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„S ibe Multer!
Heute nach der Parade erfahren, daß ich in den rächstrn Tagen zum O fickt befördert uerde. Freue Dich mit mir I Doch wie wird's mit der Beschaffung d°r Osficiers-Equipirung? Du host Alles für mich ge'han, bist arm, und ich muß mir anderweitig Rath verschaffen. Schulden, ein herbes Wort, und wer wird sie bezahlen?"
So weit war der Bries an die Mutter gediehen, worauf dec Fähnrich, wohl in der Sorge um die Antwort auf diese schwermüthige Frage und in der Ermüdung von den Anstrengungen des Tages, mit der Feder in der Hand eingeschlummert war. Der Kronprinz nahm ihm behutsam die Feder au« der Hand und schrieb unter die Frage seinen Namen
„Friedrich Wilhelm, Kronprinz."
Dann entfernte er sich, ohne den Fähnrich zu wecken und auf jedes Honeur verzichtend. Man denke sich nun beim Erwachen des jungen Helden fein Ec- staunen, als er als Beantwortung seiner Frage den Namen Sr. kaiserl. Hoheit des Kronprinzen las und von dem Posten und der übrigen Wachmannschaft hörte, wer ihm einen Besuch abgestattet halte. Als der Fähnrich wieder in seine Garnison einrückts, fand er eine Anweisung des Hofmarschallamts vor. nach Beschaffung feiner Equipirung die Rcchnung einzureichen, auf daß der Kronprinz sein Versprechen einlösen könne. Dies geschah denn auch.
* * *
Im Schulgarten zu Lavgensulzbach im Elsaß liegt ein Schl.sier, der Lehrer Püjchcl, welcher bet Wörth an seinen dort empfangenen Wunden starb, begraben. Er war der einzige Sohn seiner Eltern, die gern den Ort besucht hätten, wo ihr Kind gr- bettet war, aber es fehlten ihnen dazu die Reise- mittel. Als der Kronprinz dies erfuhr, schickte er dem Vater sogleich 40 Thaler Reisegeld, und bald darauf standen die alten Eltern im Schulgarten zu L mgenfulzbach und weinten sich aus cm Grabe ihr-.S g >!übtcn Sohnes.
^Fortsetzung folgt.)
W e r m i s ch 1 e s.
Das abessynische Christenthum. lieber das Christenthum der Abessynier findet sich in dem unlängst erschienenen dritten Bande von Friedrich Ratzel's „Völkerkunde" folgende Charakteristik:
Es ist doch immer wieder die merkwürdige Eigenschaft Abessyniens, daß es als eine christliche Feste leuchtthurmgleich mitten aus Islam und Fetischismus Afrikas sich erhebt, welche uns das Land so anziehend macht. Und so ganz nur Wort und Form ist denn doch dieses Christenthum nicht, wie sehr es auch zurückgegangen oder mindestens stehen geblieben ist. Wenn sich die Völker auch bekämpfen, so sind die
Opfer doch nur die Soldaten und die Güter; Weib und Kind sind respectirt. Kein freier Abessynier wird von seinem Mitbürger in die Sclaverei verkauft. Die Leibeigenschaft erstreckt sich nur auf die von außen eingeführten Schwarzen, die nur den kleinsten Theil der Bevölkerung ausmachen. Der Sclavem handel ist den Christen bei Todesstrafe verboten. Die Frau ist unverletzlich und hat ihre bestimmten großen Rechte. Dem gegenüber stehen freilich alle jene Eigenschaften dieses Christenthums, welche den Grundthatsachen des orientalischen Ursprungs und der afrikanischen Abgeschlossenheit von aller geistigen Bewegung der übrigen Christenheit entfließen. Wohl hat Abessynien durch mehr als 1500 Jahre sein Christenthum bewahrt, aber es nicht entwickelt. So erklären sich einmal der Formengeist, die Wichtig- machung von Gebräuchen und äußeren Werken, die wahnsinnig folgerichtige Unterscheidung von Rein und Unrein, die Beschneidung, all das Hängen am Buchstaben, wie es als Ausfluß echt orientalischkurzsichtiger, pharisäisch-judäischer Denkweise schon Paulus geißelt. So erklärt sich auch der häufig wiederkehrende Anklang au europäische mittelalterliche Zustände in der Kirche, weil eben der allgemeine Culturstand Abessyniens unserem Mittelalter viel näher steht als unserer Gegenwart. Der Mangel theologischer und mehr noch sonstiger Wissenschaft, der Uebersluß an Mönchen voll Unordnung und Unsittlichkeit, lockere Eheverhältnisse, bis an Polygamie hinreichend, freche Simonie, Verkauf der Sakramente, übermäßig viele Festtage, endloses, aber oberflächliches Fasten und Büßen sind ebenso viel herabdrückende Gewichte. Dem Allen schließen sich, als von der Kirche mindestens nicht verpönt, sondern in den meisten Fällen selbst geglaubt und geübt, die abergläubischsten Gebräuche, wie Weissagung, Traumdeuterei, Hexerei und böse Künste an ... . Fügt man noch hinzu, daß Kirchengüter sich in den Händen der Fürsten befinden, die dieselben in Massen anhäufen, freilich auch darüber zu Gunsten ihrer Anhänger verfügen, daß das Priesterthum sich nach altegypüscher Weise in den Familien vom Vater zum Sohne forterbt, daß das Mönchs- und Noiinenthunr dem Nichtsthuu fröhnt, dafür aber um so entsittlichter und fanatischer ist, daß die abessynische Kirche sowohl für ihre Diener als auch ihre Bekenner gewohnheitsmäßig nur ein sehr geringes Maß von Bildung nöthig erachtet, so wird man verstehen, wie arm an Cultur trotz seines Christenthums dieses Abessynien zu sein vermag. Und eins ist schließlich auch hier nicht zu übersehen. Das ist der unsinnige, echt semitische Stolz, das Erbtheil aller Halbeultur.
Welches Kameel?
Hausfrau: Marie, geh hinunter in den Garten und gieße die Camelien.
Dienstmädchen: Was für ein Kameel soll ich gießen?
Redaktion: A> Gcheyda, — Druck und Perlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chx. Pietsch) in Gießen,


