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Bei dergleichen Wetten sind oft viele hundert Pfund Sterling im Umlaufe, denn außer den beiden Hauptwettenden parieren noch andere Personen auf diesen oder jenen Boxer. Da dieses Amüsement öffentlich vor sich geht, so strömt natürlich alles herbei. Zur bestimmten Zeit erschienen nun die beiden berühmten Athleten des Tages unter allgemeinem Beifall der Menge auf einer jener erwähnten Tribünen. Wird der „match" (Kampfvereinigung, Kampfvorstellung) im Freien abgehalten, so schließt ein Viereck, welches mit Pfählen und Stricken markirt fit, die Kämpfenden, ihre Sekundanten und Bouteillenver- wahrer (bottleholders) ein. Nachdem sie sich gegen das Publikum verneigt haben, reichen sich beide Boxer, zum Zeichen, daß sie gute Freunde sein und bleiben wollen, die Rechte und setzen sich ungefähr einen Fuß weit von einander getrennt, in den Vertheidiguugszustand. Den einen Fuß vorwärts, mit halb gebeugtem Kinn, den Körper etwas geduckt, beide Arme bis an das Kinn erhoben und fest an die Brust gedrückt, sehen sich beide unverwandt Auge in Auge, bis der erste Schlag gefallen ist. Wenn solcher Kerl den Schlag schleudert, so glaubt man, nach dem „Knistern und Knacken" zu urtheilen, das die Gelenke hervorbringen, er würde sich seinen Arm aus dem Gelenke werfen. Nun geht es Schlag auf Schlag. Wie eine Feder springen die-Arme kerzengerade hervor und hier klebt ein Auge an den Knöchel des Gegners, dort werden auf einen Schlag einige Rippen durchgeboxt.
Zwischen jeder Pause (eine Pause entsteht, wenn ein entscheidender Schlag von der einen oder anderen Seite gefallen ist) ruhen die Kämpfer, wie ich das im Anfänge geschildert habe, auf den Knien ihrer Sekundanten aus und stärken sich durch tüchtige Züge von Gin oder anderen geistigen Getränken.
Oft ist einer der Boxer schon nach dem ersten „Round" (welches wir beim Fechten mit dem Kunstausdruck „Gang" bezeichnen würden) so zugerichtet, daß er platt auf den Boden gelegt, mit Branntwem gerieben werden und welchen zu riechen bekommen mußte, um nur wieder ins Leben zurückzukehren. Trotzdem aber hört der „Edle" nicht auf, zu kämpfen, bis er entweder den Gnadenstoß oder doch wenigstens einen solchen bekommen hat, welcher ihn total zum Weiterkämpfen unfähig macht.
Die meisten dieser Boxer lassen sich in ihrem besten Lebensalter zu Krüppeln schlagen und das oft für nur wenige Pfund Sterling und fristen ihr Leben alsdann als Bettler oder finden auf dem Boxfelde der Ehre ein frühes und wenig beneidens- werthes Grab.
Den Tag nach jedem Faustkampfe nun herßt es wieder in den Zeitungen: Gestern den 3. re. fochten Jam Salisbury und Tom Party mit 16, 20 rounds und nun wird mit pedantischer Genauigkeit referirt, wie Tom Party den Boden im ersten Gang behauptete, dem Jam Salisbury die Kinnlade zerschmetterte u. s. w.
Die Boxer von Profession leben übrigens in jeder Beziehung sehr mäßig und haben einige Zeit vor dem beginnenden Kampfe eine, wie man sagt, ganz besondere Diät zu beobachten.
Redaction: A. Sch-Yda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pret sch) m Gießen.
Eine Insekten-Wersammkung.
Abgehalten
anläßlich des Absterbens des Erfinders des „Zacherlin".
Ein Floh: GeehrteMitbrüterl Das was Berthold Schwarz für die Menschheit, das war beiläufig Johannes Zacherl für die Jnsektenwelt. Jener hat das Schießpulver, dieser das Insektenpulver erfunden. Diesen beiden vernichtenden Erfindungen sind hüben und drüben wohl ungezählte Legionen zum Opfer gefallen. Ich will weiter keine beißenden Reden halten, mache aber anläßlich des Unterganges unseres Massen- Vertilgers einen Freudensprung.
Eine Wanze: Nachdem der geehrte Herr Vorredner das Stichwort gegeben, gestehe ich, daß ich mich heute das erste Mal nicht „wieeineWanze gifte". (Sie stinkt vor Freuden doppelt.)
Eine Motte: Was nützt uns sein Tod, wenn seine Erfindung fortbesteht? Das heißt: „Wasch' den Pelz und mach' ihn nicht naß."
Ein Schwab: Ich mochte ihn und sein Fabrikat nie recht schmecken, obwohl er mein Landsmann war. , _ , ,
Ein gewisses anderes Insekt: O, auch auf mich hatte er es abgesehen und es war nur ein Glück, daß mein Leben nicht an einem Haare zu hängen pflegt!
Der Floh: Da wir Alle uns über seine Nachstellungen zu beklagen haben und kein Grund vorliegt, unsere Gesinnungen zu verhehlen, die ihm ein ehrendes Angedenken geradezu absprechen, so beantrage 'ich dieser unserer gegenseitigen Stimmung durch ein donnerndes Pereat lauten Ausdruck zu geben.
AlleJnsekten (tumultuarisch): „Pereat!" unserem Todfeinde!
Ein anwesender Staarl: Meine Herrn und Damen! Nachdem Sie Ihr festgestelltes Programm, die Berathung über die Förderung Ihres Wohlergehens, durch Verunglimpfung der Manen eines unserer größten Erfinder überschritten haben, bin ich genöthigt, die ganze Versammlung aufzu- lesen .. (Er will mit seiner Drohung Ernst machen, worauf die Anwesenden auseinanderstäuben. Ein Theil verkriecht sich in die Möbel, Bilder und Mauerritzen, ein anderer sucht die Penaten hinter dem häuslichen Herde auf, die Dritten fliegen eiligst in ihre Winterrockquartiere. Die behenden Flöhe machen sich in die Socken oder retten sich durch Springen in ein nahegelegenes Massenquartier, wo sie sich sofort zu Bette begeben.)


