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Hiehmer Jamilienblaiter.
Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger.
Nr. 59. Samstag bett 19. Mai. 1888.
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Der Gröe des Kaufes.
Roman von Hermine Frankenstein.
(Fortsetzung.)
Zehntes Kapitel.
Die Ankunft des Betrügers.
Im Schlöffe Tressilian herrschte freudige Erregung, denn es war aus Paris eine Depesche einge- troffen, daß der Erbe des Hause» in kürzester Zeit, nach fünfjähriger Abwesenheit, wieder in die Heimath zurückkehren werde.
In dem Gemeinde-Gasthause zu Ardleigh wurde mit großer Lebhaftigkeit über den jungen Erben gesprochen und man fragte sich, ob diese Erziehung und jene Reisen in fremden Ländern den jungen Erben verdorben hätten oder nicht, denn Jeder erinnerte sich seiner als eines fröhlichen, zu allen ordentlichen Schelmenstreichen aufgelegten Knaben, der aber das beste, edelste, großmüthigste Herz befaß, voll Geist und Frische.
Würde er so rein und unverdorben zurückkommen, als er gegangen war, so fragten sich die Untergebenen Sir Arthur'«, wie er sich selbst gefragt hatte. Der Morgen der glücklichen Tages der ersehnten Ankunft brach endlich an.
Es war ein düsterer, stürmischer Novembermorgen ohne Sonnenschein.
Aber wie unfreundlich es auch draußen sein mochte, im Schlöffe selbst herrschte nur Heiterkeit und Frcude. Der Wagen war bereits nach Glocester gefahren, um den heimkehrenden Erben abzuholen. Sir Arthur wanderte in glückseliger Rastlosigkeit durch die Zimmer und seine trüben Ahnungen waren vollständig verschwunden.
In allen Räumen des Schloffes loderten behaglich wärmende Feuer; das Speisezimmer war mit Laub und Reisigkränzen festlich geschmückt worden und die lange unbenutzten Zimmer der armen Guy in Stand gesetzt , den Heimkehrenden aufzunehmen.
Der stattliche Haushofmeister gab mit vor Entzücken glühendem Gesichte in seinem Zimmer sämmt- lichen Dienern Befehle und die würdige Haurhäl- terin eilte durch cllr Gänge und Schloßräume, um sich zu überzeugen, ob Alles in gewünschter Ordnung sei.
D-r Salon wurde unter der Oberaufsicht von Blanche, Sir Arthur's Mündel, geschmückt, und sie halte die Glaehäaser ihrer herrlichsten Gewächse
? beraubt, um den Salon in einen fast feenhaft schönen l Raum umzuwandeln.
Um 12 Uhr trat endlich tiefe Ruhe in dem l Schlöffe ein. Die Vorbereitungen waren alle beendet. Herrlicher Blumenduft und behagliche Wärme rurchströmten das ganze große Haus.
Befriedigt von der Wirkung des Ganzen zogen sich der Baronet und Blanche in ihre Gemächer zurück, um sich für den nahen Empfang des Erwarteten anzukleiden.
Sir Arthur kehrte bald in tadelloser Salon- Toilette in das große Empfangszimmer. zurück und eine halbe Stunde später trat auch Blanche daselbst ein.
Sie sah unbeschreiblich schön aus.
Ihre Kammerfrau hatte ihr verrathen, daß Blau Master Gvy's Lieblingsfarbe sei, und sie hatte daher ein höchst elegantes, himmelblaues Seidenkleid angezogen und sich mit einem Halrbande prachtvoller, milchweißer Perlen geschmückt, die er ihr vor einigen Monaten aus Konstantinopel geschickt hatte.
Es war mittlerweile 1 Uhr geworden und in Iber großen Halle entstand ein leichtes Geräusch. Der Haushofmeister und die Haushälterin hatten nämlich fämmtliche Diener des Schloffes in Festgewändern daselbst ausstellen lassen und Mr. Purmton stand an der Spitze der männlichen, Mrs. Goß an der Spitze i der weiblichen Diener, bereit, den Heimkehr enden Erben mit freudigen Zurufen zu begrüßen.
Eine Viertelstunde erwartungsvoller Aufregung verging, bis stch endlich das Rollen von Rädern bemerkbar wachte.
„Onkel, !i:Kr Onkel!" rief Blanche in erregt freudigem Tone; „er kommt, er kommt, ich sehe den Wagen."
Sie schaute noch längere Zeit mit forschenden Augen die Straße entlang dem Wagen entgegen, l dann huschte sie leise aus dem Salon und begab stch in das Biblioth kzimmer.
Sir Arthur eilte mit zitternden Gliedern und wild pochendem Herzen durch die Halle zu dem Portale hinau und blieb dort mit ausgebreiteten Armen stehen, um seinen Sohn zu begrüßen.
Der Wagen hielt, der Schlag wurde von Innen geöffnet und ein junger Mann sprang aus demselben.
Dieser junge Mann war Jakpec Lowder.
Tadellos gekleidet, seine schlanke Gestalt gerade wie ein Baum, sein Gesicht aufwärts gerichtet mit den forschenden, blauen Anzen und den unter dem ' Schnurrbarte bebenden Lippen erschien er gar schön ° und freundlich, nur weniger schön und freundlich
:{*) in Gießen,


