200
Vermischtes.
Leute und Notabilitäten sich nach und nach den Luxus
zum Schutze nur gegen die Strahlen der alllieben- den Frau Sonne, sondern mehr noch gegen die Ungunst wetterwendischer Witterungs-Kalamitäten. Wo giebt es heut zu Tage wohl noch ein Haus ohne ein transportables Wetterdach? und wer vermag wohl sich zu denken, daß es jemals Zeiten und Orte gegeben, wo dies anders war? — Und doch ist es der Fall!
Zwar ragt der Schirin als treuer Gefährte der orientalischen Völker bereits durch das Alterthum, denn über 3000 Jahre darf man wohl sein respektables Alter schätzen, namentlich im Lande der Chinesen, wo er noch länger thronen soll, aber die Schirme von anno dazumals waren zu Schattenspendern bestimmt gegen der Sonne Glnthcn, oder sie dienten als besonderes Abzeichen der Stände, ja sogar — wie z. B. in Indien — als Symbol des Königtums, Privilegien, die im Morgenlande sich zum großen Theil erhalten haben. — Wie lange es gedauert, bis endlich der Sohn des Orients im Abendland zuerst sich blicken ließ, ist mit Genauigkeit nicht festzustellen, obwohl bereits die alten Römer und Griechen Sonnenschirme kannten und gebrauchten; noch ungewisser aber ist der Zeckpunkt, wann der Schirm europäischer Verbreitung als Allerweltsbürger gefunden, doch weiß man, daß das schönere und schwächere Geschlecht in Deutschland noch im 16. Jahrhundert meist mit Hut und Schleier gegen den Sonnenschein sich zu verwahren suchte, obwohl der Schirm schon bekannt war, und im Land der Moden: in Frankreich geschah es im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIII., daß Edelknaben der Damen edle Häupter beim Promeniren in freier Luft mittelst eines Sonnendaches schirmten. — In noch spätere Zeiten fällt das Auftauchcn und der Gebrauch unserer so noth- wendigen Kameraden: der Regenschirme! Man darf nämlich getrost annehmen, daß erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dieselben die Welt zu beglücken begannen, und zwar als Privilegium des stärkeren Geschlechts, während die Frauen es vorzogen, bei ungünstiger Witterung Sänften zu benützen, weshalb auch in Paris ein förmlicher Aufstand der Sänften- und Chaisen-Träger losbrach, als der ihnen so gefährliche Regenschirm mehr und mehr Freunde und Freundinnen sich erwarb. Trugen in Frankreich die Männer etwa um 1828 bereits Para- pluies, so fing man in England erst gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts damit an, indem ein Spe- I kulant sie stundenweise an Studenten auslieh;, doch vergingen immerhin noch Jahre, bis — nach vielem Spott, Hohn und Gelächter — im stolzen Albion der Regenschirm in Mode kam. Dann folgte — s wohl oder übel — auch unser deutsches Vaterland | dem guten Beispiel, und das nothwendige Nebel bür- ■' gerte allmälig sich in größeren Städten ein, während in kleineren Orten und auf dem Lande wohlhabendere
eines allgemeinen, rothen Familien-Daches gestatteten, als Pracht- und Erbstück für's ganze Haus und für
Speiseröhe der Gefahr aus, durch die übereilte und angestrengte Bewegung Schaden zu leiden. Ferner können bei zu schnellem Esten die Speisen nicht gehörig zerkaut und mit dem Speiche! des Mundes vermischt werden, ermangeln also der zweckmäßigen Vorbereitung, welcher sie bedürfen, um später vom Magen vollkommen und gehörig verdaut zu werden. Endlich, wie die Natur überall keine schnellen Ueber- gänge liebt, so wird auch das Verdauungsgsschäst, wenn die Speisrn fast plötzlich und auf einmal in den Magen gelangen, wett weniger glücklich begonnen und fortgesetzt werden, als wenn durch langsameres Verschlucken der Speisen der Uebergang vom Hunger zur Sättigung nur allmälig bewirkt wird. Was noch besonders des Trinken snbelangt, so lehrt die Erfahrung, daß ein, nur einigermaßen heftiger Durst durch zu schnelle? Verschluckender Getränke am wenigsten befriedigt wird, s'lbst, wenn.man den Magen bis zur Ueberfüllug mit Flüssigkeiten belästigt. Er bedarf hierzu gar nicht dieser Ansüllung des Magens, vielmehr reicht es hin, das Getränk nur in den Mund zu nehmen und seine Höhle damit zu befeuchten, oder auch von Zeit zu Zeit einen Mund voll ganz langsam zu verschlucken, indem jenes lästige Gefühl (oer Du: st) nicht aus dem Magen, sondern daher entspringt, daß die Speicheldrüsen des Mundes bei dem Mangel an Getränken zu wenig oder zu zähen Speichel absondern, um die Mundhöhle und den Gaumen gehörig zu befeuchten. Je länger man daher die Flüssigkeit beim Trinken im Munde behält, je langsamer man sie in die Speiseröhre herab- gleiten läßt, desto eher wird man das Bedürfniß befriedigen.
Wie nun nach dem Obigen eine gemäßigte Wärme dem Organismus überhaupt für zuträglich erkannt worden ist, so kann man auch den, zum Genuste zu- bereitrten, Speisen und Getränken nur einen mittle- rett Wärmegrad zugestehen. Zu heiß genossen, müssen sie unsihlbar pathogenetisch auf die Ver- dauungswerkzeuge einwirken, während sie, zu kalt verschluckt, nicht minder Krankheit erregend sein werden. Selbst den Zähnen kann übertriebene Wärme und Kälte nicht anders, als verderblich sein, und unstreitig rührt der Umstand, daß so Mancher vor der Zeit, ost schon im Jünglingsalter, die Zierde seines Mundes verliert, zum großen Theile aus dieser Quelle mit her. Besonders muß der zu schnelle Wechsel des Heißen und Kalten, wie ihn namentlich die vornehmere Klasse liebt, ihre Verderbniß sehr begünstigen und bMlcunigen.
Redaction; A, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er, Chr. Pietsch) in Gießen,
Ein nothwendiges Nebel. Es ist leider ; eine traurige aber wahre Thatsache, gegen welche j sich nicht streiten läßt, daß auch im wonnrgen Lenz das nothwendige Nebel eine so große Rolle spielt, ; von welchem hier die Rede sein soll: Das tragbare j — -----
Schutzdach nämlich, genannt „der Schirm", doch nicht kommende Generationen!


