Ausgabe 
28.8.1886
 
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auch ein Zufall gewesen sein; er hörte Vie kommen und"

Ich glaube selbst, daß er nur ein Zufall war", unterbrach der Referendar ihn, der jetzt zum Verhör de« Ortsvorstehers überging, von dem er weiter Nichts erfuhr, als daß der rothe Fritz schon als junger Bursche ein verwegener und gefürchteter Mensch ge­wesen war. (Fortsetzung folgt).

Aer Ausstand der Wompurru.

NuS einem egyptischen Lagebuche.

Von R- v. Salbern. (Schluß).

Wir saßen hier auf einer öden, unbekannten Nil-Insel, viele Meilen von den Grenzen der Civili- sation entfernt, ohne jede Aussicht auf Hilfe, bedroht von fanatischen Feinden, welche nach unserem Blute lechzten und uns jedenfalls den grausamsten Martern unterworfen haben würden, wären wir ihnen in die Hände gefallen, lediglich auf unfern eigenen Witz und unseren Muth angewiesen. Nun, den hatten wir auch noch nicht verloren freilich brauchten wir ihn auch sehr nöthig. Ein direkter Angriff gegen die Insel mittels Boote oder anderer Fahr­zeuge war nur von der Seite möglich, auf der wir gelandet hatten; denn die Insel fiel ringsum steil in den Fluß ab, ein Erklettern der glatten Fels­wände war unmöglich, und eben nur von der Stelle aus, an welcher unser Floß lag, konnte die Insel bestiegen werden. Aber diese Stelle ließ sich mit unfern fünf Büchsen leicht vertheidigen, während wir hier hinter den Felsstücken gegen die Kugeln der Schwarzen vollständig gesichert waren; unser Proviant, meist aus gedörrtem Fleisch und gepreßtem Zwieback bestehend, langte für uns fünf Mann auf mindestens vierzehn Tage und das klare Waffer des Nils umgab uns ja von allen Seiten. Freilich, an der Stelle, an welcher das Floß lag. mußten wir unter den Kugeln der Schwarzen, denen außer den Flinten und den Munitionsvorräthen der meuterischen Soldaten auch die Gewehre der niedergemetzelten Soldaten zur Verfügung standen, Waffer schöpfen und gleich der erste Versuch, den Sabbi Datscho unternahm, zog ihm einen wahren Kugelhagel von den Schwarzen zu. Dieselben hatten im Laufe der Nacht, wie wir jetzt entdeckten, am Ufer eine Art Verschanzung aus aufgeworfener Erde, Aesten, Steinen u. s. w. errichtet, hinter der die Kerls frei­lich nicht so sicher gegen unsere Kugeln waren, wie wir gegen die ihrigen hinter unseren Felsenwänden. Als sich Sabbi Datscho amLandungsplätze" zeigte, blitzte es drüben aus zwanzig, dreißig Gewehren auf, glücklicherweise gingen die Kugeln sämmtlich fehl, doch zog es Sabbi vor, sich schleunigst wieder zu uns vier Anderen auf dem Plateau der Felsen­insel zurückzuversügen.

Nun, Waffer mußten wir aber haben und Sadik

verfiel auf die wirklich prächtige Idee, die ziemlich große Patronentasche de« einen schwarzen Soldaten an zusammengebundene Riemen zu knüpfen und nun hatten wir einen Eimer, mit dem wir das Waffer aus dem Fluffe mühelos Heraufziehen konnten. Auch gegen die brennenden Sonnenstrahlen waren wir vollkommen geschützt, denn auf der Mitte des Plateaus, wo sich etwas Erde befand, wuchsen einige kleine Palmen und Mimosen und gaben uns genügenden Schatten. Nur mit der Munition sah es nicht be­sonders aus. Ich hatte für meine vortreffliche, doppelläufige Büchse im Ganzen noch sechszehn Kugeln zur Verfügung und meine vier Gefährten besaßen für ihre Militärgewehre zusammen noch 44 Patronen, so daß wir insgesammt über 60 Schuß verfügten, wa« für unsere Lage nicht viel heißen wollte und beschloffen wir daher, nur im äußersten Nothfalle Feuer zu geben. Das lange Floß, unser einziges Mittel zur Flucht, hatten wir so weit wie möglich auf die Felseninsel heraufgezogen und nun mußten wir auf einen tüchtigen Morgennebel warten, denn in einer Hellen Nacht hätten wir auf dem Floß unfern Gegnern, die sicherlich alle unsere Bewegungen fortgesetzt beobachteten, ein gutes Ziel dargeboten. Daß aber die schwarzen Kerls auf ihrem Posten waren, bewiesen die mächtigen Feuer, die schon in der nächsten Nacht am Flußufer aufflammten, und das gelegentliche Blitzen der Bajonette der Posten."

Galvini stärkte sich durch einen tüchtigen Schluck und fuhr dann fort:So verflossen drei Tage uns drei Nächte, ohne daß sich der ersehnte Morgennebel einstellen wollte und wir waren daher zu vollständiger Unthätigkeit gezwungen, auch unsere Feinde verhielten sich sehr passiv, nur dann und wann klatschte eine Kugel gegen die Felsenwände oder fuhr durch die Wipfel der Palmen. Offenbar hatten sie keine Boote, um uns anzugreifen und unserem Beispiel zu folgen und ein Floß zu bauen, hielten sie wahr­scheinlich nicht der Mühe werth; aber es war nicht zu bezweifeln, daß sie Sendlinge nach den, wie Sadik versicherte, ein paar Tagereisen von hier fluß­aufwärts gelegenen Niederlaffungen der Mompurru abgeschickt hatten, um dort Kähne zu requiriren und wenn diese eintrafen, dann gab es für uns kaum mehr eine Aussicht auf Entkommen. Glücklicher­weise bedeckte sich in den ersten Morgenstunden des fünften Tages unseres Aufenthaltes auf der Felsen­insel der Nil wieder mit jenen merkwürdigen weiß, liehen Dunstmaffen, die wir schon bei unserer An­kunft am Ufer vorgefunden hatten und welche in der dortigen Gegend ziemlich häufig auftreten und natür« lich verloren wir keine Minute, um unser Floß flott zu machen und dasselbe mit unseren Proviantvor« räthen zu beladen. Meine schwarzen Freunde be­sorgten dieses Geschäft mit vollständigster Geräusch­losigkeit und als wir endlich von der Felseninsel abstießen, drang kein Laut von den Belagerern zu uns herüber. Anfänglich trieben wir nur langsam den Fluß hinunter, bald nahm er aber eine raschere Strömung an und als endlich die Sonnenstrahlen