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„Lassen Sie es meine Sorge sein, auch diese zu erhalten", entgegnete in scharfem Tone Herr von Brehmer. „Ich wünsche klar zu sehen, und deshalb ersuche ich Sie noch einmal, mir zu sagen, ob Sie für die junge Dame ein tieferes Interesse haben?" „Und wenn ich diese Frage bejahen würde, was dann?"
„Dann würde ich die Entscheidung, ob Sie oder ich, den Waffen überlassen", erklärte der junge Mann, und in die blassen Wangen stieg die Nöthe der Eifersucht.
„Es wäre vielleicht richtiger, diese Entscheidung in die Hände des Fräuleins von Eschenheim zu legen", erwiderte Alfred in überlegenem Tone, „freilich fürchte ich, daß Sie in diesem Falle den Kürzeren ziehen würden. Um Ihnen aber zu beweisen, daß Drohungen auf mich nicht den mindesten Eindruck machen, erkläre ich Ihnen hiermit, daß ich bei nächster Gelegenheit um die Hand der Dame anhalten werde, und sicher bin, keinen Korb zu erhalten."
„Dann erlauben Sie, mein Herr, daß ich Ihnen morgen meinen Sekundanten sende; für uns Beide ist die Welt nicht groß genug", sagte Herr von Brehmer mit vor Zorn bebender Stimme. „Da Sie, wie Sie soeben äußerten, sehr viel Muth besitzen, werden Sie meinem Abgesandten hoffentlich keine Schwierigkeiten in den Weg legen und auch mit meinem Vorschläge, als Waffe Pistolen zu wählen, einverstanden sein."
„Wie Sie wünschen!" versetzte der Legationssekretär kalt.
„Dann ist die Sache in Ordnung", schloß Brehmer die Unterredung, verbeugt» sich leicht und eilte raschen Schrittes dem Hause zu, während Alfred noch langsam einen Gang durch den Garten machte. Eine Viertelstunde später hörte er seinen Gegner im Galopp davonreiten.
Auch Alfred fand keine Ruhe mehr zum Bleiben; er verabschiedete sich von dem Baron und Liesbeth und kehrte in seinem leichten Einspänner nach der Stadt zurück.
VI.
Es war zu später Abendstunde, als durch eine schmale, dunkle Vorstadtstraße ein Mann dahinschritt, dessen Gestalt trotz des warmen Wetters in einen langen Ueberrock gehüllt war. Den Kopf bedeckte ein schwarzer, breitkrämpiger Filzhut, der einen tiefen Schatten auf das Gesicht warf, so daß die Züge desselben nicht erkennbar gewesen wären, auch wenn der Mann den Hut nicht so tief in die Stirn hineingedrückt hätte. Verwundert blieben die wenigen Passanten stehen, welche um diese Zeit noch in der schlecht beleuchteten Gaffe sichtbar waren und schauten der seltsamen Figur nach, dir sich verhüllt hatte, als seien so viel Grade Kälte, wie das Thermometer Wärme zeigte.
W Bor einem unansehnlichen, schmutzigen Hause blieb der Mann einen Augenblick stehen, schaute prüfend die Straße rückwärts und trat dann schnell ein. Eine düster brennende Laterne mit rothen Glasscheiben war über der Hausthür angebracht, und über den beiden, niedrigen Fenstern befand sich eine Holztafel, auf welcher in grellen Farben die biblische Legende von Daniel in der Löwengrube abgebildet war, darunter, gewissermaßen zur Motivi- rung der der heiligen Schrift entnommenen Stoffes die Inschrift: „Zum Löwenk ller."
Eine matt erhellte, feuchte Treppe führte vom Hausflur aus abwärts.'; dumpfe» Stimmengewirr drang aus dem unten befindlichen Raume hervor, und jener schreckliche Geruch, aus Schnapsdunst, Bieratmo»phäre und Tabaksqualm gemischt, erfüllte die ohnedies fchwere, drückende Luft.
Ohne zu zögern, trat der Mann ein, aber er kostete ihm Ueberwindung, sich in den niedrigen, mit einem erstickenden Dunst angefüllten Raum zu wagen. Prüfend ließ er den Blick über die Anwesenden schweifen, dann schritt er auf einen Ecktisch zu, und nahm an demselben Platz.
Es waren zum Theil abenteuerliche wenig Vertrauen erweckende Leute, welche sich als Gäste in dem Zimmer befanden, auch einige Weiber machten sich durch lautes, ungenirtes Sprechen und Lachen bemerkbar. Offenbar hatte die Mehrzahl der Anwesenden allen Grund, dar Licht de» Tages zu scheuen, und es gehörte wenig Menschenkenntniß dazu, in den leidenschaftlichen Physiognomien Leute zu erkennen, die mit Gesetz und Ordnung auf gespanntem Fuße lebten.
Auch die drei Männer, welche an dem Tische faßen, wo der Eingetretene soeben den letzten, freien Platz eingenommen hatte, machten keine Ausnahme nur drückten ihre Züge höhere Intelligenz, tiefere Bildung aus.
Der junge Mann begrüßte die Drei wie alte Bekannte, warf den langen Ueberrock ab und schleuderte den Hut in die Ecke, unbekümmert um die fragwürdige Sauberkeit, welche in dem Lokale herrschte.
„Du hast Dich lange nicht bei uns sehen laffen, Fuchs, gehst wohl noch immer auf Freiersfüßen?" fragte einer der Männer mit pfiffigem Lächeln.
„Es hat hoffentlich die längste Zeit gedauert, dieser ewige Schönthun wird nachgerade langweilig", versetzte der Andere verdrießlich. „Aber ich darf mit der Thür nicht in» Haus fallen, sondern muß vorläufig noch einige Zeit den girrenden Liebhaber spielen."
„Und wenn dann der Fuchs das fette Gänslein geholt hat, dann wird er sich vermuthlich in seinen Bau vergraben und sich um seine guten Freunde nicht mehr bekümmern", mischte sich ein Dritter ins Gespräch.
(Fortsetzung folgt).
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Redaction: A. Scheyda. — Nruck und Verlag der Brühl'scheu Aruckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


