Hichemr Jamilienbläüer.

Belletristisches Beiblatt;um Gießener Anzeiger.

"" Di-.nLteHm 18. Septembers 1888.

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auf ihren alten Verehrer,das wäre allerdings eine verständige Idee, mit welcher nur, wie ich fürchte, Herr Egon wohl nicht einverstanden sein wird."

Der junge Doktor sah allerdings etwas betreten aus; er durchschaute den kühnen Plan des Onkels und fühlte sich peinlich davon berührt, denn wie man der Sache auch ein Mäntelchen umhängen mochte, so blieb doch stet» die Thatsache einer unge­setzlichen Handlung, welche seine Ehre, sein schwer errungenes Ansehen vor der Welt mit einem schlage

vernichten konnte.

Al» er jedoch das Auge hob, den Blick auf die ihn mit unverkennbarer Besorgniß betrachtenden edlen Menschen richtete, deren ganzer Leben unantastbare Ehrenhaftigkeit und treueste Pflichterfüllung bedeutete, da schwand jede Bedenklichkeit aus seinen Zügen und ihnen mit warmer Herzlichkeit die Hände ent- grgenstreSend, sprach er fest:

Gebieten Sie über meine Dienste, ich will Alles thun, um den schuldlos Verfolgten von der unver­dienten Schmach zu retten und ihn der Gesellschaft, ja, womöglich dem Glück zurückzugeben."

Dank, mein Junge, Dank!" rief der Major, während Ulrike ihm stumm die Hand drückte.

Vor ollen Dingen", fuhr Egon jetzt rasch fort, müssen Sie uns zu Ihrem Neffen führen, gnädiges Fräulein 1 Ich habe allerdings sehr viel von ihm schon gehört, ohne ihn jemals persönlich gekannt zu

stürzung versetzten Major werfend.

Er ist schon mehr Verrath", murmelte dieser ganz vernichtet. Dann richtete er stch plötzlich straff empor und fuhr belebter fort:könnte mindestens einen derartigen Anstrich haben, mein gnädiges Fräu­lein, wenn Sie nicht hinreichende Proben meiner Ehrenhaftigkeit erhalten hätten. So aber habe ich nach bester Usberzeugung meinen Neffen in's Ver­trauen gezogen, weil nicht ich, der stadtbekannte Major Tellkamp, fand rn der im Alter und vielleicht auch der Statur nach urfferm armen Verfolgten ähnelnde und hierorts noch hinlänglich unbekannte E^oa Dörner den gordischen Knoten zu lösen vermag."

Ah so", sprach Ulrike mit einem dankbaren Blick

haben."

Weil er lange fortgewesm und Du fast um 10 Jahre jünger bist, mein Sohn!" berichtrgte der Major.

Ganz recht", sprach Ulrike nachdenklich,wie wär», meine Herren, wenn Sie heute Abend nach Anbruch der Dunkelheit stch wieder herbemühten? Ich habe mich davon überzeugt, daß stch fremde Ge­stalten sowohl gartenwärts, als auch vor dem Haufe in unauffälliger Weife berregen, was Abends sicher- lich in schärferer Weise noch geschieht. Man hat Sie somit unzweifelhaft in's Hau« treten und wird Sie auch wieder daffelbe verlaffen sehen, em Faktum, wodurch die Rettung gelingen könnte. Es wäre alsdann noch eine Hauptfrage zu lösen. Woh.n mit ihm?"

In mein Hous", versetzte Tellkamp ohne Zögern.

O, Herr Major! Das wollten Sie?" rief Ulrike in höchster Überraschung.

Weshalb nicht? Würde Ihnen mein Bei­stand denn sonst etwas nützen, thevre Urke? Ich bin wahrhaft stolz darauf, Ihnen einen kleinen

wir gänzlich ungestört."

Desto bester, mein gnädiges Fräulein! nahm der Major rasch da« Wort,zumal uns das Glück insofern günstig zur Seite gestanden, als es uns den Eingang in's Hau« geräuschlos gestattete. Sie haben mir die Freude gemacht, meinen Beistand zu wünschen, - befehlen Sie über den alten Freund, aber erlauben Sie auch diesem jungen Verehrer, für den ich mich verbürge, an einem Werke theilzuneh- men, welches sowohl Ehre und Pflicht, al« auch die innigste Theilnahme jedem braven Manne als Gebot erscheinen läßt." ,,, .

Ulrike zuckte bei Tellkamp's Worten leicht zusam­men, doch war kein Vorwurf in ihren Mienen zu lesen, al» sie rasch erwiderte:Sie haben Ihrem Herrn Neffen unser tragisches Mißgeschick mitgetheilt, Herr Major? Wie schwer werde ich an dieser doppelten Verpflichtung zu tragen haben, obwohl ich nicht in Abrede stellen will, daß die Aufgabe eine sehr peinliche, die Lösung diese« gordischen Knoten« wohl fast unmöglich erscheint."

Verzeihen Sie meinem guten Onkrl die Jndis- , cretion, gnädige« Fräulein!" sprach Egon, einen be- | dauernden Blick auf den armen in die tiefste Be- -

Zm Kaufe Immeudorf.

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Ulrike schritt voran, um die beiden Gäste in ihr Conferenz-Zimmer treten zu lasten, wo sie denselben Sessel hinrückte und sich dann selber in« Sopha ntebertieB^ Sprechzimmer, Herr Doktor!" wandte sie sich lächelnd zu Egon,die Besuchrräume sind nicht geheizt und im Wohnzimmer hat meine kranke Schwester augenblicklich Besuch. Hier sind