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Behauptung."

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Hiehener Jamilienbläüer.

Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger.

Nrl 31. ~ Dienstag dm 13^März. 1888.

Die v erkorene Wiöek.

Original-Roman in 3 Bünden von Dr. Carl Hartmann-Plön.

(Fortsetzung).

Frieda holte unter ihrem Kopfkissen das Noten­blatt hervor, das Siegfried ihr heute überreicht und welches sie vorhin, ohne daß Frau Behrens es ge- sehrn, dahin gelegt hatte. Sie reichte der Letzteren es hin und sagte:

Dies ist ein Lied, welches er auf meine Ver­anlassung componirt und auch selbst gedichtet hat. Lies die Worte einmal durch. Nach acht Tagen soll ich ihm sagen, wie mir die Compostiion gefallen, und wenn ich ihm sage, daß sie mir gefallen, werden wir uns wahrscheinlich bei der Gelegenheit ver­loben."

Das ist ja eine complette Liebeserklärung in Versen", rief Frau Behrens aus, nachdem sie ge­lesen.Also so weit seid Ihr schon?"

Du weißt doch, wer es ist?"

Natürlich, Du hast Dein Interesse für den Direktor Eures Gesangvereins längst verrathen, wenn Du mir von ihm erzähltest."

Aber Eins mußt Du mir versprechen, Mutter Behrens, Du darfst weder der Mama noch dem Papa ein Wort von dem mittheilen, was ich Dir heute anvertraut."

Habe ich je Dein Vertrauen getäuscht, Friedchen?"

Nein, das hast Du nie und weil ich überzeugt war, daß Du es auch in diesem Falle nicht thun würdest, so habe ich mein volles Herz vor Dir aus­geschüttet. Und Deine Bedenken, Mutter Behrens, thetle ich nicht. Von nun an denkst Du besser über den, den ich liebe, nicht wahr? Glaube mir, wenn auch Alle so sind, er macht eine Ausnahme I"

Nun ja, ich will es ja auch gerne glauben, Kindchen, und wünsche von ganzem Herzen, daß er eine solche Ausnahme bildet."

Hast Du Siegfried heute gesehen, Mutter Behrens?"

Also Siegfried heißt er? Ich habe einen Augen­blick während des Concerts durch die Portieren in den Musiksaal geblickt, da sah ich ihn den letzten Chor dtrigiren."

Ist er nicht ein hübscher Mann?"

Das ist er, aber, weißt Du, Friedchen, da war noch ein anderer Mann, den ich noch hübscher fand, und wenn ich ein junges Mädchen wäre, wie Du, in den würde ich mich weit eher verlieben können."

Du meinst Herrn von Stolzenberg?"

Das wäre eine Partie für Dich! Er ist von s Adel, Erbe eines Millionärs und ein schöner ? Kavalier."

Der ist viel zu alt für mich."

Ein hübscher Mann ist nie zu alt."

Kch könnte mich nicht in ihn verlieben."

Selbstverständlich, weil ein anderes Bild in Deinem Herzen ist, aber könntest Du es auch nicht, ; wenn das nicht der Fall wäre?"

Darauf bin ich noch mit keinem Gedanken ge» i kommen."

Nun haben wir genug geplaudert, mein Kind, 1 und jetzt wollen wir schlafen."

Frau Behrens reichte Frieda die Hand und sagte ! ihr gute Nacht.

Frieda war viel zu munter, um schon schlafen i zu können. Es war doch nicht ganz ohne Eindruck auf sie geblieben, war sie heute über den Charakter der Künstler gehört, und sie legte sich die Frage - vor, ob es möglich sei, daß Siegfried auch so sein ; ober so werden könne, und wenn sie auch jedes Mal ! die Frage energisch verneinte, so kehrten doch immer \ und immer die Gedanken wieder auf diesen Gegen- l stand zurück. Erst gegen Morgen schlief sie ein.

Nachdem der General, Franziska und Felix in Fichtenberg angelangt waren, entfernte sich Ersterer sogleich, um sich zur Ruhe zu legen.

Was glaubst Du", sagte Felix, als er mit l seiner Cousine allein war,Du hast Dich ja mit Rohdenberg unterhalten, hast Du Aussicht, daß Du j reusstrst?"

Nein!" erwiderte Franziska kurz.

IUnd weshalb nicht?".

Weil er, so lange ich mit ihm sprach, kein Auge von der Tochter des Geheimraths verwandt hat. I Hier wird alle Mühe vergebens fein, Frieda ist I feine etfle Siebe»

$Ich bin leider auch zu dieser Ansicht gelangt. I Nun, können wir keine Wirklichkeit schaffen, müssen 8 wir den Schein hervorzaubern."

Und dabei habe ich auch wieder eine Rolle zu l spielen?"

Natürlich, die Hauptrolle."

Erlasse sie mir, ich habe keine Lust dazu."

Ob Lust ober nicht, Du wirst sie dennoch über» nehmen."

Und wenn ich mich weigere?"