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nicht! Aber ich bin der Diener des Himmels und kann eine solche Trauung, wie diese, nicht vollziehen!" Der Räuberhauptmann schaute finster drein.
„Ah, Ihr habt Gewissensbisse", höhnte er. „Nun, meinetwegen! Aber die Braut soll einwilli- gen! Ihr kennt mich noch nicht! Ich habe Dinge vollsührt, die Euch das Blut in den Adern erstarren machen möchten. Heda! Drei von Euch Burschen, kommt hierher!"
Drei große, stämmige und wildaussehende Räu- ber, bis an die Zähne bewaffnet, traten zu der Tri« büne hin.
„Ergreift die drei Engländer!" donnerte der rotbe Crrvtlli. y
Im selben Augenblicke wurden Frau Popliy, ihr Sohn und Guy Tresstlian von den Räubern fest, genommen.
„Ihr seht", rief der rothe Carvelli aus, Olla wie ein triumphierender Dämon anschauend, „wie sehr Ihr sammt Euren Freunden in meiner Gewalt seid! Ich frage Euch noch einmal, ob Ihr meine Gattin werden wollt! Aber erst sollt Ihr sehen, was von Eurer Antwort abhängt."
Er wandte sich zu den Männern, welche die Gefangenen festhielten.
„Zieht Eure Dolche", befahl er.
Die Männer gehorchten sofort und die blankge- schliffenen Dolchspitzen funkelten in dem Lampenlicht.
„Dem Blödsinnigen darf nichts geschehen", rief der rothe Carvelli. „Er ist die Beute Anderer! Ich halte ihn nur für diese Anderen in Sicherheit! Aber auf mein erstes Commandowort stoßt Ihr Eure Dolche dem englischen Diener und der alten Dienerin in die Brust!" und er deutete mit der Hond auf die Poplcy's.
Die Räuber nickten zustimmend.
Wieder heftete der furchtbare Carvelli seine funkelnden Augen auf das entsetzte, gefangene Mädchen.
„Ihr hört", sagte er. „Ich könnte Erch zu meiner Gattin machen ohne alle diese Förmlichkeiten. Meikt, Tod und Leben der Diener liegt in 'Euren Händen. Sagt „Ja" und sie werden leben — sagt „Nein" und sie werden sterben! Aber in jedem Falle seid Ihr mein. Zum letzten Male frage ich Euch jetzt, ob Ihr mich hetrathen wollt! Was ist Eure Antwort? Sprecht?
(Fortsetzung folgt.)
Episoden und Anekdoten aus dem Leöen Kaiser Ariedrichs.
i.
Die Liebe eines Volkes zu seinem Herrscher kennzeichnet sich besonders in dem reichen Anekdotenschatz, mit welchem sich daffelbe dir Persönlichkeit des Hoch- stehenden Fürsten menschlich näber rückt. Sie 6e# künden das warme Interesse, welches das Volk an den mehr oder minder großen Errigniffen, welche
des Leben seiner Monarchen durchkreuzen, nimmt, und sind der eigentliche Gradmeffer der Popularität jeder hervorragenden Persönlichkeit. Wenn auch nicht alle Erzählungen den Anspruch auf geschichtliche Treue erheben können, so läßt sich ihnen doch nicht die Bedeutung absprechen, daß sie zur Charakteristik der betr. Persönlichkeit, besonders wie man dieselbe im Volke auffatzt, beilragen. Nachfolgend bringen wir eine kleine Serie ernster und heiterer Geschicht n aus dem Leben des theueren Verewigten, welche so recht geeignet sind, die herrlichen Eiger schäften dieses edlen, lauteren Charakters vor die Augen zu führen und die Liebe und Verehrung in allen Herzen zu befestigen.
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Im Jahre 1864, als die Zöglinge der Potsdamer Uaterosficiek'Schule eine Schwimmfahrt machten, ge- rieth ein Zögling, Namens Pohl, der seine Kräfte überschätzte, in Todesnoth. Der Kronprinz, unser jetzt verstorbener Kaiser, welcher auch badete, stand auf einem Floß im Bademantel und sah den Zöglingen zu. Da er gewahrte, wie Pohl am Versinken war, stürzte sich der Kronprinz wie der Blitz in die Fluth, theilte mit kläftigen Armen die Wellen und schwamm eilig der Stelle zu, wo Pohl mit dem Tode rang. In demselben Augenblrck, als ber Kronprinz bei dem Versinkenden eintraf, war auch ein Unterofficier mit einem Nachen an der Unglücksstätte angekommen und der Kronprinz hob den Geretteten in den Nachen. So hat Kaiser Friedrich, als er noch Kronprinz war, sein Leben eingesetzt, um einen Mitmenschen vom Tode zu erretten.
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Im Jahre 1877 wohnte der damalige Kronprinz — unser Fritz — dem Kaisermanöoer des 1. Armee- Corps in der Umgebung von Königsb rg in Ostpreußen bei. Am 2. S-ptbr. fand auf dem großen Exerzierplatz daselbst die Parade vor Sr. Majestät weiland Kaiser Wilhelm statt. Die weit zerstreut liegenden Truppen waren mit Tagesgrauen ausge- rückt und kchrten erst mit Sonnenuntergang in die Kantonnements zurück. Die höchsten Herrschaften logirtsn im Stadtschloß der alten ehrwürdigen Krö- nungrstadt. Der Degenfähnrich vom **:ea Regiment halte neben einem älteren Oificier die Ehrenwache im Schloß. Während Letzterer die An- und Abfahrten regelte und der andrängenden Menschenmenge wehrte, lag dem Fähnrich der Dienst der Wache selbst ob. E« war bereits spät Abends, als der Kronprinz in Begleitung seiner Adjutanten am Wacht- lokal vorüberkam. Ec winkte dem Posten zu, das Honeur zu unterlassen, und trat an das Fenster de« Wachthaufes, um zu sehen, was im Innern vorginge. Der dienstthuende Fähnrich saß im Officierszimmer am Tische und war, vorschriftsmäßig bekleidet, ein- zenickt; die Anstrengungen des Tages forderten von )em „jungen Krieger" ihre Rechte. Der Kronprinz trat eise ein und sah auf dem Tische, an welchem der Fähnrich saß, ein beschriebenes Papier, auf welchem stand;


