Diefliegenden Buchhändler"

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. I aber wird von den Theilnehmern der Buchhändler llt | mit Stentorstimme unter Hervorhebung der Stich­worte ausgerufen, wahrend die Einzelheiten nur ge- heimnißvoll angedeutet werden und diese Specula- tion auf die Neugierde des Publikums erweist sich in den meisten Fällen als richtig.

Andere der fliegenden Buchhändler cultiviren als ihre Specialität den Verkauf der sogenannten zweiten

Nr. 108

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London.

(Schluß.)

Der Verkäufer nimmt gewöhnlich eine alte Zeitung, eine religiöse Erbauungsschrift oder eine Schneiderposaune", ein Blatt Papier, auf wel­chem ein billiger Schneider seine Anzüge anpreist, und schlägt dieses unschuldige Preßerzeugniß sorgfältig in einen farbigen Bogen, welcher dann an allen Ecken und Enden zugesiegelt wird, worauf er es mit einem bezeichnenden, faunischen Mienenspiel ausbietet.

In verschiedenen Theilen Londons liegen in den Vuchhändlerladen Bücher bedenklichen Inhalts aus, und die fliegenden Buchhändler suchen ihre Packete nun so einzurichten, daß dieselben den erwähnten ausgelegten Productionen äußerlich ganz ähnlich sehen. Sie nehmen darauf ihren Stand in der Nähe eines dieser Laden und sobald sie nun bemerken, daß Jemand die Titel der in dem Schaufenster ausgeleg­ten Bücher mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet, reden sie ihn an und äußern, daß sie im Stande seien, dieses oder jenes Buch um so und so viel Schilling oder Pence billiger zu verkaufen, als der Ladenpreis beträgt. Geht nun der betreffende Buch­liebhaber auf dieses Anerbieten ein, so wird ihm gegen Erlegung des von dem fliegenden Buchhändler geforderten Preises das schon vorher präparirte Packet in die Hand gedrückt und der Verkäufer hat es begreiflicher Weise alsdann sehr eilig, um die nächste Ecke zu verschwinden.

Sehr häufig betreiben aber auch die Londoner fliegenden Buchhändler ihr Geschäft nicht einzeln oder nur durch einen Chaunter unterstützt, sondern in Gruppen von drei oder vier Personen. Diese Art der fliegenden Buchhändler legt das Hauptgewicht bei ihrem Vertriebe ebenfalls darauf, die Neugierde des Publikums zu reizen, ohne sie zu befriedigen. Deshalb rufen die zu der Gruppe gehörigen Personen nur gewiffe Stichworte aus, als Mordthat! Entführung! Einbruch!; der Gegenstand der von ihnen vertriebenen literarischen Preßerzeugnisse besteht überhaupt stets in schrecklichen Mord- oder Piratengeschichten, Ver­führungen, verbrecherischen Verschwörungen, Explo­sionen, Eisenbahnunfällen, Schiffbrüchen, Duellen und ähnlichen Ereignissen, welche im Stande sind, die Nerven des Publikums zu erschüttern. Immer aber nehmen gräßliche Mordthaten die erste Stelle ein und die Procedur, welche dis fliegende Buchhänd­lergruppe hierbei anwendet, ist ganz systematisch; erst erscheint ein Quartblatt, welches die frühesten Nachrichten bringt, darauf kommen die halben Bogen mit späteren Einzelheiten, Enthüllungen und Verhö­ren, welche gewöhnlich den Berichten der Zeitungen entnommen und für die Straße bearbeitet sind und zu­letzt erscheinen ganze Bogen, ja, bei ganz besonderen Anläsien sogar Doppelbogen. Jede neue Auflage

oder Extra-Ausgaben der Zeitungen, die namentlich in politisch bewegten Zeiten in London sehr häufig erscheinen und die Leute machen hiermit außerordent­lich gute Geschäfte, wenu die Weltereignisse nur einigermaßen danach angethan sind. Wieder andere der fliegenden Buchhändler befassen sich mit dem Ver­triebe der eigentlichen Gesänge der niederen Volks­schichten Londons, jener Gassenhauer, die namentlich auf den Bühnen der Londoner komischen Theater untergeordneten Ranges zum Repertoire gehören und ihren Weg alsbald in breite Schichten der untersten Volksklassen gefunden haben. Diese Lieder sind meist auf einen meterlangen, handbreiten Streifen Papier gedruckt, welcher an einen Stab befestigt wird, so daß der Streifen seiner ganzen Länge nach zu sehen ist und nach dem Maße werden sie in der That auch verkauft. Diese Species der Londoner Straßenbuch­händler vertreibt auch außerdem noch Wahrsagebüchlein, Traumbücher, Penny-Lehrbücher für die Kinder und Sammlungen von Charaden, Räthseln, Witz- und Wortspielen. Ein geschickter Verkäufer der genannten Sammlungen giebt einige der anziehendsten Stellen aus seiner leichten Waare zum Besten, um die Kauf­lust zu animiren. Wie z. B.:Nun meine Herrschaften, auf welcher Seite hat das Pferd die meisten Haare? Sie wissen es nicht? O, so belieben Sie dieses Büchlein zu kaufen, es wird Ihnen sagen, daß das Pferd stets auf der Außenseite die meisten Haare hat!" Doch bindet sich der Verkäufer nicht immer an den Inhalt seines Buches, sondern improvisirt irgend eine Räthselfrage, die natürlich Niemand zu beantworten im Stande ist und die schließlich der Verkäufer selber in einer Weise beantwortet, welche stets das schallende Gelächter der Zuhörer hervorruft.

In früheren Jahren vertrieben die fliegenden Buchhändler in den Straßen Londons auch Missions­berichte, Tractätchen und sonstige kleine Erbauungs­schriften, da dieses Genre in der englischen Metropole eine Zeit lang sehrin Mode" war. Gegenwärtig aber ist diese eigenartige literarische Erscheinung fast gänzlich von der Straße verschwunden, zumal in Loudon ja eine Reihe frommer Gesellschaften bestehen, deren Sendboten mit ihren Tractätchen von Haus zu Haus ziehen und dieselben gratis vertheilen wer möchte denn da noch etwas für solche Sachen ausgeben? Wenn Einem gegenwärtig in London ein Erbammgsschriftchen auf offener Straße angeboten wird, so versteckt sich in den meisten Fällen nur eine ganz gewöhnliche Bettelei dahinter und die flie­genden Buchhändler selber protestiren am meisten gegen eine solche Pfuscherei in ihr Handwerk.

Redacüon: i. B. Hermann Elte. Druck und Verlag der Briihl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießern

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