188
schütterung in dem Blüthenkelche, daß die Staub- bchälter aufspringen und der Staub umherfliegt, so daß er schließlich auch auf die Narbe des weiblichen Blüthenthsiles gelangt, um diese zu befruchten. Auf diese wunderbare Weise wird durch ein Jnsect die sonst beinahe unmögliche Besruchtung der Osterluzei bewirkt, während das Thierchen selbst fein Vermitte- lungsgeschäst mit dem Leben bezahlt, denn es ist ihm die Kelchöffnung auf dem Rückwege durch die Haare verschlossen und findet es also in dem blüthen» duftersüllten Gefängnisse sein Grab.
Schließlich ist auch noch des WafferS als eines Vermittlers bei der Befruchtung der Pflanzen zu erwähnen. Es giebt viels Pflanzen, die im Waffer leben und unter der Oberfläche des Wassers blühen. Unter diesen befindet sich eine nicht geringe Anzahl von Arten, bei denen die männlichen und die weib. lichen Theile der Blüthe nicht in unmi telbare Berührung mit einander kommen und doch soll der Fruchtstaub von jenen auf diese gelangen, ohne daß das dazwischen fließende Waffer ihn fortführt. Auch hier hat man die Pflanzen in ihren wunderbaren, geheimen Befruchtungen beobachtet und Folgendes wahrgenommen:
Der weibliche Theil der Blüths sitzt auf einem Stiel, der fpiralarttg, wie ein Pfropfenzieher, gewunden ist. Zur Zeit, in welcher der Fruchtstaub in den männlichen Theilen der Blüthe zur Reife gelangt, streckt sich der spiralartige Stiel lang sur, bis der weibliche Blüthentheil oben auf die Oberfläche des Waffrrs zu liegen kommt. Jetzt erst öffnet sich der Staubbeutel unter dem Waffer, und da der Fruchtstaub leicht ist, so schwimmt er nach oben auf die Oberfläche des Waffers und hier gelangt er zu der weiblichen Narbe, um das Werk der Befruchtung zu verrichten. Ist dieses aber geschehen, so rollt sich der Stiel wiederum spiralartig zusammen, der weibliche Theil der Blüthe taucht wieder unter das Wasser und reift daselbst schließlich die Frucht.
So sehen wir, daß nicht nur der Wind und die Jnsecten, sondern auch das Wasser ein Vermittler der Befruchtung ist, indem rs den leichten Frucht- staub hinauf zur Oberfläche trägt, wo der weibliche Blüthentheil der befruchtenden Stäubchen harrt.
Vermischtes.
(Wirkung des Schnee's auf den Obst- b a u.) Gelegentlich der Schneeschäden, unter welchen in diesem Winter die Obstbäume in Süddeutschland durch Abbrechen starker Aeste gelitten haben, macht die Zeitschrift „Obstbau" auch auf die Vortheile aufmerksam, welche ein richtiger Schneefall unseren Obstpflanzungen zu bringen vermag, indem sie bemerkt: Es ist ja allbekannt, daß der Landwirth es gar gern hat, wenn eine tüchtige Schneedecke auf
den Feldern liegt und die Winterszeit durch aus" j dauert, denn ein gutes Jahr folgt in der Regel
einem nicht zu kurzen und nicht zu langen Schneewinter. Woher kommt das? Da ist nicht nur an die allbekannten Gründe zu erinnern (Warmhaltung des Bodens rc.), sondern es kann dem Schnee eine i düngende Wirkung nicht abgesprochen werden. Der i Schnee ist bekanntlich nichts anderes als Regen, der seinerseits aus Wolken entstanden in entsprechend - kalten Luftschichten sich in kleine Schneekrystalle ver- j wandelt und in solcher Gestalt auf die Erde kommt.
In jenen Luftschichten ist aber nicht Alles öde und ; leer: es können sich da elektrische Stoffe ansammeln, J wofür die Hochgewitter Zeugniß ablegen; in der
Nähe der Erdoberfläche können sich bedeutende Staubmassen mit dem Schnee vermischen und zur Erde niederfallen, kurz die Atmosphäre birgt allerlei nützliche Bestandtheile in sich, und wenn in ihr jene Schneebildung vor sich geht, so werden diese Stoffe an den sich bildenden Schnee gebunden, gelangen mit ihm gleichsam in fester Gestatt auf den Erdboden und bleiben auf dem Platze liegen, wo sie niederfallen. Wenn darnach die Sonne den Schnee langsam schmilzt, so dringen jene Stoffe, Ammoniak oder Erdstaub u. a., in den Boden hinein, auf den sie sich mit dem Schnee gelagert haben, und je offener der Boden ist, um so ungehinderter geht dieses Hineinsickern vor sich; wenn also der Boden unter einem Baum, d. i. die wohlbekannte Baumscheibe, offen ist, d. h. im Herbst aufgehackt wurde, so bekommen die Wurzeln des Baumes durch den Schnee auf der Baumscheibe förmliche Himmelsnahrung zugeführt, und vergelten dies dankbar durch erhöhten Ertrag: wenn die Baumscheibe dagegen ungepflegt daliegt und mit dichter Rasennarbe bedeckt ist, so fängt das dichte Wurzelwerk des Grases Alles auf, zu den Wurzeln des Baumes dringt nichts hinab und der Nutzen, den auch der Schnee haben kann, geht für den Baum verloren. Warum aber nicht Alles mitnehmen, was die gütige Natur einem so nebenher anbietet und zusteckt? Warum nicht im Herbst sich die kleine Mühe machen und die Baumscheibe der im Graslande stehenden Bäume durch s Aufhacken und Umdrehen des Rasens in die richtige s Verfassung bringen, damit der kommende Winter- s schnee den Weg offen in den Boden hinab findet, um auch feinen nützlichen Beitrag zu einem guten Herbst zu liefern? Also im Herbst nicht die Pflege der Baumscheibe vergessen! Wer's vorigen Herbst nicht besorgt hatte, kann sich jetzt freuen, wenn, wie es in diesem Jahre der Fall, noch im Februar reichlicher Schneefall stattfand. Freilich kann es auch i vorkommen, daß der Schnee durch starke Regengüsse - fortgeschwemmt wird, statt durch die Sonnenwärme ' allmälig zu schmelzen, besonders von Abhängen wird, sofern nicht Vorsorge dagegen getroffen wird, der , Schnee meist abgeschwemmt. So wollen wir denn ' hoffen, daß nach dem so schneereichen Winter 1887/88 i ein obstreicher Herbst 1888 folgen möge. (L. T.)
Redwttsn-: A. Scheydck. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


