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sich nun auch Ulrich zu ihr wandte und ihr zärtlich | zuflüsterts, der Gegenwart und dieser schönen Stunde t sich zu freuen, da gelangte die Jugend wieder zu ihrem ewigen Vorrecht, sich zu sonnen im Augenblick der Glücks und der Freude. —
Von süßen Träumen eingewiegt, war Hedwiga nach diesem schönen Abrnd entschluwmert, während Ulrich in seinem Zimmer noch ruhelos auf und abwanderte.
Die unerwartete Nennung jenes Namens, den er sich draußen in der Welt, im rauhen Kampfs und Dasein beigelegt, hatte alle Schrecken wieder in ihm wachgerufen. Nur ein einziger Mensch hier in der Heimath kannte ihn unter dem Namen Adam Sturm, und dieser Mensch lag tödtlich verwundet darnieder. War er wieder zur Besinnung gelangt und hatte seinen Feind und Verfolger genannt? Möglich, — dech kannte er ihn nicht unter seinem wahren Namen, da das Gesetz ihn sonst jedenfalls schon verhaftet haben würde. Wie kam es, daß dieser ihm jetzt so ominöse Name gerade vor seinem Hause und bei seiner Ankunft so laut ausgesprochen wurde? Mußte er hierin nicht einen bestimmten Zweck, eine unheimliche Drohung erkennen?
Ulrich athmete tief auf und fühlte in diesem Augenblick keinen sehnlicheren Wunfch, als den, mit Egon Dörner noch in dieser Nacht in die Welt hinauszuziehen.
„Es geht nicht länger", murmelte er, „ich ertrage diese Pein nicht mehr, mag Tante Ulrike sagen, was sie will, mit freier Stirn will ich vor den Richter treten und ihm Alles mittheilen. Er wird mir glauben, — und wenn nicht, nun wohl, dann mag er mich als Adam Sturm einkerkern."
Ein rettender Gedanke schien ihn zu durchblitzen. Starr vor sich hinschauend, spann er diesen Gedanken weiter, bis er immer siegreicher wurde und nun als männlicher Entschluß in seiner Seels feste Gestalt annahm.
„So sei es", sprach er ruhig, „wie kann ich dem Namen meiner Väter Ehre machen, wenn ich vor jedem scharfen Blick erbeben muß? Klar muß mein Leben sein, ruhig mein Blut, und kein ungerechter Makel dasielbe in Aufruhr bringen. Lieber tobt sein, als in dieser Weise noch länger leben!"
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Llppm ' schlief er ein, umgaukelt von süßen Träumen neuen Glücks, deren Mittelpunkt Magda's Bild einnahm.
16.
Als Ulrich Jmmendors am nächsten Morgen erwachte, dachte er eine ganze Weile über den in der Nacht gefaßten Entschluß nach, der ihm jetzt nicht mehr so siegesgewiß erschien als noch vor wenigen Stunden.
Es ist eine alte Erfahrung, die wohl ein Jeder in irgend einer Weise schon erlebt hat, daß die Dinge am Morgen sich ganz anders darzustellen pflegen, al» am vorhergehenden Abend und mancher Entschluß sich dann als Seisenblase erweist.
„Ob ich Tante Ulrike davon sage?" grübelte et, sich in seines Vaters seidenen Schlafrock hüllend und nachdenklich an's Fenster tretend, das auf den Garten hinausging.
„Nein", entschied er nach einer Weile, „sie würde tausend Bedenken dagegen haben."
El! blickte in den regengrauen Morgen hinaus, das Wetter hatte sich über Nacht verändert und Sturm und Regen gebracht. Es harmomrte mit seiner Stimmung.
„Ob ich den Major, ob Egon in's Vertrauen ziehe?" fragte er sich weiter, „sie haben sich ein heiliger Recht dazu erworben, sind Männer von Ehre, und werden meine Gründe bester würdigen . als Frauen, die nur das Glück und Lebm Anderer zu behüten suchen."
Er klingelte Johann, ließ seinen Kaffee bringen und die nöthige Toilette besorgen, worauf er sich selbst bediente, wie er's vor vielen Jahren gewohnt geworden, um sich dann nach einer halben Stunde, mit Ueberziehrr und Hut versehen, zur Tante Ulrike hinabzubegeben.
Er traf sie in ihrem Conferenz-Zimmer, wo sie Rechnungen prüfte und der alten Köchin die nörhigen Befehle ertheilke.
„Du willst schon ausgehen?" fragte sie erstaunt nach d-r ersten Begrüßung.
„Wie Du siehst, Tantchen, ich muß meine gewohnte Morgen-Promenade machen. — Sieh', ist das nicht unsere alte Rike?" wandte er sich freundlich zu der Köchin, die förmlich darnach lechzte, ihren jungen Herrn zu begrüßen.
„Na, versteht sich, wir sind noch immer am Leben, gnädiger Herr!" versetzte die Alte vergnügt, „bin so froh, daß meine Augen noch dieses Glück erleben."
Ulrich gab ihr dis Hand, dabei versichernd, daß er sich ebensosehr freue, alte bekannte Gesichter wie, der zu sehen, worauf die treue Seele knixte uud sich ganz selig nach der Küche hinabbegab.
„Es ist ein gutes Zeugniß für Dich, mein lieber Ulrich", sagte die Tante gerührt, „daß diese alten, treuen Menschen von Deiner Heimkehr so sehr beglückt sind."
„Freilich", lächelte der junge Mann, „aber noch lieber ist's mir doch, daß auch die jüngere Generation sich -meiner Heimkchr freuet, — ich spreche von Dir und Hedwiga", setzte er rasch hinzu, als Ulrike ihn so seltsam forschend anblickte.
„Von mir?" lächelte sie melancholisch, „wahrscheinlich gehört der Major dann auch zur jüngeren Generation. Doch Scherz bei Seite, — Du wirst heute viele Besuche machen milff en und —"
„Ich machte mich am liebsten unsichtbar, Tantel" fiel der junge Mann unmuthig ein, „habe so lange außerhalb der Gesellschaft mich umhertretben müssen, daß die nothwendigrn Formen mir fast gänzlich abhanden gekommen find —"
„Ich glaube es Dir, lieber Junge!" versetzte Ulrike, ihn mit zärtlicher Thrilnahme betrachtend, „doch nimm Dir ein Beispiel an Egon Dörner,


