444
„Nach Basel",.sagtetich.
„Gut." ■.
Im Nu hatte er auf zwölf Scheinen das einzige Wort Basel ausgefüllt, klebte fünf der ausgefüllten Scheine auf die Koffer und Körbe und gab mir die anderen fünf. Diese Scheine sahen so aus:
Nr. 3840(—3844).
Von Leipzig, Thüringer Bahnhof nach............Basel............
1 Mark (Blitzzug).
„Fünf Mark, für die fünf Stück," sagte er.
„Fünf Mark?" fragte ich erstaunt über die Billigkeit der Forderung.
„Ja, fünf Mark," wiederholte er. „Wenn Sie den gewöhnlichen Zug benutzt hätten, würden Sie nur die Hälfte zu bezahlen gehabt haben. Nach Stationen der ersten und zweiten Zone gar nur 25 Pfennig für je 50 Kilo und das Doppelte im Blitzzug.
„Aber das ist ja fabelhaft billig. Kommt denn da die Bahn auf ihre Kosten?"
„Allerdings," versetzte er. „Denn früher waren unsere Gepäckwagen nur zu drei Procent gefüllt. Der Fahrgast schleppte sich — namentlich in der menschenunwürdigen, nun für immer abgeschafften vierten Klasse, aber auch in den übrigen — mit einer erdrückenden Traglast Handgepäck oder begnügte sich mit einem lächerlich kleinen Vorrath von Wäsche, Kleidung, von Reisegepäck überhaupt, nur um die unerschwinglichen Passagiergepäckpreise zu sparen. Jetzt zahlt ein Koffer von 50 Kilo von Eydtkuhnen bis Basel nicht mehr als 50 Pfennig, bis 50 Kilometer Entfernung nur die Hälfte. Uud die Folge ist, daß unsere Güterwagen gefüllt sind und einen schönen Ertrag geben."
„Freilich. werden Sie auch die Beamtenkräfte stark haben vermehren müssen, um diesen gesteigerten Güterverkehr zu bewältigen?" wandte ich ein.
„Ganz im Gegentheil!" rief der Beamte. „Früher standen hier drei bis vier Beamte, wie Sie sich erinnern werden; zwei an der Waage, zwei im Schreibzimmer, und die Verwiegung und Beklebung, die Aufsuchung des richtigen Gepäckscheins mit dem im Voraus vorgedruckten Bestimmungsort, unter Tausenden solcher Scheine, die Eintragung des Gewichtes, die schwierige Berechnung der Fracht oder gar Ueberfracht nahm für manchen Passagier fünf Minuten in Anspruch. Das ist jetzt einfach unmöglich. Ich besorge allein, wie Sie sehen, die ganze Arbeit, und zwar bequem; denn ich habe in jeden Schein nur den Bestimmungsort einzuschreiben. Allein an Beamtengehältern spart die Bahn in Folge dieser
Vereinfachung und Verbilligung des Passagier-Gepäcks Millionen jährlich."
„Hier sind fünf Mark, danke verbindlichst."
Wir traten auf den Bahnsteig (Perron.) Der Zutritt zu demselben war nur mit Fahrschein erlaubt und unsere Fahrscheine wurden vorgezeigt und „eingeknipst," sowie wir den Bahnsteig betraten. Kein Schaffner stand vor dem langen Zug, welcher das einsteigende Publikum bevormundete und unterwegs den Zug begleitete. Vielmehr sorgten große Aufschriften an den Wagen dafür, daß der Reisende sich nicht verstieg. Ueberall stand in riesigen Buchstaben; „Nach Frankfurt über Eisenach-Bebra-Elm," auch an der Lokomotive.
Die Farben des Anstrichs der drei Wagenklassen stimmten genau überein mit der Farbe der Fahrscheine zu den drei Klassen: grün, braun und roth.
Niemand konnte sich versteigen. Niemand bedurfte unterwegs eines bevormundenden oder kontrollirenden Schaffners. Die Tausende von Schaffnern, welche in der alten Zeit während der Fahrt in steter Lebensgefahr geschwebt hatten, waren abgeschafft, und zwar theils pensionirt, theils minder unnützen und gefahrvollen Beschäftigungen des Eisenbahndienstes überwiesen. Nur ein einziger Kontrollbeamter tauchte plötzlich einmal unterwegs aus, welcher die Fahrscheine einsah und dann bei der nächsten Station wieder verschwand.
Wir hielten nur viermal auf der Fahrt bis Frankfurt und legten den Weg in sechs Stunden zurück. Es war Mittag geworden. Wir hatten hier anderthalb Stunden Aufenthalt, ehe der Blitzzug nach Basel abging, und begaben uns in den Speisesaal des Centralbahnhofes. Der Speisesaal befindet sich im Bereich des Bahnsteiges und ist abgesperrt nach außen, so daß nur mit Fahrscheinen versehene Gäste dort verkehren und eine nochmalige Fahrscheinvorzeigung beim Besteigen des Basler Zuges nicht nöthig ist.
Dann nimmt uns dieser Zug auf, und in fünf Stunden zieht die Bergstraße bis Friedrichsfeld, die Rheinebene bis Karlsruhe, der Schwarzwald zur Linken, später der Wasgenwald und der Kaiserstuhl zur Rechten an uns vorüber. Nachmittags sechs Uhr laufen wir in Basel ein, nachdem wir Leipzig Vormittags gegen sechs Uhr verlassen haben. Und diese Fahrt erster Klasse mit Gepäck kostet auf die Person nicht ganz 13 Mark. So reist man Mitte Juli 1893. — Wirklich?
vermischtes.
UnsereDien st boten. Hausfrau (in die Küche tretend): „Aber, Marie, was haben Sie sich heute für ein schlechtes Stück Rindfleisch aufschwatzen lassen! Das waren ja nichts als Sehnen und Knochen!" — Köchin: „Ja, gnädige Frau, ich habe es dem Fleischer auch gesagt: wenn es für mich wäre, würde ich es nicht nehmen.";
Kedgrtion: A. Scheyda, — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Meßen«


