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di- Staubfäden überragt, so daß hierdurch das Be- fruchtuna-gescbäft erschwert wird. Bei solchen Blüthen Lot man die Merkwürdige Beobachtung gemacht, daß der weibliche Blüthentheil, der Stempel, zur Zeit, da die Behälter der Staubfäden dem Aufspringen nahe sind, außer aus seiner int Allgemeinen passiven Nolle heraus geht und sich zu den Siaubbehäliern der männlichen BlücheMheste förmlich herabneigt, bis er deren Staubkörnchen empfangen hat, woraus sich der Stempel wieder in die Höhe richtet.
Doch auch in solchen Fällen ist die Befruchtung noch immer eine verhältnißmäßig le'.chte, da die Blütbe den männlichen und den weiblichen Thei! zu- gleich enthält. Es giebt nun aber Blüthen, die nur Staubfäden, daaegen keinen Stempel haben, also rein männliche Blüthm sind und daher lediglich den brfruchtenden Staub tragen, sich aber nicht zur Frucht selber entwickeln können. Anderseits jedoch sind Blüthen derselben Pflanzcnart vorhanden, welche keine Staubfäden besitzen, sich also als rein weibliche Blü- tben chawkteristi« und nur zu Früchten werden können, wenn Fruchtstäubchen von j nen männlichen Blüthen zu ihnen gelangen. Auf welchem Wege ge» schicht dies nun, da die männlichen und die werb. Itchen Blüthen derselben Pflanzenart ost weit von einander entfernt sichen? Nun, der Wind spielt da eine Hauptrolle, er ist es, der auf seinen unsichtbaren Flügeln den befruchtenden Staub des einen Theitts zu dem empfangenden andern Theile hinüberträgt. Auf seiner Wanderung nimmt der Wind von den Pflanzen, welche nur männliche Blüthm tragen, die Fruchtstävbchen und trägt sie weithin und streut sie umher nach allen Gegenden. Und da die Stäubchen gar so leicht sind, so trägt der Wind viele, viele Millionen solcher Stäubchen auf seinen weiten Fittichen einher, j ne überall auf die Erdoberfläche hin- streuend und so gelangen befruchtende Stäubchen auch zu denjenigen Pflanzen, welche nur weibliche Blüthen tragen. Und auf wUch' ungeheuere Entfernungen führt der Wind nicht manchmal die zarten Blüthen- fiäubchen mit sich! Es giebt in manchen botanischen Gärten Europas Pflanzen weiblichen Geschlechtes, deren Gatten — um uns diese? Ausdruckes zu bi- bienen — nur in den fernen Savannen Amerikas vorhanden sind und welche männlichen Blüthen sich nicht nach Europa haben verpflanzen lasten. Trotzdem treiben diese vereinsamten weiblichen Blüthen zu Früchten, und dies kann augenscheinlich blos dadurch yerbeigesührt werden, daß der Wind von der entsprechenden männlichen Blüihe in Amerika den Staub aufnimmt, ihn viele, viele Meilen und über das Weltmeer hinweg mit sich forlführt, um ihn dann zur Befruchtung auf die weibliche Blüihe in Europa ntederfallen zu lasten — wohl eine der wunderbarsten Rollen, die der W-nd im Haushalte der Natur spielen muß!
Neben dKn Wind cxistiren auch noch andere Träger des Blüthenstaubes, nämlich Birnen, Schmetterlinge und andere den Blüthenstaub liebende Vertreter des niederen Thierreiches. Diese Übername» das G>
; schäft, während ihres Streifzuge« von Blüihe zu Blüthe den Fruch staub männlicher Brüchen zu den seiner harrenden weiblichen Blüthenthülen der gleich-n Pflanzengottung hinzutragen. Wenn Bienen und andere Jnscctcn sich in die Kronen der männlichen Blumen hineinzwängen und dort ein süßer, duftiges Mahl feiern, dann springen bei der Berührung durch dis Eindringlinge die Staubbehälter der Staubfäd-n auf und überschütten die »aschigen Gäste mit ihrem Segen und wenn die trunkenen Gäste nach der Bcwirthung durch die männliche Blüche auch noch die vielleicht mildere Kost der weiblichen Blüthe aussuchrn, um in ihrem duftigen Honigseim gewissermaßen das Dosiert zu genießen, so bringen sie alsdann auf ihren behaarten Körpern den Fcuchistaub der männlichen Blüthe mit, um ihn in die weibliche Blüthe abzr- schütteln. So unterhalten die Jnscctcn, die von den Blüthen sich ihres Leibes „Nihrurg und Nothdurft" holen, da? Wüihenleben selber, beim sie übernehmen ja gleich dem Winde dar Vermittlungsgeschäft bei der Befruchtung.
Man hat lange Zeit an Zufall bei der Befruchtung der Blüthen durch Jnsecten gedacht unb nahm an, daß dies Geschäft nur beiläufig geschähe, aber diese Annahme erscheint haltlos, nachdem man in neuerer Zeit die Befruchtung einer Pflanze durch ein bestimmtes Jnsect beobachtet hat. Diese Pflanze ist die Osterluzei, welche sich durch eine höchst eigenthüm- licke Beschaffenheit ihrer Kelches auszeichnet. Derselbe hat beinahe das Aussehen einer geschloffenen Tulpe, besteht aber nur aus einem einzigen Blatte, welches einen verschloffenen Behälter bildet, zu welchem sich nur oben an der etwas umgebogenen Spitze ein kleiner Emgang befindet. In diesem verschloffenen Raume befinden sich zwar Fruchtknoten und Staub- behälter, aber die letzteren sitzen nicht auf Staubfäden, die zur Narbe gelangen können, sondern sind am untern stark ausgebildeten Ende des weiblichen Stempels beinahe angewachsen. Eine Befruchtung dieser Blüthe auf dem gewöhnlichen Wege erscheint daher so gut wie unmöglich, da die Blüthe fast völlig verschloss n ift und auch der Wind keinen Blüthenstaub hineintragen kann, zumal das Vermittelungrgeschäst des Windes bei der Pflanzenbefruchiung nur dort hauptsächlich elntti.i, wo Männchen und Weibchen in zwei verschiedenen Blüthen oder auf zwei verschiedenen Bäumen oder in verschiedenen Gegenden wohnen.
Da übernimmt denn ein Jnscct die Rolle des Befruchtungs.Gehülftn; es schlüpft durch b5e kleine EmgangLöffnung in den Kelch der Osterluzei, angelockt durch den Blüthenduft und läßt sich hier zum Verzehren des ihm bereiteten leckeren Mahles nieder. Nach seiner Sättigung will das Jnscct den, Kelch wieder verlassen, aber derselbe ist inwendig mit langen, feinen Haaren versehen, welche das eindringende Thierchen zwar hereingelassen haben, die sich jedoch alsdann fest gegen die Oeffnung preßten und dem- nach den Eindringling gefangen halten. Das gefangene Jnscct beginnt angstvoll umherzuklettern und erregt in seiner Pein und Todesangst eine solche Er-


