schluckte erst einige Male, als ob ihr etwas Ungehöriges im Halse stecke und erwiderte dann leise: „Was soll's geben, Herr Doctor — jedenfalls eine Hochzeit."
Er sah sie erschreckt an. „Ist er wieder hier?"
„Mit ihr im Garten, ich hab' von meinem Fenster aus genug gesehen. O, daß er wieder heimkehren mußte —"
„Ja, und daß die Kleine unter ihrem Schutze todtgeschossen wurde," brummte der Arzt, „dergleichen gibt bei Gefühlsmenschen in der Regel den Ausschlag. Ihm konnte, so hart es klingen mag, nichts Besseres passiren, um Edenheim zu bekommen, da die Frau ihm jedenfalls Nebensache ist. Wollen Sie mich auch einmal mit eigenen Augen aus Ihrem Fenster observiren lassen, Mamsell Evers?"
„Gern, Herr Doctor, aber nehmen Sie sich in Acht, daß man Sie nicht bemerkt, er würde es mir bös ankreiden. Wenn er erst die Macht hat, wird auch meine Zeit hier um sein."
Sie wischte sich mit der schneeweißen Küchenschürze die Augen und stieg eiligst vor ihm die Treppe hinauf.
Doctor Peters folgte ebenso rasch, da ihn jene Nachricht merkwürdig erregt hatte.
Ohne Aufsehen erreichten sie die Stube der Mamsell, die im Seitengiebel des Herrenhauses lag und eine unbeschränkte Aussicht auf diese Seite des Gartens und auf. den Park besaß.
(Fortsetzung folgt.)
Werei und Werhase.
Eine culturgcschichtliche Scizzc. Bon E. Sabel, Oberstücutcnant a. D.
(Nachdruck verboten.)
Nach langem, kalten Winter wärmende Sonnenstrahlen: Ueberall in der Natur beginnt es sich zu regen: Bäume und Sträucher knospen, und muntere Vogelmännchen, zum großen Theil in prachtvollen Hochzeitskleidern, schmettern werbende Liebeslieder in die klare, blaue Luft hinein. Grüner Schimmer hat den Winterwiesenteppich überhaucht, blaue Blüthen des süß düftenden Veilchens sind darüber ausgestreut; malerisch hebt sich von ihm ein Beet zierlicher, goldiger und weißer, aus hellgrünen Blättchen hervorlugender Crocusglöckchen ab. Dort haben Glockenblumen ihr bläulich angehauchtes Laub, Päonienbüsche ihr erstes zartes Grün entfaltet; hier treibt Iris ihre schwertförmigen Blätter empor, und Lilie und Kaiserkrone schicken sich an, ihre Blüthenstengel zu entwickeln. Eine Schaar munterer Kinder umschwärmt diese ersten Frühlingsherrlichkeiten und sucht erregt jedes grüne Büschchen ab. Es ist Oster- morgen, und der Osterhase war im Garten gesehen worden. Jubelnd finden die Kleinen bald hier bald dort versteckte, schön gefärbte Eier, meistens rothe und gelbe, aber auch andersfarbige, Ostereier, die der freigiebige Osterhase gelegt hat, Eier von Form und Größe der Hühnereier mit festem Eiweiß und Dotter. Wenn aber das Osterfest so früh fällt, daß die Pflanzen noch im Winterschlafe liegen oder gar Schnee die Erde


