Ausgabe 
31.7.1886
 
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mit den Damen hier zusammentreffen. Ich war, wie ich Ihnen schon einmal sagte, der beste Freund Salberg's; es wäre mir unangenehm, wenn die Damen, was ich ja nicht verhindern könnte, Fragen an mich richteten, deren Beantwortung ich ablehnen müßte. Solchen Eventualitäten geht man am besten aus dem Wege, und wenn ich d-es jetzt thue, so er­warte ich, daß Sie meinen Wunsch ehren und meine Nähe nicht den Damen verrathen werden."

Ich begreife das noch immer nicht", sagte der Referendar, zweifelnd das Haupt wiegend,Sie kennen ja Frau Schirmer und deren Nichte"

Ich kenne auch Madame Ackermann, aber wollen Sie daraus schon den Schluß ziehen, daß mir das Zusammensein mit ihnen angenehm sein müsse?"

Die Damen wissen, daß Sie hier sind."

So sagen Sie ihnen, ich sei wieder abgereist", erwiderte der Oberst ungeduldig.Wie lange werden sie wohl hier bleiben?"

Nur einige Tage."

Und Sie?"

Das kann ich jetzt noch nicht bestimmen, die Dauer meines Aufenthalts hier hängt von den Resultaten meiner Nachforschung ab."

Sie wollen also nicht meinem Rathe folgen und sich die nutzlose Mühe machen?"

Ich habe nun einmal die Sache unternommen, und das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend Böses muß gebären", sagte der Referendar in ernstem, entschiedenem Tone.Ge­denken Sie länger hier zu bleiben?"

Vielleicht!" wich der Oberst einer bestimmten Antwort aus.Ich fühle mich wohl in dem , Weißen Hirsch" und hoffte hier einige Wochen in ungestörter Ruhe zu verbringen jetzt muß ich freilich darauf verzichten. Sie gehen wohl in das Gasthaus zurück?"

Ich will zum Ortsschulzen."

Und in den Wald. Heute Abend sehen wir uns imWeißen Hirsch" wieder."

Er winkte grüßend mit der Hand und schlug den Weg ein, der zum Walde führte.

Der Referendar blickte ihm lange nach.

Du bist noch nicht der Mann, den Teufel fest­zuhalten", brummte er ärgerlich.Ich möchte nur wissen, weshalb er mich von diesen Nachforschungen zurückhalten will ihm kann die Sache doch gleich­gültig sein! Und weshalb geht er den Damen aus dem Wege? Es könnte ihm doch nur angenehm sein, einige Tage in solcher liebenswürdigen Gesell­schaft zu verbringen. Aber was geht es mich an künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ich aber habe keine Lust, mir den Kopf darüber zu zerbrechen."

Er befand sich auf dem Wege nach Wiesenthal und hatte kaum eine kurze Strecke zurückgelegt, als der Förster grüßend an ihm vorbeischritt.

Bitte, nehmen Sie mich mit", sagte der Referendar rasch,Hier vollend' ich's, die Gelegen­heit ist günstig, Sie sind wohl der Förster hier?"

Hellmuth war stehen geblieben, er musterte den jungen Mann mit einem raschen Blick.

Förster Hellmuth", erwiderte er.Ich wohne in Wiesenthal und vertrete gegenwärtig den er­krankten Oberförster."

Wie lange sind Sie schon hier?" fragte Rommel, nachdem er den Gruß erwidert hatte.

Zwölf Jahre."

Dann kennen Sie jedenfalls den Burschen, der vor einigen Tagen aus Amerika zurückgekehrt ist?"

Den rothen Fritz?" sagte der Förster aufhorchend. Ich sollte es meinen hat uns vor seiner Aus­wanderung Arbeit genug gemacht."

Und er wird sie Ihnen jetzt wieder machen."

Ich bin darauf gefaßt."

Er war wohl ein berüchtigter Wilddieb?"

Er war zu Allem fähig, und ich glaube, daß er es auch heute noch ist", antwortete Hellmuth, während er mit dem Daumen die Asche seiner kurzen Pfeife niederstieß.Gebessert ist er nicht wiederge­kommen, und wenn sie ihn drüben aufgehangen hätten, so wäre der Menschheit ein Dienst damit geleistet worden."

Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme", sagte der Referendar.Wer einmal die Bahn de» Verbrechens betreten hat, der muß sie auch verfolgen bis zu Ende. Erinnern Sie sich noch der Leiche, die man vor zehn Jahren hier im Walde gefunden hat?"

Der Förster sah ihn befremdet an und nickte bejahend.Es ist damals viel darüber gesprochen worden", erwiderte er,aber nachher hat man's wieder vergessen, und die Wahrheit wird man heute schwerlich noch ermitteln können."

Wurde der rothe Fritz mit dieser Geschichte in Verbindung gebracht?"

Hm Sie stellen seltsame Fragen an mich, und dabei weiß ich nicht, mit wem ich die Ehre habe."

Ich bin, wie Sie, königlicher Beamter", sagte der Referendar,und ich darf wohl annehmen, daß Sie kein Freund dieses Verbrechers sind. Sie müssen mich in meinen Bemühungen unterstützen ich ver­lange das von Ihnen, und ich glaube, daß Sie gerne bereit dazu sein werden. Der Bursche ist auf dem Wege nach seiner Heimath mit einem abge­laufenen fremden Paß aufgegriffen und mir vorge­führt worden."

Sie sind Polizeibeamter?"

Referendar und augenblicklich beim Unter­suchungsrichter beschäftigt. Wir haben den Kerl mehrmals verhört, aber ihm Nichts beweisen können; den Paß will er hier im Walde gefunden haben."

Wann?"

Vor zehn Jahren."

Und auf welchen Namen lautete er?"

Auf den Namen Franz Krüger."

Das ist merkwürdig. Wenn er noch auf den Namen Salberg gelautet hätte!"