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wie so Viele fhU den Herrn Musikdirektor zu sprechen wünschten, ihm des Letzteren Zimmer be» zeichnet und sich nicht weiter um ihn bekümmert, habe ihn auch nicht wieder fortgehen sehen, .da ste gleich darauf ins Souterrain hinabgegangen sei, wo sie etwas in der Küche zu thun gehabt. Mein Ur» großvater war der Meinung, daß es wohl der Ge- heimsrkretär der Gräfin gewesen sein könne, der auf irgend eine Weise erfahren, daß die Bibel das Ge« heimniß, wo der Schatz verborgen, enthalte, und nun zu dem Zweck nach Hamburg gereist sei, um den Versuch zu machen, dieselbe durch Gott weiß welche Mittel in seinen Besitz zu bekommen, einen Versuch, der ihm auf den ersten Wurf gelungen. Mein Urgroßvater, der von Anfang an von dem Gedanken durchdrungen gewesen, daß die Erbschaft der Gräfin Fichtenberg seinen Kindern keinen Segen bringen würde, sah in der Entwendung der Bibel ein Walten der Vorsehung und unterließ jeden Schritt, das Verlorene zurück zu erhalten. Vielleicht, wenn er die Sache der Polizei gemeldet, daß man den Dieb noch ermittelt hätte.

Und das, was ich Ihnen, Herr Professor, ohne Unterbrechung jetzt erzählt habe", fuhr Frau Rohden- berg fort,ist das Refums dieser umfangreichen Schriftstücke. u@ie werden daraus ersehen, wie vage die Hoffnung und die Aussicht ist, jemals diese Bibel aufzufindrn, und wie wenig Wahrscheinlichkeit vor- chandcn, daß der Schatz noch an demselben Orte sich befindet, wo die Gräfin ihn verborgen. Kann er nicht längst von irgend Emern entdeckt sein? Mehr als ein Jahrhundert ist seit jener Zeit vergangen. War er vergraben, so kann die Anlage von Chausseen und Eisenbahnen ihn an's Licht befördert haben; hatte die Gräfin ihn in der nächsten Umgebung des Schlosses, in einem Pavillon oder in einem anderen Gebäude untergebracht, so können dieselben abge­brochen sein, nur Ein« ist bis zur Stunde unser- ändert geblieben, es ist das Schloß selbst. Und wissen Sie, Herr Professor, was für ein Schloß dar ifi? Es ist die vier Meilen von hier gelegene so­genannte Schlangendurg, die vor noch nicht langer Zeit in den Besitz unseres großen Industriellen, des Geheimen Commerzienrath Wolter gelangt ist.

Wie?" ries der Professor Marquard erstaunt au»,die Schlangenburg, dieser alte romantische Bau gehörte der Gräfin Fichtenberg?"

Sie bildete mit den Gütern Fichtenberg, Rönn- wald und Holzendorf, eine Enclave unseres Nachbar­staates, welche erst zu Anfang unseres Jahrhunderts unserem Lande incorporirt wurde."

--Ihre Erzählung hat mich sehr interesstrt", sagte der Professor, sich mit der Hand durch das auf­strebende, borstige Haar fahrend,und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Man wird ganz eigen­artig berührt, wenn man um mehr als ein Säculum in die Vergangenheit zurückgeführt wird. Wie vor- ändert sich doch die Welt und fast Alles, was sie enthält, von einem Jahrhundert zum andern. Wie

unendlich Viel-s ist so ganz anders geworden, die die Fürsten und die Völker, die Anschauungen und die Begriffe. War früher geschehen konnte, ist jetzt zur Unmöglichkeit geworden."

(Fortsetzung folgte

Mofeffor Wrchow üöer den Kreös.

(Schluß.)

Nicht ohne Grund hat sich in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit wieder mehr den Umsetzungen in dem Körper der Kreb »kranken, namentlich im Blut und im Harn, zugewendet. Die Vermehrung de» Zuckers im Blute, die Verminderung des Harnstoffe« im Harn sind als wichtige diagnostische Hilfsmittel herangezogen worden. Aber auch diese Angaben entbehren bis jetzt derjenigen Sicherheit, welche uns die anatomische Untersuchung bietet. Sie find ins­besondere, soweit bis jetzt die Thatsachen bekannt find, nicht mit derjenigen Genauigkeit in Bezug auf die Art des Krebses, auf das Stadium der Er­krankung, auf die Betheiligung der ursprünglichen Gewebe, auf das betroffene Organ und auf das Gesammtoerhalten des Organismus durchgeführt worden, daß ihnen ein sicherer Platz in der Diag­nostik und Prognostik eingeräumt werden könnte. Insbesondere fehlen noch alle Anhaltspunkte, um auf rein chemischem Wege eine Erklärung dafür zu geben, warum gewisse Krebrsormeu mehr, andere weniger infektiös find. Gerade dieser für die Prognose im höchsten Maße entscheidende Punkt ist viel sicherer nach rein empirischen Regeln zu erledigen.

Entgegen der früheren Vorstellung, daß der Krebs auf einer Dyskrafie beruhe, hat Virchow die Auffassung der primär lokalen Natur der bösartigen Neubildungen entwickelt und dis Dytkrasir als ein sekundäres Ereigniß gedeutet. Es hat manches Jahr gedauert, fährt Virchow fort, ehe ich an der Hand der Erfahrung dahin gelangte, mit dm Dogmen der alten Medicin zu brechen. Als ich anfing, waren dis Chirurgen so meffcrscheu gegenüber den Carci- nomen geworden, daß manche von ihnen überhaupt nicht mehr derartige Geschwülste operiren wollten, andere wenigstens die größten Reserven machten. Meiner Anschauung gemäß trug ich kein Bedenken, der früheren Operation das Wort zu reden. So lange ihre Neubildung sich noch al» eine solitäre erweist, darf die Hoffnung auf einen glücklichen Ver­lauf auch bei den gefürchtesten Arten der Neubildung nicht ganz aufgegeben werden. So lange man die Ueberzeugung festhalten darf, daß es sich um einen wesentlich lokalen Vorgang handelt, wird es gewiß gerechtfertigt sein, unter allen Verhältnissen dessen Beseitigung zu versuchen. In diesem Sinne wirkte ich stets auf dis mir befreundeten Operateurs ein, so