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namentlich auf Karl Meyer, Albrecht v. Gräfe und B. v. Langrnbrck, und es gelang mir, sie zu aus­giebigen Operationen auch bei ganz jungen Ge­schwülsten maligner Art zu bestimmen.

Jetzt ist das fast antiguirte Weisheit. Ist doch sogar von hervorragender Stells aus das Verdienst, die primär-lokale Natur der malignen Geschwülste erkannt zu haben, für die modernen Chirurgen in Anspruch genommen worden. Es ist das für mich eine sehr werthvolls Wahrnehmung gewesen. Denn es kommt doch nicht vorzugsweise darauf an, von wem die Lehre herstammt, sondern ob ste wahr ist; und daß ste jetzt wenigstens für wahr gehalten wird, dafür flieht es keinen besseren Beweis, als daß chirurgische Praktiker es al» eine besondere Leistung »her Chirurgie" darstellen, daß sie diese Wahrheit aufgefunden habe. Jedenfalls hat dieser Glaube die gute Folge gehabt, daß immer früher operirt wird und daß die Zahl der operativ geheilten Fälle immer mehr zunimmt.

Auf die Statistik der Krebroperativnen möchte ich hier nicht eingehen. Man muß leider zugestehen, daß damit noch nichtviel Staat zu machen ist". Wichtiger ist die Beobachtung, daß die Aff-krion un« gewöhnlich lange lokal bleibt und sich höchstens auf die nächste Nachbarschaft ausbreitet, daß dagegen Metastasen ganz ober doch während einer Reihe von Jahren ausbleiben. In solchen Fällen liegt die Gefahr wesentlich in der lokalen Verbreitung und Zerstörung, und so lange e» sich ausführen läßt, diesen Lokalherd in seiner ganzen Ausdehnung durch eine Operation zu erfaffen und zu beseitigen, so lange kann auch die Hoffnung festgehalten werden, daß eine definitive Heilung erreicht werden wird.

Die vielerörterte Frage der Vernarbung bei Krebsen berührt Virchow ebenfalls; er hat gefunden, daß sehr gewöhnlich bei Krebsen eine Vernarbung vorkommt, welche durch eine regresstve fettige Meta­morphose der Zellen im Ccntrurn der Geschwulst ein- geleitet wird, daß jedoch die Krebsvernarbung noch lange keine wirkliche Krebsheilung ist; im Gegeniheil, es kann eine ausgedehnte Vernarbung stattfinden, während doch dis Produktion neuer Krebselemente sich immer weiter propagirt. Das Hinderniß einer wirklichen Heilung liegt eben in der fortschreitenden Bildung acceflorischer Herde. An sich ist da» Car- cinom keine Dauergeschwulst. Seine Zellen haben vielmehr in ausgemachter Weise einen hinfälligen Charakter; sie sind nur zu einer beschränkten Lebens­dauer angelegt und verfallen nach einer relativ kurzen Zeit ganz von selbst rückgängigen Metamorphosen. Könnte man diese Metamorphosen sofort über alle Theile des Krebses ausbreiten und den Nachwuchs accessorischer ober metastatischer Knoten hindern, so wäre eine definitive Heilung sicher.

Von Zeit zu Zeit werden einzelne Fälle ver- jjffentlichf, in welchen diese glückliche Verbindung ein­getreten fein soll. Ich habe früher wiederholt dar­

s über berichtet, muß aber leider bekennen, daß sehr wenige Fälle bei einer genaueren Prüfung bestehen. Nichtsdestoweniger bin ich fern davon, die Möglich­keit einer spontanen Krebsheilung ausschließen zu wollen. So hat vor wenigen Jahren John Clay in London Beobachtungen mitgetheilt, nach welchen der Gebrauch des Terpentins von Chios eine so wvhl- thätige Wirkung hervorbringen soll. Leider fehlt es an ausreichenden B stätigungen. Es scheint mir, daß man in der ärztlichen Praxi» dieser Seite der therapeutischen Forschungen zu skeptisch gegenüber« steht. In einer so verzweifelten Lage, wie sie durch da» Auftreten des Carcinoms für einen Menschen geschaffen wird, ist man berechtigt, auch solche Mittel zu versuchen von deren Wirksamkeit man fich kein klares Bild entwerfen kann. Hier ist das Feld für therapeutische Versuche, natürlich nicht für Versuche mit jedem, von irgend einem Schwärmer oder gar Abenteurer vorgeschlagenen Mittel, aber wohl mit solchen Mitteln, für deren Wirksamkeit einigermaßen beglaubigte Beobachtungen beigebracht sind.

Die spontane Rückbildung von Geschwülsten ist sehr weit verbreitet. Vielleicht am wenigsten findet sie sich bei hornigen und verhornenden Gebilden, und so auch seltener und weniger ausgiebig bei den epidermoidalen Carcinomen, den sogenannten Can- croiden. Eine verhornte Zelle eignet sich nicht mehr zur Fettmetamorphose. Hier ist daher die Ent­fernung des Krankheitsherdes vorzugsweise angezeigt. Ich möchte dabei aber hervorh-bsn, daß eine Ent­fernung des epidermoidalen AtveoleninhaUs auch durch Ulceration erfolgen kann, und daß es gerade unter den cancroiden Ulcrrationen der H,-uk solche giebt, in welchen das Zustandekommen einer defini- tiven Vernarbung nach voller Reinigung des Gs- schwüre von guten Beobachiern bezeugt wird.

Eine Theorie dieser Heilungen läßt sich bei dem mangelhaften Material nicht geben. Nur das scheint mir vorläufig ausgeschloffen, daß es Methoden giebt, durch welche eine Immunität der Gewebe gegen dis Infektion durch einen bestehenden Krebs, also eine Widerstandsfähigkeit gegen die Invasion, herbeige' führt werden könnte. Alle», was wir bisher muffen, spricht dafür, daß unter gewlffen Umständen dir Er­nährung der vorhandenen Krebszellen so sehr gestört werden kann, daß ihr Zerfall zu Stande kommt. Da» haben zahlreiche ältere und neuere Praktiker durch die äußere Anwendung der mannigfaltigsten Arzneistoffe angestrebt. Mögen die jetzige und die kommenden Generationen nicht im weiteren Suchen erlahmen! Ist der Krebs in seinem Beginn und oft noch sehr lange ein örtliche» Leiden, so muß es auch möglich sein, ihn in dieser Zeit örtlich zu heilen.

Rehaktion: A. Scheyda. '<* Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen,