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Belletristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger. - u , ...... । — । mi. i■ MW iMnr»in—rr~Trri~Hr»irTT-—- anw a au. immiiii.BTaurM—MMwmnw 11IM
NH3° Donnerstag dm 9. August._______ 1888
Der Gröe des Kaufes.
Roman von Hermine Frankenstein.
(Fortsetzung.)
„Er wird in einigen Stunden aus diesem Schlafe erwachen und bei klarer Vernunft fein", erklärte Sir Windham. ,iLegt Eure Hand auf feine Stirne."
Olla gehorchte. Ein leichter Schweiß bedeckte die marmorkalte Stirne. Sie standen eine kleine Weile an dem Krankenlager, dann sagte Sir Windham:
„Gehen wir in den Salon hinab; Poplry, der dort hinter dem Vorhänge steht, wird bei unferm Patienten Wache halten und von jeder Veränderung Bericht erstatten. Wir müssen dafür sorgen, daß die größte Ruhe im Hause herrscht.
Sie gingen in den Salon hinab. Olla ertheilte den Befehl, daß die tiefste Ruhe in dem Haufe herrsche.
Der Abend war zeitlich angebrochen und die Nacht war ihm gefolgt, noch ehe die Operation beendet gewesen war. Er war fast 8 Uhr, als Frau Poplcy leise auf den Fußspitzen in den Salon eintrat und mit leiser Stimme meldete, daß das Abendessen bereit sei. Sir Windham und Olla begaben sich durch die kalte Halle in den Speisesaal.
Um 10 Uhr ging Sir Windham zu seinem Patienten, aber es hatte sich bei demselben nichts verändert. Der Wundarzt beauftragte Popley, ihn bei dem geringsten Anzeichen einer Veränderung zu wecken und begab sich dann zu Bett.
Olla löschte im Salon und in der Halle die L-chter aus und suchte dann ihr Schlafzimmer auf. Es war milde erwärmt und beleuchtet; ein trauliches, freundliches Gemach, in welchem Frau Popley bereits ihrer harrte.
„Alles geht gut, Fräulein Olla", sagte die treue alte Frau mit leuchtendem Gesichte, als Olla leise die Thüre schloß. „Der junge Mann liegt in tiefem, ruhigem Schlaf. Jim wird mich um 1 Uhr rufen, wenn ich wachen soll."
„Du mußt mich benachrichtigen, wenn es schlimmer werden sollte", sagte Olla. „Wenn er sterben sollte, muß ich bei ihm sein. Ich kann es nicht glauben, daß er schon außer Gefahr ist. Und wenn er stirbt, Amme", fügte sie mit bebender Stimme hinzu, „soll sein letzter Blick auf das theilnahmsvolle Gesicht einer Freundin geheftet fein!"
Frau Popley gab das gewünschte Versprechen und Olla begab sich müde und erschöpft von der
Reise und bett Aufregungen des Tages zu Bette und . war in einer halben Stunde eingeschlafen.
| Todtrnstille herrschte in dem einsamen Hause auf : der Spitze des Berges. Kein Geräusch kam aus ; Tressilian's Zimmer, um Leben oder Tod zu verkünden. Um 1 Uhr, als der Sturm draußen um
■ das Haus am wildesten tobte, schlich sich Frau Po- ! pley nach dem Krankenzimmer, um ihren Sohn von i der mühsamen Wache abzulösen.
Die Nacht verging und noch immer lag Tressi- ! lian in dem tiefen, todtenähnlichen Schlafe. Der ! Tag brach endlich an und gedämpfte Laute de» i erwachenden Lebens in dem Haufe tönten herauf, s aber er erwachte nicht.
- Um 7 Uhr — es war fast noch ganz dunkel — ? klopfte Sir Windham leise an die Thüre und trat j behutsam ein.
„Er ist unverändert, Herr!" flüsterte Frau i Poplcy.
„War, er ist noch nicht erwacht?" entgegnete der Doktor mit ängstlicher Miene. „Da muß ich ■ Nachsehen."
Er trat an'S Bett, beugte sich über Tresstlian - und fühlte nach seinem Puls. Er ging leise aber f regelmäßig.
Als er von der Uhr aufschaute, öffneten sich I Tressilian's Augen und blieben mit fragendem Ausdrucke an ihm hängen. Der Ausdruck war der eines verständigen Menschen.
Das Herz des Arztes schlug schneller vor Freude. Er wußte, wie nah; Tressiltan dem Tode gewesen war und er betrachtete seine Operation als einen Triumph der Wissenschaft.
Tressilian's Lippen bewegten sich schwach.
„Wer seid Ihr", flüsterte er.
„Ich bin der Arzt Sir Windham Winn. Quält l Euch nicht, junger Mann, sondern nehmt die Dtugr, wie sie kommen. Ihr seid unter Freunden. Das ist Alles, was Ihr einstweilen zu wissen braucht."
Guy Tresstlian lächelte schwach und seine Augen schlossen sich müde.
„Ich bitte, Frau Popley", sagte Windham, „laßt sogleich etwas Fleischbrühe bereiten."
„Sie ist schon bereitet", entgegnete die Frau, „Ich warte schon seit einer Stunde, um sie bringen zu können."
Sie eilte hinaus und kehrte gleich darauf mit einer Taffe kräftiger Brühe zurück. Sir Windham nahm dieselbe) setze sich an'« Bett und flößte sie dem Kranken mir weiblich sanfter Sorgfalt ein.


