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sobald als möglich wieder kräftig zu werden, Guy; denn mit Eurer Kraft wird Euer Glück zurückkehren!"
Trefsilian schaute voll in das holdselige und teb zende Gesichtchen und dachte mit leidenschaftlicher Gluth im Herzen:
„Mir kann nur ein Glück Glückseligkeit geben. Ich kann Blanche nicht heirathen, wie es mein Vater wünscht. Mir ist, als ob ich Olla seit Jahren gekannt hätte; und ich liebe sie mehr als Vater, Hei. mach und Freunde. Ich will nicht von hier gehen, bis Olla verspricht- meine Gattin zu werden. Aber wird sie einen Mann heirathen wollen, den sie erst als Blödsinnigen kannte und dessen sie sich nur au« Barmherzigkeit annahm? Was würde sie von mir denken, wenn sie wüßte, daß meine Dankbarkeit für sie in Liebe übergegangen ist — jene L-ebe, die ein Mann nur einmal, aber für immer fühlt?"
Virrundvirrzigstes Kapitel.
Ein aufgefangener Brief.
Sir Arthur Trefsilian'« innere Unzufriedenheit mit seinem vermeintlichen Sohne wuchs mit jedem Tage mehr, anstatt sich zu vermindern. Die Diebstahlsgeschichte und Lowder's Versuch, den Verdacht auf die Dienerschaft zu lenken, war ihm beständig in der Erinnerung. E« beschlich ihn der Argwohn, daß er das Geld nicht aus seiner Kosse gestohlen hatte, um eine Spielschuld zu bezahlen, sondern eher um Palestro's Verschwiegenheit bezüglich irgend eine« vergangenen Ereignisses zu erkaufen. Das Versprechen des Italieners, wöchentlich an Lowder schrei» den zu wollen, fiel ihm ein und bestätigte seinen Argwohn.
Er fühlte, daß sein vorgeblicher Sohn von irgend einem Geheimniß umgeben sei, aber noch immer dämmerte keine Spur der Wahrheit in ihm auf, um seine gemarterte Seele zu trösten.
Nach und nach, Lowder scharf und aufmerksam studirend, fing er an zu glauben, daß der junge Mann sich während seines Aufenthaltes auf dem Festlande eines Verbrechens schuldig gemacht hatte. Es war ein schrecklicher Glaube, der in dem Herzen eines Vaters gegen seinen Sohu entstand; denn bis jetzt hatte Sir Arthur noch keine Ahnung, daß Lowder nicht fein Sohn sei. Der Baronet war entschlossen, herauszubringen, war dieses Verbrechen sei, ehe er einwilligen wollte, die Zukunft seiner reinen, edlen Blanche in die Hände der Eindringlings zu geben.
Man kann sich wohl denken, daß in Sir Arthur's Herzen nicht mehr viel Wärme für seinen vermeintlichen Sohn zu finden war. Der gänzliche Mangel jedweder Ehrenhaftigkeit und Wahrheit in dem jungen Manne hatte den letzten Funken wärmerer Empfindung, die der Baronet vi-lleicht gehabt hatte, erstickt. Sin Gefühl des Abscheues gegen Lowder begann in Str Arthur's Hrrzeu zu entstehen und wie sehr er sich bemühte, er war nicht im Stande, es auszurotten.
Lowder wußte nichts von dieser Veränderung in den Gefühlen des Baronets für ihn. Seine ganze Energie war nur darauf gerichtet, sich wieder die gute Meinung Blanche's zu erwerben, welche, wie er fürchtete, durch die Diebstahlrgeschichte arg erschüttert worden war. Er sagte ihr hundertmal, daß seine Zukunft von ihr allein abhänge — daß sie e» in ihrer Gewalt hab?, ihn zu einem guten Menschen zu machen oder ihn zur Ruchlosigkeit und zum Verderben zu treiben. Er beschwor sie bei ihrer Liebe zu ihrem Vormund» an ihm festzuhalten und erfand hundert lügenhafte Geschichtchen, was Sir Arthur bezüglich der beabsichtigten Heirath Alles gesagt habe. Blanche glaubte ihm und willigte ein, daß die Hochzeitsvorbereitungen getroffen wurden. Hoffend, daß es Sir A'thur's sehnlichster Wunsch sei, sie al« Gattin seines Sohnes zu sehen, war sie bereit, sich für den Vormund zu opfern, um ihn, den sie heimlich liebte, glücklicher zu sehen.
Eines Abends blüb Str Arthur an dem von Lampen erleuchteten Sprifetisch sitzen, nachdem Blanche und Lowder sich bereits in den Salon begeben hatten. Der Baronet war gedankenvoll und niedergeschlagen; seine Enttäuschung in seinem vermeintlichen Sohn — seine mannigfachen Bffürchtungen lasteten schwer auf seiner Seele.
Der Gedanke, daß Lowder mit irgend einem Geheimnisse umgeben sei, nagte an ihm, und er fragte sich, welche Schritte er thun sollte, um die Wahrheit zu erfahren.
„Ich hätte diesen Palestro zurückhalten sollen", dachte er. „Aber die Schande und der Schmerz über die Entdeckung, daß Guy der Dieb war, schien meine Thatkraft vollständig zu lähmen. Warum ist er übereingekommen, an Guy wöchentlich zu schreiben? Worüber will er schreiben?"
Er sann noch über die Frage nach, als Purmton mit dem Briesbeutel einlrat, welcher eben von der Post gebracht worden war.
Froh, seinen Gedanken entfliehen zu können, öffnete Sir Arthur die Tasche mit einem kleinen Schlüssel und widmete sich der SecHon ihres Inhalts.
Es waren eine Menge Tages- und Wochenblätter darin und der Baron schob sie bei Seite, um zunächst die Briese zu besichtigen. Es waren ihrer mehrere; einer herunter war an Fräulein Blanche Jrby adressirt. Sir Arthur legte ihn weg und untersuchte dann seine eigenen Briese. Es waren Geschäftsbriefe ziemlich unbedeutenden Inhalts.
Sir Arthur schaute die Briefe alle durch und legte sie schwer seufzend auf den Tisch. Als er das that, bemerkte er einen sehr dünnen, fremdartig aur- sehenden Brief, welcher ungesehen zwischen die Zeitungsblätter geschlüpft war und von dem jetzt nur ein kleines Eckchen sichtbar war. Er zog diesen Brief alsdann aus seinem Verstecke hervor, sah, daß er an den jungen Str Trefsilian adressirt war und riß ihn auf.
(Fortsetzung folgt.)


